Int. Fußball

Manchester City: Die letzte Mission des Sergio Aguero

Vereinslegende wird Manchester City im Sommer verlassen

Er versprach es 2014: Die letzte Mission des Sergio Aguero

Wurde in Manchester durch sein Meistertor unsterblich und durch Pep Guardiola ein noch besserer Fußballer: Sergio Aguero.

Wurde in Manchester durch sein Meistertor unsterblich und durch Pep Guardiola ein noch besserer Fußballer: Sergio Aguero. picture alliance, Getty Images

Der 13. Mai 2012 war ein Tag, der für Manchester City zunächst einmal gar nichts änderte. Denn die Skyblues hatten zwar den Gewinn ihrer ersten Meisterschaft seit 44 Jahren im eigenen Stadion selbst in der Hand, brachten es aber tatsächlich fertig, in Überzahl gegen Kellerkind Queens Park Rangers eine Führung zu verspielen.

Es schien also alles so zu laufen, wie es bei Manchester City eben immer lief: In den wichtigsten Momenten, wenn es alles oder nichts hieß, vermasselten es die "Noisy Neighbours" traditionell. Da nutzten auch weder die vielen Scheich-Millionen etwas noch die damit gekauften Stars, die damals von Roberto Mancini trainiert wurden.

Wieso eigentlich "Kun"?

Sergio Aguero, den sein Großvater in Anlehnung an eine Unruhe stiftende japanische Zeichentrickfigur einst "Kun" gerufen hatte und der vor der Saison von Atletico Madrid auf die Insel gewechselt war, scherte sich allerdings einen feuchten Kehricht um die Versagensängste eines Vereins, der drauf und dran war, schon wieder zu versagen.

Also kam es anders am 13. Mai 2012, der für Manchester City schließlich alles änderte. Weil "Kun" in der vierten Minute der Nachspielzeit im Strafraum der Gäste Unruhe stiftete. Ein dynamischer Antritt, der Kopf geht nach unten, jede Menge Entschlossenheit und blitzschnell ins kurze Eck geschossen.

Das Tor, das alles veränderte: Sergio Aguero (li.) am 13. Mai 2012.

Das Tor, das alles veränderte: Sergio Aguero (li.) am 13. Mai 2012. imago images

Das eine Tor, auf das sich Aguero vielleicht sogar gerne reduzieren lässt, steht stilistisch für so viele andere, die der gedrungene Strafraumwusler in seiner langen Laufbahn geschossen hat. Es waren mehr als jeder andere Ausländer in der Premier League, mehr als jeder andere Spieler in Manchester Citys Vereinsgeschichte. Und es waren sechs Jahre in Folge wettbewerbsübergreifend 28 oder mehr, was in England seit Jimmy Greaves keiner mehr geschafft hatte.

Kun steht für Tore, für oft simple Tore - und vielleicht für nicht sonderlich viel mehr. Weswegen aus ihm nie ein globaler Superstar wurde, der die Massen mit seiner Spielweise begeisterte. Vielleicht lag es auch daran, dass er für einen nur bedingt geliebten Klub spielte. Aber dieser Klub wurde durch die Tore des Argentiniers zum gefürchtetsten und erfolgreichsten der Premier League der 2010er Jahre.

Guardiolas erster Verteidiger

Dabei hatte der Publikumsliebling auf halber Strecke beweisen müssen - ja, müssen -, dass er mehr als nur ein auf seine Chance lauernder Knipser sein kann. "Pep war ein sehr fordernder Trainer", sagte er einmal über Herrn Guardiola, der 2016 nach Manchester gekommen war und aus Aguero unter anderem seinen "ersten Verteidiger" machen wollte. "Es war nicht einfach, sich daran zu gewöhnen", gab eine ganz und gar nicht falsche Neun zu, der es schließlich trotzdem gelang.

Besonders unter Guardiola war Manchester City außerordentlich erfolgreich, weil auch unter Guardiola ein Mann Tor um Tor schoss, der mit dem, was er tat, gar nicht unbedingt zum katalanischen Taktikgenie passte. Der darin aber dermaßen gut war, dass Guardiola gar nicht darauf verzichten konnte. Wie sich der Fußballer Aguero trotzdem weiterentwickelte, spricht für beide.

Sergio Aguero, Pep Guardiola

Ein nicht immer einfaches Verhältnis: Sergio Aguero und Pep Guardiola (re.). imago images

In der laufenden Saison bekam es das letzte Überbleibsel des Meisterteams von 2012 - Citys erstem der Moderne - mit weitaus komplizierteren Widrigkeiten zu tun. Seit einigen Monaten hat Aguero mit Verletzungen zu kämpfen, besonders das Knie bereitet ihm Probleme.

Aber auch ohne ihn steuern die Citizens, von Guardiola einmal mehr taktisch umgeformt, auf ihre nächste Meisterschaft zu. Wie sehr ein Aguero mit seinen einmaligen Fähigkeiten dennoch fehlen kann, hatte etwa das unglückliche Champions-League-Aus gegen Olympique Lyon im vergangenen Sommer gezeigt, als City im Prinzip vieles wie immer machte. Doch es fehlte die letzte Instanz, die den Ball schließlich über die Linie drückt.

Soll Haaland Aguero ersetzen?

Deshalb geht es schon jetzt, wo sich eine Vertragsverlängerung über den Sommer hinaus wohl nicht mehr rentiert hätte und seit zwei Wochen offiziell vom Tisch ist, um Agueros Nachfolge. Nur den Ball ins Tor tragen zu wollen, das reicht nicht immer. Das wissen sie in Manchester, zumindest jenseits von Guardiola, mindestens so gut wie sonst wo. Erling Haaland - obwohl Guardiola auch das offenbar anders sieht - soll ein Kandidat sein. Mehr Brecher als Wusler. Aber eben Knipser.

Ich bleibe bei City, bis wir die Champions League gewonnen haben.

Sergio Aguero im Jahr 2014

Viele Dinge im Fußballgeschäft sind ziemlich kurzweilig, doch Aguero wird bleiben. Dem voraussichtlich einzigen Spieler in der Vereinsgeschichte, der fünfmal englischer Meister wird, wurde vom Klub eine Statue vor dem Etihad Stadium versprochen. Dem Mann, mit dessen Tor die Ära des alten Manchester City endete und die des neuen begann.

Darf er überhaupt noch spielen?

Aguero selbst verfolgt derweil ein eigenes Versprechen, das er den Skyblues 2014 sogar öffentlich in der "Daily Mail" gemacht hatte: Er würde den Verein erst verlassen, wenn sie gemeinsam die Champions League gewonnen haben.

Jetzt hat er keine Wahl mehr, denn sein Abschied im Sommer ist besiegelt. 2021 ist die letzte Chance. Wenn der inzwischen 32-Jährige, der für das Viertelfinal-Rückspiel gegen Borussia Dortmund angeschlagen passen musste, denn auch eine bekommt, sein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Und wenn es nur als Joker ist. Denn für ein spätes Tor ist Sergio Aguero immer gut.

Niklas Baumgart

Nur zwei vor Kane: Die 20 erfolgreichsten Torjäger der Premier-League-Geschichte