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Ewan siegt im Wild-West-Sprint - Strafe für Sagan

11. Etappe, Chatelaillon - Poitiers (167,5 km)

Ewan siegt im Wild-West-Sprint - Strafe für Sagan

Peter Sagan, Sam Bennett und der Sieger Caleb Ewan (v. l.) überqueren nahezu gleichzeitig den Zielstrich in Poitiers.

Peter Sagan, Sam Bennett und der Sieger Caleb Ewan (v. l.) überqueren nahezu gleichzeitig den Zielstrich in Poitiers. Getty Images

Wout van Aert fluchte, schimpfte und zeigte Peter Sagan den Mittelfinger. Der belgische Überflieger wurde durch einen heftigen Rempler des Ex-Weltmeisters vom deutschen Bora-hansgrohe-Team in einem Wild-West-Sprint womöglich um seinen dritten Etappensieg bei der 107. Tour de France gebracht. "Ich habe ihm einige unschöne Worte gesagt. Es ist frustrierend. Das war komplett gegen die Regeln. Ich war überrascht und schockiert. Ich konnte froh sein, nicht zu stürzen", echauffierte sich van Aert. Die Jury teilte die Meinung des Belgiers und gab Sagan die Quittung. Der Superstar wurde auf Platz 85 strafversetzt.

"Peter hat van Aert härter berührt, als er es gewollt hat"

Doch am Etappensieg des Australiers Caleb Ewan nach 167,5 Kilometern von Châtelaillon-Plage nach Poitiers änderte dies nichts. Der Teamkollege von Roger Kluge revanchierte sich für Platz zwei am Vortag und raste zu seinem zweiten Etappensieg.

Der Slowake Sagan, der zunächst als Zweiter die Ziellinie überquert hatte, war sich erst keiner Schuld bewusst. Sein Team räumte aber schnell den Fehler ihres Topstars ein und legte auch keinen Einspruch gegen den Jury-Entscheid ein. "Peter hat van Aert härter berührt, als er es gewollt hat. Das war weit weg von perfekt, aber wir müssen es akzeptieren", sagte Sportdirektor Enrico Poitschke.

Dass der Superstar mit harten Bandagen im Finale kämpft, ist bekannt. 2017 hatte er im Sprint den Ellbogen gegen Mark Cavendish ausgefahren und war anschließend komplett von der Frankreich-Rundfahrt ausgeschlossen worden. Diesmal hat er nur viele Punkte im Kampf um das Grüne Trikot verloren.

Auch dank der erneuten Vorarbeit von Anfahrer Roger Kluge siegte Ewan nach dem bereinigten Ergebnis ganz knapp vor dem Iren Sam Bennett und van Aert. Bereits in Sisteron hatte er triumphiert. Damit könnte er seine Bestmarke aus dem Vorjahr mit drei Tagessiegen noch einstellen oder gar übertreffen.

"Es war sehr hektisch. Nach dem zweiten Platz am Dienstag wollte ich unbedingt gewinnen. Ich bin super happy mit dem zweiten Etappensieg. Nach dem ersten Erfolg ist der Druck abgefallen", sagte Ewan.

Greipel und Co. spielen keine Rolle

Die deutschen Fahrer spielten bei der nächsten Massenankunft keine Rolle, auch Altstar André Greipel konnte sich nach Platz sechs am Vortag dieses Mal nicht in Szene setzen. Dem 38-Jährigen bleibt damit im Kampf um den zwölften Etappensieg seiner Karriere als letzte Chance wohl nur noch der Königssprint auf den Champs Elysées in Paris, wo er bereits 2015 und 2016 triumphiert hatte.

Immerhin geht es dem gebürtigen Rostocker inzwischen besser, nachdem er sich in der ersten Woche mit Sturzverletzungen gequält hatte. "Der Ruhetag kam zum richtigen Zeitpunkt. Ich fühle mich besser und besser", sagte Greipel. Im nächsten Jahr dürfte der Sprinter kaum mehr ein Tour-Ticket erhalten, denn sein Rennstall Israel Start-Up Nation will dann mit Chris Froome den Toursieg in Angriff nehmen.

Keine Arbeit für Roglic - Mühlberger gibt auf

Favorit auf den Toursieg 2020 bleibt der slowenische Vuelta-Champion Primoz Roglic erfolgreich. Der Ex-Skispringer hatte auf der Flachetappe keine Mühe sein Gelbes Trikot zu verteidigen und liegt weiterhin 21 Sekunden vor dem kolumbianischen Titelverteidiger Egan Bernal. Emanuel Buchmann spielt keine Rolle mehr, seinen wichtigsten Helfer hat er auch verloren. Der Österreicher Gregor Mühlberger musste nach einem Infekt aufgeben.

Die Entscheidung in Poitiers fiel erwartungsgemäß im Massensprint. Bennett verteidigte dabei mit Platz zwei auch das Grüne Trikot des punktbesten Fahrers vor Ex-Teamkollege Peter Sagan vom Bora-hansgrohe-Team. "Wenn es leichte Etappen sind, ist Peter nicht schnell genug", sagte Bora-hansgrohe Sportdirektor Enrico Poitschke. Diesmal war der Slowake aber ganz nah dran - allerdings mit unerlaubten Mitteln. Allmählich wird es ernst für Sagan im Kampf um Grün, nachdem er sieben Mal in den vergangenen acht Jahren die Punktewertung gewonnen hatte.

Bennett könnte damit die Nachfolge seines berühmten Landsmannes Sean Kelly antreten, der in den 80er Jahren vier Mal das Grüne Trikot in Paris gewonnen hatte. Der frühere irische Radstar spricht Bennett entsprechend Mut zu: "Nach dem ersten Etappensieg weiß er, dass er großartige Dinge tun kann. Es hat nur etwas länger gedauert."

Am Donnerstag wird die Tour mit der längsten Etappe fortgesetzt, wenn es über 218 Kilometer von Chauvigny nach Sarran Corrèze geht. Zwei Berge der vierten sowie jeweils ein Anstieg der dritten und zweiten Kategorie könnten Ausreißern eine Chance bieten.

11. Etappe Chatelaillon-Plage - Poitiers(167,50 km):

1. Caleb Ewan (Australien) - Lotto-Soudal 4:00:01 Std.; 2. Sam Bennett (Irland) - Deceuninck-Quick-Step + 0 Sek.; 3. Wout van Aert (Belgien) - Team Jumbo; 4. Bryan Coquard (Frankreich) - Vital Concept; 5. Clément Venturini (Frankreich) - AG2R La Mondiale; 6. Mads Pedersen (Dänemark) - Trek - Segafredo; 7. Luka Mezgec (Slowenien) - Mitchelton-Scott; 8. Hugo Hofstetter (Frankreich) - Israel Start-Up Nation; 9. Oliver Naesen (Belgien) - AG2R La Mondiale; 10. Ryan Gibbons (Südafrika) - NTT Pro Cycling Team; ... 28. Jonas Koch (Schwäbisch Hall) - CCC Team; 61. André Greipel (Hürth) - Israel Start-Up Nation; 70. Nils Politt (Hürth) - Israel Start-Up Nation; 74. Maximilian Schachmann (Berlin) - Bora-hansgrohe; 76. Nikias Arndt (Köln) - Team Sunweb; 90. Maximilian Walscheid (Heidelberg) - NTT Pro Cycling Team + 51; 103. Lennard Kämna (Fischerhude) - Bora-hansgrohe + 1:23 Min.; 112. Simon Geschke (Freiburg im Breisgau) - CCC Team + 2:09; 136. Emanuel Buchmann (Ravensburg) - Bora-hansgrohe + 4:25; 148. Roger Kluge (Berlin) - Lotto-Soudal; 158. Tony Martin (Kreuzlingen/Schweiz) - Team Jumbo + 7:46

Gesamtwertung Einzel, Stand nach der 11. Etappe:

1. Primoz Roglic (Slowenien) - Team Jumbo 46:15:24 Std.; 2. Egan Arley Bernal Gomez (Kolumbien) - Ineos Grenadiers + 21 Sek.; 3. Guillaume Martin (Frankreich) - Solutions Credits + 28; 4. Romain Bardet (Frankreich) - AG2R La Mondiale + 30; 5. Nairo Quintana (Kolumbien) - Team Arkea-Samsic + 32; 6. Rigoberto Uran Uran (Kolumbien) - EF Pro Cycling; 7. Tadej Pogacar (Slowenien) - UAE Team Emirates + 44; 8. Adam Yates (Großbritannien) - Mitchelton-Scott + 1:02 Min.; 9. Miguel Angel Lopez Moreno (Kolumbien) - Astana + 1:15; 10. Mikel Landa Meana (Spanien) - Bahrain-McLaren + 1:42; ... 20. Emanuel Buchmann (Ravensburg) - Bora-hansgrohe + 15:35; 52. Maximilian Schachmann (Berlin) - Bora-hansgrohe + 1:04:29 Std.; 65. Lennard Kämna (Fischerhude) - Bora-hansgrohe + 1:16:47; 77. Simon Geschke (Freiburg im Breisgau) - CCC Team + 1:37:14; 120. Nils Politt (Hürth) - Israel Start-Up Nation + 2:14:32; 131. Tony Martin (Kreuzlingen/Schweiz) - Team Jumbo + 2:23:53; 133. Jonas Koch (Schwäbisch Hall) - CCC Team + 2:24:41; 144. Maximilian Walscheid (Heidelberg) - NTT Pro Cycling Team + 2:31:24; 145. André Greipel (Hürth) - Israel Start-Up Nation + 2:32:09; 151. Nikias Arndt (Köln) - Team Sunweb + 2:36:03; 159. Roger Kluge (Berlin) - Lotto-Soudal + 2:43:53

Bergwertung, Stand nach der 11. Etappe:

1. Benoit Cosnefroy (Frankreich) - AG2R La Mondiale 36 Pkt.; 2. Nans Peters (Frankreich) - AG2R La Mondiale 31; 3. Marc Hirschi (Schweiz) - Team Sunweb 26; 4. Ilnur Sakarin (Russland) - CCC Team 25; 5. Toms Skujins (Lettland) - Trek - Segafredo 24; 6. Quentin Pacher (Frankreich) - Vital Concept 20; 7. Primoz Roglic (Slowenien) - Team Jumbo 18; 8. Tadej Pogacar (Slowenien) - UAE Team Emirates 14; 9. Carlos Verona (Spanien) - Movistar Team 14; 10. Neilson Powless (USA) - EF Pro Cycling 14; ... 31. Nils Politt (Hürth) - Israel Start-Up Nation 2

Sprintwertung, Stand nach der 11. Etappe:

1. Sam Bennett (Irland) - Deceuninck-Quick-Step 243 Pkt.; 2. Peter Sagan (Slowakei) - Bora-hansgrohe 175; 3. Bryan Coquard (Frankreich) - Vital Concept 157; 4. Caleb Ewan (Australien) - Lotto-Soudal 155; 5. Matteo Trentin (Italien) - CCC Team 140; 6. Wout van Aert (Belgien) - Team Jumbo 131; 7. Alexander Kristoff (Norwegen) - UAE Team Emirates 100; 8. Michael Mörköv (Dänemark) - Deceuninck-Quick-Step 92; 9. Julian Alaphilippe (Frankreich) - Deceuninck-Quick-Step 82; 10. Cees Bol (Niederlande) - Team Sunweb 72; ... 42. Nils Politt (Hürth) - Israel Start-Up Nation 20; 44. Maximilian Schachmann (Berlin) - Bora-hansgrohe 20; 61. Lennard Kämna (Fischerhude) - Bora-hansgrohe 15; 67. André Greipel (Hürth) - Israel Start-Up Nation 14; 90. Roger Kluge (Berlin) - Lotto-Soudal 8; 94. Maximilian Walscheid (Heidelberg) - NTT Pro Cycling Team 7; 101. Jonas Koch (Schwäbisch Hall) - CCC Team 4

Teamwertung, Stand nach der 11. Etappe:

1. Movistar Team (Spanien) 138:53:04 Std.; 2. EF Pro Cycling (USA) + 5:12 Min.; 3. Trek - Segafredo (USA) + 5:27; 4. AG2R La Mondiale (Frankreich) + 13:22; 5. Team Jumbo (Niederlande) + 17:07; 6. Astana (Kasachstan) + 20:14; 7. Ineos Grenadiers (Großbritannien) + 26:07; 8. Bahrain-McLaren (Bahrain) + 33:13; 9. Mitchelton-Scott (Australien) + 40:10; 10. Team Arkea-Samsic (Frankreich) + 1:14:06 Std.; ... 12. Bora-hansgrohe (Deutschland) + 1:16:38; 19. Team Sunweb (Deutschland) + 3:08:15

dpa

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