Bundesliga

Es passte lange - aber am Ende nicht mehr

Kommentar zur Entlassung von Jos Luhukay

Es passte lange - aber am Ende nicht mehr

Muss nach zweieinhalb Jahren seinen Hut nehmen: Hertha-Coach Jos Luhukay.

Muss nach zweieinhalb Jahren seinen Hut nehmen: Hertha-Coach Jos Luhukay. imago

Hertha BSC und Jos Luhukay - das war lange Zeit eine funktionierende Verbindung. Der Niederländer führte die Berliner nach dem Abstieg 2012 und dem Relegations-Trauma von Düsseldorf mit einer Rekordpunktzahl zurück ins Oberhaus und schaffte dort in seinem zweiten Amtsjahr mit Platz elf souverän den Klassenerhalt.

Detailversessen, fleißig, geerdet, loyal und angenehm unprätentiös - Luhukay war zur richtigen Zeit der richtige Mann am richtigen Ort. Für den nächsten Schritt war er das nicht mehr. Mit seiner Art der Personalführung, die auf Druck basierte, und mit seiner Sturheit verlor er in einem schleichenden Prozess Teile der Mannschaft, zu viele Spiele - und schließlich auch den Rückhalt der Bosse.

Hertha BSC - Die letzten Spiele
Arminia Bielefeld Bielefeld (H)
0
:
0
SC Freiburg Freiburg (H)
3
:
0
Bundesliga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Bayern München Bayern München
46
2
VfL Wolfsburg VfL Wolfsburg
38
3
Bor. Mönchengladbach Bor. Mönchengladbach
33
Trainersteckbrief Luhukay
Luhukay

Luhukay Jos

Hertha BSC - Vereinsdaten
Hertha BSC

Gründungsdatum

25.07.1892

Vereinsfarben

Blau-Weiß

Sie halten den Kader, den sie mit Hilfe der Millionen von Investor KKR im Sommer aufpeppten wie seit Jahren nicht, für stark genug, um nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Nach den letzten Auftritten und angesichts der Signale aus der Mannschaft nicht zu handeln, wäre fahrlässig gewesen. Die Entscheidung, sich von Luhukay zu trennen, kommt eher zu spät als zu früh. Manager Michael Preetz muss sich die Frage gefallen lassen, ob er nicht zu lange weggeschaut hat, als die Risse zwischen Cheftrainer und Profis immer sichtbarer wurden. Dass er noch Anfang November, als das Binnenklima längst abgekühlt war, dem Trainer in einem kicker-Interview eine sofortige Vertragsverlängerung offerierte, war mindestens ungeschickt. Es wäre von Vorteil gewesen, wenn Luhukays Nachfolger bereits die Vorbereitung auf die Rückrunde hätte bestreiten können.

Die Installierung von Hertha-Ikone Pal Dardai und Taktiktüftler Rainer Widmayer, der die Verhältnisse in Berlin aus seiner Zeit als Co-Trainer unter Markus Babbel kennt, ist nur auf den ersten Blick eine mutige Entscheidung. Dardai steht bei den Fans, die angesichts der spielerischen Armut zuletzt immer vernehmbarer murrten, hoch im Kurs. Er kann der von der Verbissenheit Luhukays zunehmend genervten Mannschaft Lockerheit und Selbstvertrauen injizieren.

kicker-Redakteur Steffen Rohr.

kicker-Redakteur Steffen Rohr.

Preetz lässt sich derweil die Hintertür offen, nochmals zu reagieren, falls das neue Trainer-Gespann nicht die erhofften Resultate einfährt. Das ist nicht nur sein Recht, es ist auch seine Pflicht. Es steht viel auf dem Spiel in den nächsten Momenten: für ihn und den ganzen Klub. Ein dritter Abstieg im sechsten Amtsjahr würde Preetz den Job kosten, Präsident Werner Gegenbauer zöge sich zurück – und mit Dardai wäre ein hauseigenes Trainertalent, ein Sympathieträger ersten Ranges verbrannt. Dass es anders kommt, davon sind die Verantwortlichen überzeugt. Aber sie sollten auch wissen, dass mit Luhukays Abgang nicht alle Probleme verschwinden.

Eine eher brave Mannschaft mit einer Vakanz im Kreativbereich und größten Nöten, das Spiel selbst zu gestalten; ein Kader, der nicht gänzlich ausbalanciert wirkt; ein Manager, der noch nicht bewiesen hat, dass er diesen Klub zu einer Fixgröße in der Bundesliga machen kann und der Luhukay zu lange an der langen Leine ließ; Gremien, die eher zu wenig als zu viel Fußballkompetenz besitzen – der Klub hat am Donnerstag Handlungsfähigkeit bewiesen, aber der elementarere Nachweis steht noch aus: der, ob Hertha BSC bundesligatauglich ist - auf dem Platz und in der Führungsetage.

Steffen Rohr

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Luhukay-Entlassung ein "schwerer Gang"

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