Bundesliga

Erneute Torwartdiskussion beim BVB: Bürkis Woche zum Vergessen

Abermaliger Tausch im Tor nicht auszuschließen

Erneute Torwartdiskussion beim BVB: Bürkis Woche zum Vergessen

Wird bei Borussia Dortmund zunehmend kritisch gesehen: Roman Bürki.

Wird bei Borussia Dortmund zunehmend kritisch gesehen: Roman Bürki. imago images

Als der damalige BVB-Trainer Lucien Favre in der ersten Oktober-Hälfte 2020 einen Torwarttausch von Roman Bürki zu Marwin Hitz vornahm, sorgte das intern wie extern für Irritationen. Warum wechselte der Schweizer einen Torhüter aus, der sich nichts zu Schulden kommen lassen hatte? Warum erklärte er sich nicht öffentlich dazu? Und warum machte er - obwohl sich auch Hitz in den drei Spielen als temporäre Nummer 1 nichts vorwerfen lassen musste - den Tausch wenig später wieder rückgängig?

Heute würden sich diese Fragen wohl nicht mehr stellen, sollte Edin Terzic, Favres Nachfolger auf der Trainerbank, beim nächsten Bundesligaspiel der Borussia - am Samstag gegen den FC Augsburg - einen Torwartwechsel vornehmen. Denn hinter Bürki, der so ordentlich in die Saison gestartet war und in Spielen wie gegen Mönchengladbach (3:0), München (2:3) und Lazio Rom (1:1) bärenstark gehalten hatte, liegt eine Woche zum Vergessen.

Beim 1:1 gegen Mainz ließ er einen Fernschuss von Levin Öztunali passieren, der zumindest nicht unerreichbar schien. Beim 1:2 in Leverkusen stellte der 30-Jährige mit insgesamt elf Paraden zwar ligaweit einen Saisonrekord auf, sah aber bei beiden Gegentoren unglücklich aus. Und beim 2:4 in Mönchengladbach unterlief ihm ein folgenschwerer Abpraller nach vorne vor dem 2:2, den Nico Elvedi eiskalt ausnutzte.

Binnen nur sechs Tagen musste Bürki siebenmal hinter sich greifen, insgesamt kassierte er in dieser Spielzeit bereits 26 Gegentore in 16 Spielen - zu viel für die eigenen Ansprüche des Führungsspielers. Zu viel auch für die des BVB, bei dem Bürki intern zunehmend kritisch gesehen wird.

Dabei Bürki bildet keine Ausnahme. Zuletzt patzten immer wieder auch jene Borussen, die aufgrund ihres Alters und ihrer Erfahrung eigentlich vorangehen wollen oder sollen: Mats Hummels, Marco Reus, auch Manuel Akanji, Emre Can und Raphael Guerreiro. Sie alle konnten ihrem Team in den jüngsten Spielen keine Sicherheit vermitteln. Erschwerend kommt beim Dortmunder Keeper allerdings hinzu, dass er ohnehin seit Jahren von Teilen der Anhängerschaft - und auch von einigen Experten - skeptisch betrachtet wird. Obwohl er sich nach durchwachsenem Start in Dortmund 2015 im Verlauf der vergangenen Jahre merklich stabilisiert und seine Fehlerquote deutlich gesenkt hatte.

Bürkis Werte sind im Liga-Vergleich nur Mittelmaß

Fakt allerdings ist: Sowohl sein Notenschnitt von 3,13 sowie seine Paradenquote von 64,9 Prozent sind im Liga-Vergleich nur Mittelmaß - obwohl er sich im Vergleich zur Vorsaison (3,18/59,6 Prozent) leicht gesteigert hat. Allein deshalb die Eignung Bürkis grundsätzlich in Frage zu stellen, wäre aber ein zu strenger Ansatz. Denn auf der Linie ist der Schweizer einer der Besten in der Liga und nur schwer zu überwinden, gegen Lazio beispielsweise sicherte er seinem taumelnden Team in der Schlussphase des Rückspiels durch drei starke Paraden das Weiterkommen in der Champions League.

Unstrittig ist aber auch, dass es in der Liga - und mehr noch im internationalen Vergleich - Torhüter gibt, die in der Strafraumbeherrschung und auch im Spiel mit dem Ball besser sind als Bürki, der in Dortmund noch bis 2023 unter Vertrag steht und von Sportdirektor Michael Zorc bei der letzten Vertragsverlängerung im Sommer 2020 als "exzellente Besetzung" geadelt wurde.

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Vor allem letzteres nutzten die Gegner zuletzt mehr und mehr aus: Leverkusen etwa stellte konsequent die Innenverteidiger Hummels und Akanji zu, um Bürki zu langen Bällen zu zwingen - aus einem dieser Spieleröffnungen resultierte prompt das 0:1. Und wenn Dortmund einmal hinten liegt, das zeigt ein Blick auf die Statistik, dann wird es in dieser Saison schwer für den BVB, zu punkten: Zehnmal lagen die Schwarz-Gelben in den bisherigen 18 Liga-Spielen bereits zurück - und holten aus diesen Begegnungen nur noch fünf Punkte (ein Sieg, zwei Remis, sieben Niederlagen).

Steht ein erneuter Torwartwechsel an?

Umso wichtiger ist es für den Klub in der aktuellen Phase, einen sicheren Rückhalt zu haben. Ob Bürki das weiterhin ist - oder aber ein erneuter Torwarttausch ansteht, das muss Terzic, der trotz der jüngsten Rückschläge nicht in Frage steht, in den kommenden Tagen bewerten. Gänzlich auszuschließen ist es nicht, dass Hitz gegen Augsburg zu seinem dritten Saisoneinsatz in der Liga kommt. Die ersten beiden gewann übrigens der BVB - beide Male zu Null (4:0 gegen Freiburg, 1:0 in Hoffenheim).

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Matthias Dersch