Bundesliga

Er muss es wollen: Das ist Bayern-Transfer Bryan Zaragoza

Über Bayerns aufstrebenden Sommertransfer

Er muss es nur wollen: Das ist Bryan Zaragoza

Ein kaum auszurechnender Dribblerkünstler: Bryan Zaragoza.

Ein kaum auszurechnender Dribblerkünstler: Bryan Zaragoza. imago images

Kann man Christoph Freund wirklich glauben, wenn Bayerns Sportdirektor über Neuzugang Bryan Zaragoza behauptet, diesen "schon länger auf dem Schirm" gehabt zu haben? Einen Spieler, der die erste Hälfte des vergangenen Kalenderjahres noch in der Viertklassigkeit verbracht hat, dessen erstes Profi-Tor, geschossen in der zweiten spanischen Liga gegen Albacete, erst zwölf Monate alt ist?

Von da an wurde es allerdings immer schwerer, den nur 1,64 Meter großen Angreifer zu übersehen, der doch so lange übersehen worden war. Zaragoza, inzwischen 22 Jahre alt, stammt aus keiner großen Nachwuchsschmiede, kam erst in der A-Jugend zum FC Granada, wo er die laufende Saison noch beenden wird. Die Bayern lassen Geduld walten bei einem Spieler, den zuletzt hauptsächlich Hektik umgab.

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Kaum war Zaragoza im Sommer mit Granada in La Liga aufgestiegen - Erstliga-Spieler ist der Rechtsfuß noch kein halbes Jahr -, etablierte er sich als einer der vielversprechendsten Angreifer im spanischen Oberhaus. Seit dem 8. Oktober 2023 musste man dann nicht mehr Christoph Freund heißen, um den Senkrechtstarter auf dem Schirm zu haben.

Dass Freund in Zaragoza einen "antrittsstarken, sehr schnellen und extrem wendigen Flügelspieler" erkennt, der "auf beiden Seiten einsetzbar, unberechenbar, sehr gut in Eins-gegen-Eins-Situationen und torgefährlich" ist, bekam Spaniens Meister FC Barcelona an jenem schicksalsträchtigen Tag in vollem Umfang zu spüren.

Ein Dauerdribbler ohne Nerven

Zaragoza narrte die katalanische Meisterabwehr nach Belieben, schenkte Barça beim 2:2 beide Gegentore ein und verpasste den 3:2-Siegtreffer in den Schlussminuten nur um Zentimeter. Dabei war das Besondere gar nicht gewesen, was bei Zaragoza mit den Füßen passierte. Sondern das, was in seinem Kopf vorging.

Den außergewöhnlichen Höhepunkt seiner noch jungen Karriere nahm das "Geschoss", wie die "Marca" schrieb, mehr oder weniger einfach zur Kenntnis, fast schon gleichgültig, jedenfalls nicht überwältigt. Was er auch vor dem Spiel nicht gewesen war, das so für ihn ansonsten wohl nicht möglich gewesen wäre. "Ich werde nie nervös", erklärte er bei DAZN seine bemerkenswerte Abgezocktheit im Dribbling und vor dem Tor. Vielleicht weil gerade alles so schnell geht, dass Zaragoza gar nicht richtig zum Nachdenken kommt.

Bryan Zaragoza Left Winger of Granada and Spain celebrates after scoring his sides second goal during the LaLiga EA Sports match between Granada CF and FC Barcelona at Estadio Nuevo Los Carmenes on October 8, 2023 in Granada, Spain. (Photo by Jose Breton/Pics Action/NurPhoto via Getty Images)

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Vielleicht aber auch, weil dieser Straßenfußballer, der bei unterklassigen Vereinen in seiner Nachbarschaft "groß" wurde, es nie anders gemacht hat. Weil er es gar nicht anders machen will. "Ich spiele, um zu dribbeln", sagte er nach dem Barça-Spiel, und das ist schwer zu übersehen. Immer und immer wieder, aus der puren Laune heraus. 82-mal bisher, öfter als jeder andere La-Liga-Spieler. "Hör auf zu rennen!", hatte ihn sein Gegenspieler Ronald Araujo genervt gebeten, doch Zaragoza hat natürlich nicht auf ihn gehört.

Ich spiele meinen Fußball.

Bryan Zaragoza

Das gehört zu einem der spannendsten jungen europäischen Angreifer dazu. "Ich spiele meinen Fußball, ich werde die Dinge tun, die ich immer tue." Furchtlos, ein Stück weit auch alternativlos. So alternativlos wie seine Nominierung für die spanische Nationalmannschaft als erster Granada-Spieler seit fast 50 Jahren, so alternativlos wie das Ziehen seiner nur rund 13 Millionen Euro hohen Ausstiegsklausel. Zu viel bezahlt hat der FC Bayern wahrscheinlich nicht.

Aber der deutsche Rekordmeister hat sich womöglich einen Spieler gekauft, der sich nur schwer in ein Schema pressen lässt. Allein schon durch seine Körpergröße. Was aber kein Nachteil sein muss. "Er kann es so weit bringen, wie er will", behauptete Granada-Verteidiger Raul Torrente schon vor dem Schicksalsspiel gegen Barcelona. Über seinen Willen hat Bryan Zaragoza bisher aber immer selbst entschieden.

Niklas Baumgart

Bryan Zaragoza

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