Champions League

Kommentar zum Champions-League-Finale: Es geht um die Herkunft des Geldes

Kommentar

Es geht um die Herkunft des Geldes, denn ein Geschäft ist der Fußball längst

Enttäuschte Gesichter: Thomas Tuchel und Neymar nach dem verlorenen Champions-League-Finale.

Enttäuschte Gesichter: Thomas Tuchel und Neymar nach dem verlorenen Champions-League-Finale. Getty Images

Der 1970 gegründete Paris Saint-Germain hat sich mit dem Einstieg der Qatar Sports Investment 2011, die den Klub 2012 gänzlich übernahm, gerade bei Fußball-Romantikern Feinde gemacht. Zurecht mit Blick auf die Situation der Menschenrechte dort. Aber wo ist die nachhaltige Kritik gegenüber den Teams, die dort regelmäßig in der Saisonvorbereitung trainieren, auch der FC Bayern? Welcher Fan wird Ende 2022 auf das Gucken von WM-Spielen verzichten, weil diese in Katar stattfindet? Welcher TV-Sender deshalb nicht berichten? Wäre alles löblich, wird aber eher nicht in der breiten Masse stattfinden.

Auf dem Platz aber stehen auch bei PSG Vollblutfußballer wie Kylian Mbappé oder auch Neymar, der seine Fallsucht, anders als bei der WM 2018, hinter sich gelassen hatte. Auch ein Neymar wollte nur eines: den Champions-League-Titel gewinnen, den er mit Barcelona 2015 an der Seite von Lionel Messi schon einmal erringen konnte. So nah dran wie jetzt war er mit Paris noch nie.

Trainer Thomas Tuchel hatte es schon vor dem Spiel gegen RB Leipzig im Halbfinale gesagt: Man hat gelitten in den letzten Jahren in Paris angesichts des frühen Ausscheidens im Achtelfinale, auch er. Dabei war Tuchel erst 2018 gekommen, konnte für das Abschneiden davor also gar nichts. Aber auch in Paris sind es Fußballer und Sportler, die da auf dem Platz stehen. Trotz aller Investitionen aus Katar. Und diese Fußballer standen auch in dieser Saison auf und griffen erneut an. Aus sportlichem Schmerz und in der Niederlage wuchs dabei eine Mannschaft heran, die fast an Europas Spitze gestürmt wäre. Natürlich: PSG hätte das viele Geld in einen breiteren Kader investieren können. Bayerns Bank war besser, das wirft Fragen auf zu der Kaderplanung von PSG.

Der Fußball ist seit Jahrzehnten ein Business

Doch vorbei dort die Zeiten, wo man sich in Paris um die Ausführung von Elfmetern in der Provinz stritt. Es wuchs eine Mannschaft zusammen, die fast diesen superstarken FC Bayern bezwungen hätte - obwohl die Liga in Frankreich, anders als in der Bundesliga, wegen der Corona-Pandemie abgebrochen wurde. Der Fußball ist seit Jahrzehnten ein Business, hat (weite) Teile seiner Romantik längst verloren. Immer mehr Vereine werden abgehängt. Wo liegt der moralische Unterschied zwischen 222 Millionen Euro Ablöse für einen Neymar oder 50 Millionen Euro Jahressalär netto für Lionel Messi? Es geht um die Herkunft des Geldes, das aus ethischen Gründen abgelehnt werden sollte. Und es geht, natürlich, um die Verwendung.

Die Schere geht immer weiter auseinander

Auf den Stufen des Nationaltheaters im Zentrum von Lissabon campierten dieser Tage Obdachlose unter einem riesigen Plakat: "Olá humanidade" stand dort: Hallo Menschheit. Das ist unmenschlich. Dafür konnte die UEFA nichts und auch nicht PSG. Auf dem Platz davor aber glitzerte eine riesige Henkelpott-Plastik. Das passt nicht. Und die Schere geht immer weiter auseinander.

Bilder zur Partie Paris St. Germain - Bayern München