Champions League

Eden Hazard vor dem Halbfinale der Champions League: Jetzt oder nie

Nach 58 verpassten Spielen

"Er spürt die alten Probleme nicht mehr": Hazard - wo, wenn nicht hier?

Wird Eden Hazard wieder der Weltklassespieler sein, der er einmal war?

Wird Eden Hazard wieder der Weltklassespieler sein, der er einmal war? Getty Images

Wie hat er das nur gemacht?

Das haben sie sich beim FC Chelsea zwischen 2012 und 2019 so oft gefragt, dass selbst Thomas Tuchel, der damals noch nicht Blues-Trainer war, vor dem Hinspiel in Madrid (1:1) ins Schwärmen geraten war: "Eden war über Jahre der Unterschiedsspieler hier, wir haben viel über ihn geredet."

Angeblich bis zu 170 Millionen Euro

Seit seinem Abgang aus London wird eigentlich kaum noch über Hazard geredet - und wenn doch, gibt es eigentlich nur diese Themen: Verletzungen, Rückschläge, kurzfristige Comebacks und Leistungen, die keine 100 bis im Idealfall angeblich 170 Millionen Euro - so berichtet "The Athletic" - wert sind.

So viel hat Real Madrid vor knapp zwei Jahren aber für den inzwischen 30-Jährigen hingeblättert und dafür bisher gerade einmal 39 Spiele und vier Tore bekommen. Noch nicht einmal im Ansatz der gewünschte Cristiano-Ronaldo-Ersatz, das kann auch die Rückennummer sieben nicht kaschieren.

Landsmann Meunier verletzt ihn schwer

Alles begann damit, dass der Belgier 2019 nicht mit der unwiderstehlichen Dynamik in Madrid ankam, die ihn zum vielleicht gefürchtetsten Dribbler der Premier League gemacht hatte - sondern mit einigen Pfunden zu viel. Während einer sehr zähen Eingewöhnungsphase schürte dann eigentlich nur der 4:2-Sieg über den damaligen Tabellenzweiten Granada (ein Tor, eine Vorlage) Anfang Oktober 2019 Hoffnung, dass Reals Rekordtransfer endlich angekommen sein könnte.

Doch Ende November räumte im Champions-League-Gruppenspiel gegen Paris Saint-Germain Landsmann Thomas Meunier Hazard derartig ab, dass dieser sich daraufhin schwer am Knöchel verletzte und bis heute nicht mehr wirklich in Tritt kam. Insgesamt zehn Verletzungen in knapp zwei Jahren, daraus resultierend 58 verpasste Spiele - die einzigen gewissermaßen beeindruckenden Hazard-Statistiken in Madrid.

Jahrelang war der spanische Rekordmeister immer wieder mit dem Offensiv-Allrounder in Verbindung gebracht worden, der sein bis dato letztes überragendes Spiel im Europa-League-Finale 2019 (4:1 gegen Arsenal) noch für den FC Chelsea bestritten hatte. Kam der Transfer womöglich zu spät?

Die Londoner Fans verzückte Hazard zwischen 2012 und 2019. Der Madrider Anhang hat diesen Spieler noch nicht gesehen.

Die Londoner Fans verzückte Hazard zwischen 2012 und 2019. Der Madrider Anhang hat diesen Spieler noch nicht zu sehen bekommen. Getty Images

Gerüchte gibt es seit geraumer Zeit wieder - dass Hazard die Königlichen wieder verlassen müsse, dass sie in Madrid die Geduld verlieren mit dem Unterschiedsspieler, der schon lange keiner mehr ist. Könnte das Saisonfinale 2020/21, wo Real im Rennen um Meisterschaft und Champions League ganz vorne mit dabei ist, die letzte Chance für ihn sein, seine schier in Vergessenheit geratene Extraklasse unter Beweis zu stellen?

Extraschichten und Lob vom Idol

Nach dem x-ten Rückschlag, nach dem x-ten Comeback könnte es diesmal tatsächlich anders werden, könnte Hazard nach zwei zähen Jahren vielleicht wirklich in Madrid ankommen. Seine Herangehensweise soll sich geändert haben, der Belgier mit einem Physiotherapeuten nun etwa Extraschichten in den eigenen vier Wänden schieben, um in Liga und CL noch zum Faktor werden zu können. Mit einer Metallplatte in seinem Knöchel, die ihm zunächst das Vertrauen in seinen Fuß genommen hatte, soll er sich inzwischen arrangiert haben.

Sein Idol und Trainer Zinedine Zidane, nicht für ausschweifende Erklärungen bekannt, klingt diesmal ebenfalls ein wenig anders: "Ich sehe nicht, dass Eden irgendwelche Zweifel hat. Er spürt die alten Probleme nicht mehr. Jetzt kann er Gas geben."

Es ist immer gut, gegen Freunde zu spielen.

Eden Hazard vor seiner Rückkehr an die Stamford Bridge

Ist er also endlich wieder fit? Beim 2:0 gegen Osasuna hatte es am Samstag zumindest für die Startelf und 72 Minuten Einsatzzeit gereicht. Im Halbfinal-Rückspiel am Mittwoch (21 Uhr, LIVE! bei kicker) gegen seine alte Liebe auch? "Es ist immer gut, gegen Freunde zu spielen", sagt der Belgier selbst.

Eden Hazard könnte sich wohl kaum einen besseren Zeitpunkt aussuchen, um nach zwei Jahren wirklich mal wieder ein Spiel zu entscheiden. Wo, wenn nicht an der Stamford Bridge?

Niklas Baumgart