Bundesliga

Gladbach-Coach Farke: "Können nicht in den Top-6 abschließen"

Gladbachs Trainer und die kleinen Momente

Farke: "Können nicht in den Top-6 abschließen"

Gladbachs Coach Daniel Farke sieht sein Team im Umbruch.

Gladbachs Coach Daniel Farke sieht sein Team im Umbruch. IMAGO/Contrast

Jonas Hofmann war auffällig bemüht, den Blick auf positive Momente zu lenken. "Wir haben uns danach nicht aufgegeben", befand der Mittelfeldspieler zum Verlauf der 1:4-Niederlage bei Hertha BSC und meint damit die Phase nach dem Rückstand durch einen formidablen Distanzschuss von Marton Dardai. Und auch den Beginn der Partie hob er hervor: "In der ersten halben Stunde waren wir sehr gut im Spiel und kaum greifbar für den Gegner, die Führung haben wir verdient erzielt."

Nach eben dieser halben Stunde war der vielversprechende Ansatz, den Nico Elvedi mit seinem Tor krönte, allerdings wieder vorbei, erkannte auch Nationalspieler Hofmann. Danach habe sich sein Team "zu wenig zwingende Torchancen kreiert und nicht konsequent genug unsere Situationen zu Ende gespielt". Das Ergebnis: Wirklich gefährlich wurde es nach vorne nur noch sporadisch.

"Wir stehen vor einem Umbruch, das steht fest"

Ein Punkt, ein Tor: Die Bilanz der beiden wegweisenden Partien gegen Schlusslicht Schalke (0:0) und den vormals 17. Hertha BSC ist ernüchternd. Rang 10 bedeutet das Ankommen im Tabellen-Mittelfeld, der Abstand zum sicheren Europapokal-Rang 6 ist seit dem Re-Start der Liga von drei auf neun Punkte angestiegen. Nach Ansicht von Trainer Daniel Farke ist das nicht verwunderlich. "Wir sind nicht so, dass wir die Saison in den Top-6 abschließen können, das wird nicht passieren", befand der Coach nach dem Auftritt im Olympiastadion: "Wir stehen vor einem Umbruch, das steht fest. Die vielen jungen Spieler, die heute auf dem Platz gestanden haben, sind das eine oder andere Mal fehlerbehaftet, aber das ist ein Weg, den wir gehen müssen."

So jung ist sein Team allerdings gar nicht: Trotz der Hereinnahme von Hannes Wolf (23) und Luca Netz (19) lag das Durchschnittsalter am Sonntag bei 26,92 Jahren, elf Teams liefen am Spieltag mit jüngeren Mannschaften auf - zum Beispiel Gegner Hertha.

Fußball ist "manchmal Karma"

Im Spiel in Berlin haben nach Ansicht des Coaches ohnehin die "kleinen Momente" den Unterschied ausgemacht und zählt auf: "Das Timing im letzten Pass war nicht da. Mit dem ersten Torschuss gleicht Hertha aus, daran sind wir selbst schuld, weil wir zwei leichte Ballverluste hatten. Und in der Szene vor dem 1:2 müssen wir konsequent den Laufweg aufnehmen und die Flanke blocken." Fußball, so der 46-Jährige, sei "manchmal Karma. Wenn du nicht bereit bist, kommt der Gegner und haut dir den Ball einmal im Jahrzehnt aus 40 Metern in den Knick". Und doch war das Traumtor von Dardai nur Ausdruck einer generellen Überlegenheit von Hertha, von mehr Bissigkeit und Willen. Wie schon gegen Schalke fehlten der Borussia die Mittel dagegenzuhalten. Gegen "einen Gegner, der im Abstiegskampf ist und alle Jungs rausgeholt hat, die rennen und kämpfen, die um ihr Leben fighten" reicht es so nicht.

Patrick Kleinmann