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Fan-Ausschreitungen überschatten Oberliga-Derby in Koblenz

Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar Nord

Fan-Ausschreitungen überschatten Oberliga-Derby zwischen Eintracht Trier und TuS Koblenz

Viel zu tun: Rund um das Oberliga-Derby zwischen Trier und Koblenz wurde die Polizei zu mehreren Einsätzen außerhalb des Stadions gerufen. (Archivbild) 

Viel zu tun: Rund um das Oberliga-Derby zwischen Trier und Koblenz wurde die Polizei zu mehreren Einsätzen außerhalb des Stadions gerufen. (Archivbild)  imago images/Ralph Peters

Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar Nord

Dass es im Oberliga-Derby zwischen der TuS Koblenz und dem SV Eintracht Trier 05 nach 90 Minuten 0:2 aus der Sicht der Koblenzer stand, rückte nach Abpfiff etwas in den Hintergrund, weil es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Fanlagern kam. "Rund um die Oberligabegegnung zwischen der TuS Koblenz und der Eintracht Trier am Sonntag, 5. September 2021, kam es über zwei Tage sowohl in Koblenz als auch in Trier zu mehreren teils massiven Auseinandersetzungen zwischen Ultras und Hooligans beider Vereine und der Polizei", vermeldete die Polizei Rheinland-Pfalz in einer Pressemitteilung.

In Polizeikreisen soll das Konfliktpotenzial des Aufeinandertreffens der beiden Traditionsklubs bekannt gewesen sein. Aus diesem Grund habe bereits im Vorfeld der Plan gelautet, dass während der Partie rund 200 Polizeikräfte im und rund um das Koblenzer Stadion Oberwerth für die nötige Sicherheit sorgen sollen.

Aufgrund eines Zaunfahnenverbotes - wodurch offenbar das verdeckte Abbrennen von Pyrotechnik verhindert werden sollte - und einer starken Beschränkung der Gäste-Tickets, wurde seitens der Trierer Fanszene zu einem Boykott des Spiels aufgerufen. Und tatsächlich: Von den bei der Polizei bekannten Mitgliedern der Trierer Ultra- und Hooliganszene besuchte nach Angaben der Polizei kein einziger die Partie. Lediglich 120 Eintracht-Fans, die nur am Spielgeschehen interessiert gewesen sein sollen, hatten den Weg zum Oberliga-Derby gefunden. Die Partie verlief auf den Rängen nach Polizeiangaben fair und ohne Zwischenfälle. Ungewöhnlich soll dennoch gewesen sein, dass nicht nur die Gäste-Ultras abwesend gewesen sein sollen, sondern auch nur 40 der rund 100 Anhänger, die die Polizei als gewaltbereit einstuft, im Stadioninneren anzutreffen gewesen wären.

"Nachdem der Einsatz in Koblenz beendet war, überschlugen sich dann die Ereignisse im Stadtgebiet Trier", schreibt die Polizei. Am Sonntagabend, 19 Uhr, soll bei der dortigen Polizeiinspektion der Notruf einer Wirtin aus einem Szenelokal der Eintracht eingegangen sein. Demnach sollen rund 30 dunkelgekleidete Personen in der Gaststätte randaliert und die Einrichtung zerstört haben. Kurz darauf sei die Gruppe in Richtung Innenstadt geflüchtet. Die Polizei Trier habe nach ihrer Schilderung die mutmaßlichen Täter wenig später gegen 19:20 Uhr in der Güterstraße aufgefunden und kontrolliert. Dort hätten die Beamten festgestellt, dass es sich bei der Personengruppe um Anhänger der TuS Koblenz handelt.

Polizisten zwischen den Fronten

Während die Beamten noch mit der Kontrolle der TuS-Anhänger beschäftigt waren, soll sich nach Darstellung der Ordnungskräfte eine 50-köpfige Personengruppe genähert haben, die, mit Handschuhen und Mundschutz ausgerüstet, die direkte Auseinandersetzung mit den Koblenzern gesucht haben soll. Dabei habe es sich laut Polizei um Personen "aus dem Spektrum der Trierer Hooligan- und Ultraszene" gehandelt. Zwischen den Fronten soll es den zahlenmäßig klar unterlegenen Beamten nach eigener Darstellung nur unter Einsatz von körperlichem Zwang und Pfefferspray gelungen sein, das direkte Aufeinandertreffen beider Fanlager zu unterbinden. Kurz darauf seien die Trierer Aggressoren erfolgreich abgedrängt worden. Verletzte habe keine gegeben. Nachdem die polizeilichen Maßnahmen beendet waren, wurde laut Polizei die Koblenzer Gruppe zur Stadtgrenze eskortiert und bekam einen Platzverweis für das komplette Trierer Stadtgebiet ausgesprochen.

Als Auslöser der jüngsten Eskalation vermutet die Polizei einen Vorfall am Vortag, 4. September, bei dem Eintracht-Fans ein Szenelokal der Koblenzer Ultras besucht und dort provoziert haben sollen. In der Folge wurde laut Polizei gegen diese Gruppe ein Platzverweis im Stadtgebiet Koblenz und ein Stadionbetretungsverbot ausgesprochen.

Der Leiter der Polizeiinspektion Trier Christian Hamm betonte, dass am vergangenen Wochenende rote Linien überschritten worden seien und man ganz entschieden der jüngsten Entwicklung Einhalt gebieten werde. Die Polizei ermittelt nun unter anderem wegen schweren Hausfriedensbruches, Landfriedensbruches, Sachbeschädigung sowie tätlicher Angriffe auf Vollstreckungsbeamte. 

Nach den Vorfällen in Koblenz und Trier wurde angeblich auch der zuständige Fußball-Regional-Verband Südwest informiert, der nun mögliche Sanktionen prüft. Laut Eintracht Trier wurde die für Samstag geplante Oberliga-Partie beim FV Engers auf polizeiliche Anordnung abgesagt.  

Gewalt hat auf und neben dem Platz nichts verloren.

Stellungnahme der TuS Koblenz

Auch die TuS Koblenz hat auf die jüngsten Ereignisse reagiert und sich am Dienstag mit einer Stellungnahme auf der vereinseigenen Facebook-Seite zu Wort gemeldet: "Wir haben mit dem Spiel am Sonntag eine Veranstaltung für mehr als 1.200 Zuschauer organisiert, die vollkommen störungsfrei und reibungslos abgelaufen ist. Die Partie verlief sportlich fair und für alle Beteiligten jederzeit vollkommen sicher. Darauf, dass sich Anhänger aus Trier im Vorfeld des Spiels in der Koblenzer Altstadt und Anhänger aus Koblenz sich im Nachgang in Trier als Privatpersonen aufgehalten haben sollen, kann die TuS Koblenz keinen Einfluss nehmen", erklärt der Verein und spricht sich zeitgleich aber klar gegen jegliche Gewalt im Fußball aus: "Gewalt hat auf und neben dem Platz nichts verloren. Personen, die Straftaten begehen, müssen und sollen mit Strafverfolgung rechnen. Sollte es zu Straftaten durch Privatpersonen gekommen sein und die Behörden sich um Unterstützung bittend an die TuS Koblenz wenden, unterstützt die TuS Koblenz die Ermittlungen natürlich vollumfänglich, insofern sie sachdienliche Hinweise zu den Vorfällen in der Koblenzer und Trierer Altstadt geben kann."

luk