Bundesliga

Leverkusen Fair-Play-Letzter: Für Seoane nicht "die ganze Wahrheit"

Leverkusen "keine unfaire Mannschaft"

Fair-Play-Letzter: Für Seoane nicht "die ganze Wahrheit"

Eine von 13 Gelben Karten für Bayer Leverkusen nach fünf Spieltagen: Mitchel Bakker wird in Stuttgart verwarnt.

Eine von 13 Gelben Karten für Bayer Leverkusen nach fünf Spieltagen: Mitchel Bakker wird in Stuttgart verwarnt. imago images/Passion2Press

13 Gelbe und eine Rote Karte sorgen dafür, dass Bayer in der Fair-Play-Tabelle aktuell auf dem letzten Platz rangiert. Für eine Mannschaft, die lange als zu brav galt, gerade wenn es um die Wurst ging, eine bemerkenswerte Statistik.

Gerardo Seoane wehrt sich allerdings gegen das Image, Bayer sei unter ihm zu einer Truppe von Raubeinen mutiert. "Nein, ich sehe da keine Relation. Was ich weiß ist, dass wir bei der Anzahl der Fouls ganz unten sind und andere ganz oben. Diese Tabelle spiegelt also nicht die ganze Wahrheit wider", argumentiert der Schweizer.

Und in der Tat hat Leverkusen in dieser Saison mit 44 Fouls die drittwenigsten begangen und damit nur fünf mehr als Bayern München, das die Fair-Play-Tabelle anführt. Der Platzverweis nach dem rüden Foul von Robert Andrich in Stuttgart veränderte aber den Blickwinkel bei der Beobachtung von außen.

Mehr Aggressivität - das war auch ein Thema bei der Kaderplanung

"Die Rote Karte rückt das Ganze in den Fokus, das verstehe ich", erläutert Seoane, "aber ich denke nicht, dass wir eine unfaire Mannschaft sind. Allerdings schon, dass wir eine Mannschaft sind, die eine gewisse Physis mitbringt und auch in die Zweikämpfe geht. Und wenn du in die Zweikämpfe gehst, gewinnst du sie im Idealfall, und manchmal gibt es eben auch ein Foul."

Unfair? Nein! Aggressiv? Ja! So lautet seine stimmige Einordnung von Bayers Spielweise. "Ich finde, es ist ein gutes Attribut, wenn wir griffiger sind", sagt der 42-Jährige und erklärt auch die eine oder andere Verwarnung gegen sein Team: "Alle Spielphasen sind wichtig. Vor allem, wenn man den Ball verliert, dann zu versuchen, rechtzeitig beim Mann zu sein und diesen Konter zu unterbinden - am besten ohne Foul. Und Fouls gegen das Umschalten geben halt auch oft Gelbe Karten - das ist uns bewusst."

Die Basis für die neue Griffigkeit wurde bei der Kaderplanung gelegt. "Wir haben Spieler nach diesem Profil gesucht: ein bisschen mehr Physis, die Stärke ein bisschen anders ausgerichtet als nur Dribbling und Tore, sondern auch Wucht, Zweikampfstärke und Körpergröße", erklärt der Trainer, "wir hatten in der Analyse festgestellt, dass da ein bisschen fehlt. Da wollten wir dagegen steuern."

Also holte Bayer robuste Akteure wie Odilon Kossounou, Mitchel Bakker, Piero Hincapie oder eben Andrich. Ein Quartett, das komplett in die Kategorie unangenehme Gegenspieler eingeordnet werden kann. Robust und einsatzfreudig.

Die Spielweise körperlicher, wenn auch nicht unfair zu gestalten, ist aber natürlich nicht nur eine Frage der Transferpolitik, sondern eine der täglichen Arbeit mit der Mannschaft. "Am Schuss ist die Frage: Wie trainieren wir? Was sprechen wir an? Was zeigen wir? Was verlangen wir? In der Hoffnung, dass es irgendwann mal fruchtet", erklärt Seoane, "dass du die Spieler überzeugst, dass man damit erfolgreich sein kann. Dass die Spieler spüren, dass da in diesem Bereich noch etwas gehen muss." Es scheint so, dass Profis dies bereits verinnerlicht haben.

Stephan von Nocks

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