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Fahrradkauf: Warten auf das Wunsch-Bike

Unverändert hohe Nachfrage - Fehlende Transportkapazitäten - Flexibilität gefragt

Fahrradkauf: Warten auf das Wunsch-Bike

Fein, wenn man es gefunden hat: Oft ist das favorisierte Fahrrad aber leider ausverkauft.

Fein, wenn man es gefunden hat: Oft ist das favorisierte Fahrrad aber leider ausverkauft. pd-f/Mathias Kutt

Bereits der vergangene Sommer hat dem Fahrrad einen erstaunlichen Boom beschert. Wo Urlaubspläne der Pandemie zum Opfer fielen, wurden Radtouren als Freizeitbeschäftigung neu entdeckt. Zudem stiegen zahlreiche Pendler von öffentlichen Verkehrsmitteln auf ein Bike um - weil sie sich im Sattel schlicht sicherer vor dem Virus fühlten.

Das intensivierte Interesse führte indes dazu, dass viele Kunden an leergefegten Verkaufsflächen scheiterten. Und noch immer scheint der Markt nicht gesättigt. Als im Herbst, endlich, die ersten Modelle für 2021 im Handel eintrafen, sei "auch davon gleich wieder eine ganze Menge verkauft worden", wie David Eisenberger, Leiter Marketing und Kommunikation beim Zweirad-Industrie-Verband (ZIV), sagt. Man schätze, dass es spätestens in den Sommermonaten wieder schwierig werde mit der Warenverfügbarkeit und damit, das Wunschmodell zu finden.

Bikes sind ein begehrtes Gut

Doch schon jetzt müssen viele Käufer bis zu einem halben Jahr auf ihr Fahrrad warten - wenn es denn überhaupt ausgeliefert wird. Ein kurzer Blick auf das, was sich im Online-Handel tut, ergibt, dass hinter etlichen Modellen ein "Ausverkauft" steht. Vor allem E-Bikes sind ein begehrtes Gut. "Aber auch Trekking- oder Tourenfahrräder, höherwertigere City-Bikes sowie Kinderfahrräder werden stark nachgefragt", erklärt Eisenberger. Und interessanterweise die einfachen Einstiegsräder, die früher eher begrenzten Zuspruch gefunden haben.

Die Gründe für die Lieferengpässe sind vielfältig. Zum einen fällt der Bedarf so hoch aus, dass so mancher Hersteller schon grundsätzlich nicht mehr hinterherkommt mit der Produktion. Oft fehlt es aber auch an den benötigten Komponenten: Von der Federgabel über den Sattel bis hin zur Bremsanlage werden die Teile von Zulieferern bezogen, die inzwischen aber nicht minder an ihre Grenzen gelangt sind. Vor allem aber: Viele dieser Zulieferer sitzen in Asien. Dort wird ein Großteil der Teile und Rahmen produziert; anschließend erfolgt der Transport nach Europa, wo der Fahrradhersteller die Komponenten zum fertigen Velo zusammenbaut.

Es hakt in Asien

Doch seit Corona ist die Transportkette stark belastet und nur eingeschränkt verfügbar. "Die Logistik ist der Flaschenhals", sagt ZIV-Mann Eisenberger. Es fehlt in Asien an Containern und sogar an Schiffen. Um die wenigen freien Kapazitäten ist geradezu ein Wettkampf entbrannt. "Die Verschiffung eines Containers von Asien nach Europa kostet inzwischen vier bis fünf Mal so viel wie vor der Pandemie", berichtet Alexandra Siml von der Speditionsfirma 2getherShipping.

Keine Rabattschlachten

Und so müssen Fahrradkunden nicht nur mit langen Lieferzeiten und enttäuschten Kauferwartungen, sondern auch mit steigenden Preisen rechnen. Denn die Hersteller könnten die höheren Transportkosten wohl oder übel an die Verbraucher weitergeben. Auch wenn vielfach versucht wird, die fehlenden Asien-Teile kurzfristig durch Komponenten aus Europa zu ersetzen, so verbessert das zwar die Liefersituation, schlägt sich letztlich aber ebenfalls im Preis nieder. Dies in einer Situation, in der schon die hohe Nachfrage nicht eben auf das drückt, was der Kunde zahlen muss. "Rabattschlachten werden wir in diesem Jahr nicht sehen", prognostiziert David Eisenberger.

Nicht lange zögern

Beim Fahrradkauf 2021 ist somit Flexibilität gefragt. Neben dem Wunsch-Bike sollte der Kunde am besten noch zwei oder drei Alternativen ins Auge fassen. Immer sinnvoll ist es, sich nicht nur im Laden um die Ecke umzusehen, sondern gleich bei mehreren Händlern. Speziell der stationäre Handel hat im Lockdown zwar geschlossen. Vielfach wird aber eine Beratung per Telefon oder Chat angeboten, auf Anfrage lässt sich mitunter eine Probefahrt arrangieren, Click&Collect ist sowieso erlaubt. Und wer das favorisierte Fahrrad in der passenden Größe und Ausstattung gefunden hat, sollte nicht lange fackeln: Weder bei den Lieferzeiten noch bei den Preisen ist vorerst ein Abwärtstrend in Sicht.

Ulla Ellmer