Formel 1

F1-Start im Oktober? Für Sportchef Brawn "eine letzte Option"

Boss Ross Brawn glaubt an 18 bis 19 Rennen

F1-Start im Oktober? Für Sportchef Brawn "eine letzte Option"

Formel-1-Chef Ross Brawn hält immer noch bis zu 19 Rennen für möglich.

Formel-1-Chef Ross Brawn hält immer noch bis zu 19 Rennen für möglich. imago images

Während Brawn für die über die ganze Welt verstreuten Fans der Formel 1 gute Nachrichten zu verkünden hat, muss er jene, die gerne vor Ort Champion Hamilton & Co. sehen wollen, enttäuschen: Sollte der Rennzirkus tatsächlich Ende Juni wieder seinen Betrieb aufnehmen, wird es zwangsläufig zu Geisterrennen kommen müssen, die ausschließlich im Fernsehen zu verfolgen sein werden. Verglichen mit der notwendigen Stadionatmosphäre im Fußball dürfte die Formel 1 weniger unter den leeren Rängen leiden. Das fehlende Aufseufzen bei einem Elfmeterpfiff fällt am TV-Schirm eben deutlich stärker auf als der Applaus für ein gelungenes Überholmanöver, das im Lärm der Motoren ohnehin meist untergeht.

Um die Saison nach inzwischen acht gestrichenen beziehungsweise auf einen unbekannten Termin verlegten Rennen überhaupt beginnen zu lassen, wird es notwendig sein, auf den Einsatz von Flugzeugen so lange wie möglich weitestgehend zu verzichten. "Natürlich werden Reisen für die Teams und für alle Beteiligten eines der großen Themen sein", sagt Brawn und setzt darauf, dass alle Rennställe ihr komplettes Material zu den Europa-Veranstaltungen per Lkw anliefern können. Vor Ort sollen alle Beteiligten auf eine etwaige Infektion getestet werden, dann, so Brawn, "gibt es kein Risiko für alle Beteiligten, und wir haben ein Rennen ohne Zuschauer". Natürlich räumt auch der 65-jährige Brite ein, dass "dies nicht großartig, aber besser als gar kein Rennen ist". Vorrang jedoch hat, "dass wir niemanden einem Risiko aussetzen".

Acht Rennen sind das Minimum, um einen Weltmeister zu küren

Höchst erstaunlich erscheint die, laut Brawn, immer noch denkbare Anzahl an Rennen: "Selbst wenn wir erst Anfang Juli (Österreich, die Red.) beginnen, könnten wir eine Saison mit 18 bis 19 Rennen fahren - drei Rennen am Stück, ein Wochenende frei, drei Rennen am Stück und so weiter." Und wenn die Formel-1-Saison gar erst im Oktober bereit wäre zum Start, kann sich Brawn noch immer bis zu acht Rennen vorstellen, die das Minimum bilden, um einen Weltmeister 2020 zu küren. "Wenn man also eine letzte Option benennen will, dann wäre es Oktober", so Brawn.

Weit abgelegene Rennstrecken wie China könnten Grand-Prix-Veranstaltungen erleben, die anstelle der üblichen drei Tage an nur zwei Tagen durchgezogen werden. Dies würde es erlauben, 24 Stunden Zeit für den Aufbau zu gewinnen, wenn es am vorangegangenen Wochenende ein Rennen an einem anderen Ort gegeben hat. Die Antwort darauf, warum es bei all den Planungen derzeit noch keinen beabsichtigten Kalender gibt (wie etwa in der DTM), ist denkbar einfach: "Weil wir uns jede nur denkbare Vertauschung ganz genau ansehen." Damit wäre die Formel-1-Saison 2020 zwar nicht normal, aber angesichts der Zahl an Rennen beinahe komplett.

Formel-E-Neustart in Berlin?

Unterdessen hält die Formel E einen Neustart ihrer Saison in Berlin für möglich. Mit dem Rennen am 21. Juni auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof soll die Serie nach der Zwangspause wieder fortgesetzt werden. "Wir halten das Rennen in Berlin weiterhin im Kalender als Zeichen der Hoffnung, dass bald alles neu starten wird", sagte Formel-E-Chef Alejandro Agag in einem Interview mit der Gazzetta dello Sport. Nach fünf ausgetragenen Meisterschaftsläufen war die Saison seit Mitte März ausgesetzt. Der Zwangspause fielen dabei die Rennen in Paris, Rom, Seoul und Jakarta zum Opfer.

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Stefan Bomhard

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