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"Es wird Zeit": Scaloni erwartet ein "wirklich schönes Spiel"

Fragezeichen hinter de Paul

"Es wird Zeit": Scaloni erwartet ein "wirklich schönes Spiel"

Er will ins Halbfinale: Lionel Scaloni.

Er will ins Halbfinale: Lionel Scaloni. IMAGO/Agencia EFE

Aus Katar berichtet Jörg Wolfrum

"Das sind wir gewohnt. Wir werden sehen, ob sie es schaffen, ihn aus dem Spiel zu nehmen. Auch wir können taktisch reagieren". Viel mehr war Argentiniens Nationaltrainer Lionel Scaloni nicht zu entlocken als Replik auf Louis van Gaals Idee, die Niederlande könnten Lionel Messis Defensivverhalten zu ihrem eigenen Vorteil. 

Scaloni ging darauf praktisch gar nicht ein. Er ist, im Gegensatz zu van Gaal, keiner, der Schlagzeilen produziert. Am Freitag im Lusail Stadium wird sich im Viertelfinal-Hit zeigen, ob der 44-jährige Scaloni auch während des Spiels so ruhig bleiben kann. Oder ob der Plan des 71-jährigen van Gaal funktioniert. Es ist auch das Duell des jüngsten noch im Titel-Rennen verbliebenen Trainers gegen den ältesten.

Aber die Frage ist ja ohnehin, ob Messi, zumal in der Form des 2:1 gegen Australien, gänzlich neutralisiert werden kann. "Leo überrascht uns täglich im Training. Wir sehen, dass er sich wohlfühlt, und das ist wichtig für das Team", freut sich Mittelfeldspieler Alexis Mac Allister.

Messi ist nur schwer zu stoppen

In der Tat: Seit Turnierbeginn hat sich Messi Spiel für Spiel gesteigert - und mit ihm die Albiceleste. Das ist aber zugleich die Krux: Sollte van Gaals Plan aufgehen, wäre das vermutlich die halbe Miete für sein Team. Doch ein Messi in der Form, wie im Spiel gegen Australien, ist kaum auszuschalten. Es geht dem Bondscoach daher auch eher darum, Raum und Zeit in den Momenten zu nutzen, die ein kaum gegen den Ball arbeitender Messi bietet.

Denn wenn der sechsmalige Weltfußballer die Kugel hat, dann wird es brenzlig für den Gegner, drei Tore und einen Assist bilanziert die "10" bei dieser WM bislang, neunmal traf er insgesamt seit 2006. Trifft er noch einmal, dann hat er den argentinischen Rekordhalter Gabriel Batistuta eingeholt.

Fragezeichen hinter de Paul

Eine andere Frage, die sich bei der Albiceleste stellte, ist: Kann Rodrigo de Paul spielen? Oder fällt der Mittelfeldmann angeschlagen aus, wie argentinische Medien am Donnerstag vermuteten? Scaloni wollte das nicht bestätigen, verwies auf das folgende abschließende Training. Übrigens, so der Coach, gehe es auch Angel di Maria wieder gut. Der 34-Jährige hatte zuletzt das Australien-Spiel verpasst. Hat de Paul also doch nichts? Im Abschlusstraining war er wieder dabei, zudem bester Stimmung. Zumindest in den Minuten, die öffentlich waren, wie etwa die Zeitung Clarin erleichtert berichtete.

Messi jetzt allein vorn: Die Rekordspieler der WM

Ein Ausfall des Mittelfeldspielers wäre ein Verlust, just nachdem der 28-Jährige gegen Australien eine starke Partie gemacht hatte als Scharnier zwischen Defensive und Offensive und als eine Art Absicherung für Messi: De Paul ist der Spieler der Albiceleste mit den meisten gelaufenen Kilometern und neben Keeper Emiliano Martinez, Innenverteidiger Nicolas Otamendi und Messi der Einzige, der bisher in Katar durchgespielt hat.

"Er ist ein entscheidender Spieler", betont auch der linke Achter Mac Allister. Seit dem Frühjahr gehört der 23-Jährige zur Albiceleste, erst im zweiten Gruppenspiel gegen Mexiko rückte er in die Startelf. Elf Länderspiele erst hat er absolviert, dennoch "bin ich hier weniger nervös" als vor Spielen mit Brighton in der Premier League. "Kommt vermutlich von der guten Stimmung hier im Kader." Es sollte kein Scherz sein, sondern ein Verweis auf den "großen Zusammenhalt" im Team.

Atletico-Madrid-Profi de Paul indes ist mit 48 Einsätzen in 54 Länderspielen der Ära Scaloni der Spieler mit den meisten Auftritten, Messi kam 41-mal zum Einsatz. Nun folgt, sechs Tage nach dem Achtelfinale, der nächste, zumindest für Messi: "Es wird Zeit", sagt der Coach, der ein "wirklich schönes Spiel" erwartet. "Beide werden angreifen, aber wir dürfen unsere Defensive nicht vernachlässigen." Erst recht, wo van Gaal Messi als die vermeintliche Schwachstelle ausgemacht hat.

Sollte sich der ungleich erfahrenere Niederländer mit seinem Team tatsächlich durchsetzen, dann, ja dann sei es eben so, meint Scaloni. Man habe hier Gutes und nicht so Gutes geboten, aber immer "Gesicht gezeigt". Wichtig sei ihm daher, auch nach dem Niederlande-Spiel sagen zu können: "Wir haben alles gegeben."