NFL

Der deutsche Receiver "EQ" St. Brown: "Rodgers ist besser als Brady"

"Unsere Offense kann niemand stoppen" - Rodgers und der MVP-Titel

"EQ" St. Brown kurz vor dem Super-Bowl-Einzug: "Rodgers ist besser als Brady"

Pure Erleichterung: Packers-Receiver Equanimeous St. Brown hat inzwischen einen NFL-Touchdown vorzuweisen.

Pure Erleichterung: Packers-Receiver Equanimeous St. Brown hat inzwischen einen NFL-Touchdown vorzuweisen. Getty Images

Als der in Kalifornien geborene Equanimeous St. Brown, dessen Mutter Miriam aus Leverkusen stammt, in der Preseason 2019 seinen ersten Touchdown für die Packers eingetütet hatte, schien alles auf den erfolgten Durchbruch im zweiten Jahr hinzudeuten. Doch eine Knöchelverletzung vermieste dem Deutsch-Amerikaner die Tour, er fiel die komplette Saison 2019/20 aus - und musste mit ansehen, wie Green Bay im NFC-Finale ziemlich krachend an den San Francisco 49ers scheiterte (20:37).

Das dritte NFL-Jahr sollte es dann werden für "EQ", der sich unter anderem mit intensivem Garagentraining in diesen Corona-Zeiten auf die Spielzeit 2020/21 vorbereitet hatte - nur zum Start dann wieder nicht so recht in Tritt kam. Eine Knieverletzung zwang den Wide Receiver zunächst zu einer weiteren Zwangspause, außerdem fing er nach seinem Comeback einige Zuspiele von Star-Quarterback Aaron Rdogers nicht: nur ein Catch für zwölf Yards bei fünf Würfen in den ersten beiden Partien - zu wenig. "Am Anfang war es nicht ganz so leicht, weil ich ja von einer Verletzung und einem ganzen Jahr ohne Spiel zurückkam", erinnert sich St. Brown aktuell exklusiv gegenüber dem kicker zurück. "Aber das ist inzwischen vergangen - und es läuft für mich ganz gut."

National Football League Playoffs - Conference Championships
Tampa Bay Buccaneers - Vereinsdaten
Tampa Bay Buccaneers

Gründungsdatum

01.01.1974

Vereinsfarben

Rot, dunkelbraun, orange

Green Bay Packers - Vereinsdaten
Green Bay Packers

Gründungsdatum

11.08.1919

Vereinsfarben

Dunkelgrün, gelb, weiß

Tampa Bay Buccaneers - Die letzten Spiele
Kansas City Chiefs Kansas City (H)
31
:
9
Green Bay Packers Green Bay (A)
26
:
31
Green Bay Packers - Die letzten Spiele
Tampa Bay Buccaneers Tampa Bay (H)
26
:
31
Los Angeles Rams LA Rams (H)
32
:
18

Es geht aufwärts - bis hin zum ersten Touchdown

Das tut es in der Tat: Mit seinem Catch für 23 Yards beim knappen 31:34 in der Verlängerung in Indianapolis stellte sich die Kehrtwende ein. St. Brown bekam nur noch zwei Zuspiele nicht mehr zu fassen, erreichte mit sechs Catches starke 114 Yards - und verzeichnete obendrein beim 40:14 gegen die Tennessee Titans kurz vor Ende der Regular Season seinen ersten NFL-Touchdown. Der 24-Jährige avancierte damit nach Ex-Defensivspieler Markus Kuhn (New York Giants) und Running Back Jakob Johnson (New England Patriots) erst zum dritten Deutschen, dem ein Score in der National Football League gelang.

Equanimeous St. Brown wird von Aaron Rodgers beglückwünscht.

Der erste Touchdown: Equanimeous St. Brown wird von seinem Star-Quarterback Aaron Rodgers beglückwünscht. Getty Images

"Ich musste erst mal die Schiedsrichter ansehen, ob es wirklich ein TD war", so "EQ" über diesen besonderen Moment Ende Dezember 2020. "Nachdem das aber klar war, habe ich mir ganz schnell einen Jubel überlegt - und da ist mir das, was ich eben gemacht habe, in den Sinn gekommen." Mit ausgebreiteten Armen im Schneetreiben von Green Bay stellte sich der Passempfänger damals in die Endzone und wurde kurz darauf von Kollegen und Spielmacher Rodgers beglückwünscht: "Das gesamte Team hat mir gratuliert - und natürlich meine Familie und Freunde. Es war ein aufregender Tag." Mit einer besonderen Widmung wie etwa für seinen Vater und Förderer John Brown (ehemaliger Mister Universe im Bodybuilding) versah er diesen Touchdown übrigens nicht: "Da habe ich mir so in dem Sinne keine Gedanken drüber gemacht. Es war einfach ein besonderer Tag - und ich habe ihn für das Team gemacht, dass wir weiterkommen und den Super Bowl gewinnen."

Rodgers als Teamkamerad: "Eine Ehre"

Dahingehend fehlt "The Pack" nach dem verdienten 32:18 in der Divisional Round gegen die Los Angeles Rams nur noch ein Sieg - und dieser muss am kommenden Sonntag (21.05 Uhr MEZ) gegen keinen Geringeren erfolgen als "NFL-G.O.A.T." Tom Brady mit seinen Tampa Bay Buccaneers.

Als Quarterback, glaube ich, ist Aaron Rodgers besser.

Equanimeous St. Brown über den Vergleich zwischen seinem Quarterback und Tom Brady

Der sechsmalige Super-Bowl-Champion (alle Titel mit dem ehemaligen Team aus New England) geht in dieses NFC-Finale aber nicht als Favorit, bei den Buchmachern steht Rekordmann und "Frostkönig" Rodgers mit der besten Offense dieser NFL-Saison höher im Kurs. Das unterschreibt auch St. Brown ("Unsere Offense kann niemand stoppen"), beim Play-off-Sieg gegen die Rams nach einem verpassten Catch einmal für starke 27 Yards zur Stelle: "Ich weiß, er (Rodgers; Anm.d.Red.) hat nicht so viele Super Bowls gewonnen, aber als Quarterback, glaube ich, ist Aaron Rodgers besser." Es sei "eine Ehre, Bälle von ihm fangen zu dürfen. Ich trainiere jeden Tag mit ihm - und ich weiß, dass er mir wie auch unseren anderen Receivern vertraut. Er hat eine super Saison gespielt mit 48 TDs und nur 5 Interceptions. Deswegen hat er auf alle Fälle auch den MVP-Titel verdient und wird ihn hoffentlich auch bekommen."

"Wir werden gewinnen"

Ein Faktor pro Green Bay könnte an diesem Wochenende außerdem eine gewichtige, mitentscheidende Rolle spielen: das derzeitge Minusgradwetter in Green Bay, genauer gesagt die klirrende Kälte im offenen und wieder mit etwa 6000 lautstark unterstützenden Fans besetzten Lambeau Field. "Das ist auf jeden Fall ein Vorteil, weil viele Teams in der Kälte Probleme haben - und dabei, eventuell sogar im Schnee spielen zu müssen", sagt St. Brown. Beim Gegner aus Florida herrsche dagegen "warmes Wetter", wenngleich Brady aus seinen Patriots-Zeiten rund um Boston den kalten Winter ebenfalls bestens kennt. Nur eben viele seiner aktuellen Teamkollegen nicht.

Die einzige logische Schlussfolgerung für "EQ" St. Brown deswegen: "Wir werden gewinnen. Nur wie hoch, das weiß ich nicht."

Markus Grillenberger

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