FIFA

FIFA22: Faszination Pro Clubs - Das macht den Modus aus

Zwischen Wertevermittlung, Teamgefüge und Emotionen

Faszination Pro Clubs: "Es geht nicht darum, elf gute Spieler zu haben, sondern ein gutes Team"

Pro Clubs kommt in FIFA echtem Fußball wohl am nächsten.

Pro Clubs kommt in FIFA echtem Fußball wohl am nächsten. EA SPORTS

Die Palette der spielbaren Modi in FIFA ist auch im aktuellen Ableger wieder groß: Ultimate Team, der klassische Karrieremodus oder der an FIFA Street angelehnte Volta-Modus. Ein Spielmodus, der dabei immer wieder ein wenig übersehen zu werden scheint, ist Pro Clubs. 

Dabei scheint Pro Clubs dem echten Fußball, der in FIFA auf die Konsole gebracht werden soll, am nächsten zu kommen: Bis zu 22 Spieler kontrollieren jeweils einen Akteur auf dem Rasen und treten in Teams gegeneinander an. Die Möglichkeiten und das Potential dieser Herangehensweise thematisierten wir im vergangenen kicker eSport Talk - in dem zudem heiß darüber diskutiert wurde, was Pro Clubs so besonders macht. 

Identifikation mit neuen Heldengeschichten

Für Patrick Baur, Geschäftsführer der Doppelpass Digital GmbH, resultiert die Faszination unter anderem aus der Identifikation mit dem eigenen Spieler und Verein: "Es ist auf jeden Fall ein krasses Ereignis, wenn du das erste Mal deinen Avatar siehst, wie der auf einem großen Fernseher in deinem Trikot, auf dem hinten deine Nummer und dein Name draufstehen, auf den Rasen aufläuft." Für ihn könnten so "neue Heldengenschichten entstehen".

Ganz ehrlich: Das macht was mit dir.

Patrick Baur, Geschäftsführer der Doppelpass Digital GmbH

Eine Kerbe, in die auch der Pro-Clubs-Coach des VfL Bochum, Alex Stange, schlägt: "Es ist der Aspekt, für den eigenen Verein zu spielen." Dies könne man auch im Karrieremodus schon erkennen: "Du läufst beim VfL außen mit Holtmann, spielst auf Losilla und dann auf Stange, der trifft und in die Bochum-Kurve rennt."

Ein Gefühl, das Baur, der sich auch im kicker eSport Talk zum Thema "eSport und Fußballfans - wie passt das zusammen?" bereits positiv über Pro Clubs geäußert hatte, auf den Punkt bringt: "Ganz ehrlich: Das macht was mit dir." 

Pro Clubs vermittelt "Werte für das echte Leben"

Der Trainer der Bochumer findet jedoch einen anderen Aspekt an Pro Clubs entscheidend: "Für mich ist das wichtigste an diesem Modus die Wertevermittlung: Sich einem Team unterzuordnen - gerade als eins-gegen-eins-Spieler." Dabei entfiele das "ich mache das" und werde zum "ich mache das für das Team und für die Jungs". Für Stange "Werte, die auch fernab von der Konsole im echten Leben relevant sind." 

Das ist Fußball eins zu eins auf die Konsole übertragen.

Alex Stange, Pro-Clubs-Coach des VfL Bochum

Eine weitere Schnittmenge zwischen echtem Leben und Spiel erkennt der Übungsleiter auch in der Hackordnung innerhalb eines Teams: "Es kristallisieren sich auch in Pro Clubs Leader heraus, die das Wort führen." Genau so gebe es "Leute, die pushen, und manche Spieler, die schnell emotional werden und angefressen sind". Genau darauf käme es an: "Das ist Fußball. Das ist Fußball eins zu eins auf die Konsole übertragen. Und das ist es, was den Modus für mich auszeichnet."

Emotionen grundsätzlich positiver

Jan 'GamingAlm' Bergmann, seines Zeichens FUT-Trader aber auch jahrelanger Fußballtrainer, sieht in der Grundstimmung des Modus' einen Vorteil gegenüber anderen Modi der FIFA-Reihe: "Wenn ich Pro Clubs spiele, erfahre ich meistens positive Emotionen: Ich freue mich mit meinem Team über gelungene Aktionen, wenn etwas nicht funktioniert, baust du den anderen auf."

Zwar käme es natürlich auch in Pro Clubs vor, dass "der Ball irgendwo hingeht, wo man nicht hingedrückt hat", aber der Umgang damit sei ein anderer: "Wenn mein Mitspieler einen Misserfolg hat, weil er ein Riesending nicht macht, dann wird er aufgebaut und es gibt unter Kumpels vielleicht mal einen dummen Spruch. Die Situation ist viel entspannter, als wenn ich alleine verkrampft vor meiner Konsole sitze und in der Weekend League im letzten Spiel um den nächsten Rang diese Dinger nicht mache." Für Bergmann "ein Riesenfaktor". 

Es geht nicht darum, elfmal einen guten Spieler zu haben, sondern ein gutes Team.

Jan 'GamingAlm' Bergmann, FUT-Trader und Fußballtrainer

Aus Sicht eines Trainer begeistere 'GamingAlm' noch eine weitere Facette. Denn "gib mir die elf besten FIFA-Spieler und das läuft schon", sei keine veritable Herangehensweise: "Es geht nicht darum, elfmal einen guten Spieler zu haben, sondern ein gutes Team, das gut aufeinander abgestimmt ist und harmoniert." Man müsse versuchen, "die Ideen aller so zu bündeln, dass wir alle ansatzweise gleich denken und eine Philosophie entwickeln, wie wir diesen Modus und dieses Spiel spielen." 

Gesamtgesellschaftliche Chance

Zu guter Letzt biete Pro Clubs laut Baur auch Möglichkeiten für Vereine und die Gesellschaft im Ganzen: "Ich glaube wir haben in Deutschland eine sehr starke Vereinslandschaft, die für uns als Gesamtgesellschaft eine eine feste Säule ist, an der Menschen zusammenkommen, egal welche Herkunft und welchen Status sie haben. Das Interesse am Fußball bringt sie zusammen", führt der Geschäftsführer der Doppelpass Digital GmbH aus.

Dieses Interesse gilt es für ihn nun in modernerer Form aufzugreifen: "Die nächste Generation geht vielleicht nicht mehr in den Fußballverein, sondern sitzt zu Hause vor der Konsole und zockt. Hier sehe ich den Auftrag bei den Vereinen, ein neues Angebot zu schaffen, um Menschen wieder in den Verein zu holen und Gemeinschaftserlebnisse zu schaffen. Und die kannst du in Pro Clubs haben." 

Deshalb wäre es laut Baur "extrem wertvoll", wenn Vereine die Chance nutzen würden, "ein Gaming-Angebot wie FIFA Pro Clubs zu schaffen und dieses zu einem eSport auszubauen, um Leute aus dem Wohnzimmer zu holen und ihnen Werte zu vermitteln." Denn dann, so Baur abschließend, "können Vereine ihren gesellschaftlichen Auftrag wahrnehmen".

Matti Jansen

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Pro Clubs: Der FIFA-Modus der Zukunft?

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