Torjägerkanone

Knipsen, dann auflegen: DJ Dikun mischt die Landesliga auf

Die Torjägerkanone® für alle

Erst knipsen, dann auflegen: DJ Dikun mischt die Landesliga auf

Durfte in dieser Saison schon einige Male jubeln: Ken Dikun

Durfte in dieser Saison schon einige Male jubeln: Ken Dikun Werner Pallentin

TORJÄGERKANONE® FÜR ALLE

Treffen oder Auflegen? Eine Frage, die wohl die meisten Torjäger mit Leichtigkeit beantworten könnten. Im Fall von Ken Dikun, dem Top-Torjäger des TSV Nordmark Satrup, ist es jedoch etwas komplizierter. Trifft der 29-Jährige in der Landesliga Schleswig momentan zwar wie er möchte, ist er als DJ privat wohl doch eher fürs Auflegen bekannt. Weil Dikun beide Hobbys miteinander verbinden kann, muss er sich nicht für eines entscheiden. Eine Sache steht somit auf jeden Fall fest: Im 3500-Seelen-Ort Satrup nahe Flensburg gab es in letzter Zeit einiges zu feiern.

Viele Tore, lange Nächte

Bis tief in die Nacht in der Disco stehen und tags darauf auf dem Rasenplatz gegen die Kugel treten? Wo eingeschworene Kreisliga-Kicker unbeeindruckt mit den Schultern zucken, gleicht ein Job im Nachtleben in Kombination mit ambitioniertem Landesliga-Fußball auf den zweiten Blick wohl doch eher einer schwierigen Konstellation. Eher durch Zufall kam Dikun, der vorher nur hobbymäßig auf Geburtstagen aufgelegt hat, zu seinem Nebenjob als DJ - hauptberuflich arbeitet der 29-Jährige im Garten- und Landschaftsbau im Unternehmen seines Vaters. "In Flensburg hat Anfang des Jahres ein neuer Club aufgemacht. Der Betreiber kam auf mich zu und meinte, dass ich mit meiner Art perfekt zum Schuppen passen würde. Weil ich dazu auch als Barkeeper arbeiten kann und der Club jemanden gesucht hat, der mit den vielen Mädels zurechtkommt, hat es von Anfang an gut funktioniert", witzelt Dikun über sein breites Aufgabenfeld.

Damit er trotz teilweise langen Nächten auf dem Platz trotzdem stets Höchstleistung zeigen kann, hat der Torjäger feste Vorgehensweisen. "Prinzipiell kann ich mir aussuchen, an welchen Tagen ich im Club arbeite. Wenn ich dann aber doch mal am Abend vor dem Spiel auflegen sollte, achte ich darauf, dass ich keinen Alkohol trinke und bis zum Spiel mindestens sechs Stunden Schlaf abbekommen habe", erklärt Dikun seine Routine, die er zunächst aber auch erst einmal für sich selbst entdecken musste. "Früher habe ich oft den Fehler gemacht, dass ich zu lange unterwegs war und das hat man am nächsten Tag einfach gemerkt", gesteht Satrups Torgarant. Probleme mit seinem Trainer hätte es bislang noch nicht gegeben. "Ich soll immer Bescheid sagen, wenn ich in der Nacht vor dem Spiel im Einsatz bin. Solange ich auf dem Platz meine Leistung bringe, ist aber alles in Ordnung."

Ich war noch nie ein Konditions-Monster. Ich hatte einfach immer zu viel auf den Rippen.

Ken Dikun (29) über seine Schwächen vor der Saison

Dieses Vertrauen musste sich Dikun bei seinem Trainer aber auch erst einmal erarbeiten. "Ich war noch nie ein Konditions-Monster. Ich hatte einfach immer zu viel auf den Rippen", gesteht der 86 Kilo schwere Sturmtank, der während der Vorbereitung stolze acht Kilo purzeln ließ und sich damit in Top-Form brachte. Die Ernährung wurde umgestellt und auch abseits des Platzes floss plötzlich die ein oder andere Schweißperle. Die ersten Erträge der harten Arbeit ließen nicht lange auf sich warten. Zum Saisonauftakt traf Dikun sofort dreifach, es folgten zehn weitere Tore in den folgenden fünf Auftritten. Nur beim 0:0 gegen den TSV Rantrum - dem einzigen Satruper Punktverlust in der laufenden Saison - blieb er bislang ohne Treffer. Dass Dikun mit einer Trefferquote von rund zwei Toren pro Spiel momentan der Erfolgsgarant seiner Mannschaft ist, muss nicht hinterfragt werden. "Ich wusste immer, dass ich das Potenzial dazu habe, viele Tore zu schießen. In dieser Saison habe ich einfach das volle Vertrauen des Trainers. Ich bin ein Spielertyp, der genau so etwas braucht. Der Rest kommt dann von ganz alleine", ist sich der Angreifer sicher.

Reitet Dikun weiter auf der Erfolgswelle, könnte ihn am Ende der Saison schließlich sogar die "Torjägerkanone® für alle" erwarten. "Das wäre natürlich eine tolle Sache. Ich kannte die Kanone vorher nicht. Jetzt wo ich weiß, dass ich vorne stehe, will ich das Ding auch gewinnen und am Ende ein Tor mehr als die Konkurrenz haben", zeigt sich Dikun ehrgeizig. Mit Blick auf den Vorjahressieger Janik Michel, der den FC Holzhausen mit stolzen 47 Treffern quasi im Alleingang zum Aufstieg in die Oberliga schoss, dürfte Dikun bei lediglich 22 Ligaspielen wohl noch einen Zahn zulegen müssen. "The only one" - wie er mittlerweile vom Stadionsprecher angekündigt wird - möchte zumindest "den aktuellen Schnitt halten". Ein geeignetes Plätzchen hätte er wohlgemerkt auch schon für die Kanone gefunden. "Ich habe bereits eine Vitrine zu Hause, wo momentan Medaillen und kleinere Pokale gehortet werden. Sollte ich die Kanone wirklich gewinnen, würde ich sie natürlich ganz oben platzieren."

Den nächsten Schritt gilt es schon am kommenden Wochenende zu gehen, wenn für Dikun spannende Tage auf dem Programm stehen. Erstmals in dieser Saison kommt es nämlich zur Symbiose seiner beiden Hobbys. Am Freitag feiert der Top-Torjäger seinen 30. Geburtstag. Einen Tag später geht es dann zunächst zum Derby beim TSV Kroop, ehe er im Anschluss das gesamte Team zu sich in den Club einlädt. Für passende Musik ist natürlich gesorgt. Damit bei der Feier eine positive Grundstimmung herrscht, will er dem TSV vorher auf dem Platz "mit ein, zwei oder vielleicht sogar drei Toren"  zu drei Punkten verhelfen.

Lukas Karakas

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