Wintersport

"Entspannt das Ding rocken": Eisenbichler und Geiger im Doppel-Interview

Das fliegende Doppelzimmer gibt einen Einblick ins Zusammenleben

"Entspannt das Ding rocken": Eisenbichler und Geiger im Doppel-Interview

Links der emotionalere, rechts der ruhigere Typ: Markus Eisenbichler und Karl Geiger.

Links der emotionalere, rechts der ruhigere Typ: Markus Eisenbichler und Karl Geiger. picture alliance

Karl Geiger, Markus Eisenbichler, nach Silber und Gold bei der WM 2019 in Innsbruck sind Sie bei der Skiflug-WM wieder gemeinsam aufs Podest gesprungen. Gibt es Sie bei Großveranstaltungen nur im Doppelpack?
Markus Eisenbichler: Ja scheinbar. Das ist doch ganz lässig, oder?
Karl Geiger: Ja, also, ganz so einfach ist es leider nicht. Natürlich sind wir gerne im Doppelpack unterwegs. Die beiden Male, bei denen uns das gelungen ist, hat es mega Spaß gemacht. Es ist genial, wenn es klappt.

Wie wird's bei der Vierschanzentournee ausschauen?
Eisenbichler: Hm, da hoff' ich mal, dass es uns auch im Doppelpack gibt. Und dass wir das Ding rocken. Aber dafür müssen wir entspannt bleiben und uns auf das Wesentliche konzentrieren.
Geiger: Trotz meinem Sieg bei der Skiflug-WM muss ich noch meine Form stabilisieren. Mir ist bewusst, dass meine Leistung noch nicht konstant genug ist, um eine Tournee extrem gut zu absolvieren. Aber ich bin besser in die Saison gestartet als erwartet, denn die Wochen davor lief es im Training noch nicht so gut.
Eisenbichler: Du bist einfach ein Wettkampftyp.
Geiger: Auch, ja. Wir springen aber auf vier unterschiedlichen Schanzen, bei unterschiedlichen äußeren Bedingungen. Man muss zu jeder Zeit den richtigen Sprung machen und von daher gehört auch etwas Glück dazu ...
Eisenbichler: Am Ende soll ein deutscher Sieg rauskommen. Wer den macht, ist mir egal. Ich hoffe, dass ich auch mal ganz oben stehen kann und nicht nur auf dem zweiten Platz.

Wir sind der Markus und der Karl.

In die Saison sind Sie in Kuusamo schon mit einem Doppelsieg gestartet - Markus als Sieger und Karl auf Platz zwei. Wie Martin Schmitt und Sven Hannawald vor 20 Jahren. Wer von Ihnen ist Schmitt, wer Hannawald?
Geiger: Wenn Martin gewonnen hat, dann ist der Eisei wahrscheinlich der Martin.
Eisenbichler: Ich vergleiche das von ihrer Art her. Dann bin ich eher der Hanni, weil er auch mehr der emotionale Typ war. Und Martin war eher der ruhige. Das ist eher der Karl.
Geiger: Also ich würde sagen: Wir sind der Markus und der Karl.

Was macht das fliegende Doppelzimmer in diesen Tagen. Froh, dass Sie mal ein Zimmer alleine haben?
Eisenbichler: Mir ist der Karl nur in Nischni Tagil abgegangen, weil er da nicht dabei war. Aber in Wisla und Kuusamo hatten wir schon noch ein Doppelzimmer. Seit Nischni Tagil sind wir in Einzelzimmern untergebracht.

Trotzdem wurden Sie, Herr Geiger, nach der Skiflug-WM positiv auf Corona getestet.
Geiger: Ja, das war ein Schock. Ich hatte ja keinerlei Symptome.

Hatten Sie danach noch Kontakt?
Eisenbichler: Natürlich. Wir haben uns regelmäßig geschrieben.
Geiger: Das zum einen, ich habe natürlich die Springen zu Hause vor dem Fernseher verfolgt. Da habe ich wässrige Augen bekommen. Es war schwer, dass ich nicht dabei sein durfte, denn ich mag die Schanze in Engelberg echt. In meiner aktuellen Form hätte es mir richtig Freude gemacht.

Warum harmoniert es zwischen Ihnen so gut?
Eisenbichler: Es passt einfach. Manchmal lernt man jemanden kennen und stellt fest: Ja, der ist gemütlich und hat eine ähnliche Einstellung wie ich.
Geiger: Wir kommen einfach gut miteinander aus. Seit der Schülerzeit im Deutschlandcup waren wir fast immer bei denselben Wettkämpfen und seitdem zusammen auf dem Zimmer. Wir sind gemeinsam auf- und wieder abgestiegen, sind auch mal rausgekehrt worden.
Eisenbichler: Wir haben uns über die Jahre ziemlich gut kennengelernt, wissen genau, wie der andere tickt und was er braucht. Wir stehen uns im Zimmer nie im Weg und streiten auch nicht. Und das obwohl wir Konkurrenten sind.

Doch ein altes Ehepaar, wie Sie der ehemalige Bundestrainer Werner Schuster bezeichnet hat.
Geiger: So weit würde ich jetzt nicht gehen. Ich glaube, jeder kennt alle Facetten des anderen.

Gibt es auch etwas, was nervt?
Geiger: Natürlich gibt es immer etwas, was nervt.
Eisenbichler: Ab und zu schon.

Was nervt denn?
Eisenbichler: Karl kann sehr stur sein. Wenn er etwas will, dann zieht er es durch. Ich bin auch so ähnlich, ich versuche aber, dass ich auf den anderen eingehe. Das ist aber wirklich kein großes Ding, sondern eine Klitze-Kleinigkeit.
Geiger: Meist nervt etwas, wenn die Leitung bei einem selbst kurz ist.

Karl ist eindeutig der Schlampigere. Solange er meine Ordnung nicht durcheinander bringt, kann er es machen, wie er will.

Eisenbichler über Geiger

Sie sind mit viel Gepäck, vor allem mit den sperrigen Sprunganzügen, unterwegs. Wie schaut's mit der Ordnung aus?
Geiger: Jeder hat seine eigene Ordnung. Eisei ist extrem ordentlich. Der würde alles am liebsten sortieren und kategorisieren. Bei mir sollte es nicht ausschauen wie Schwein, ich sollte mich noch auskennen. Ansonsten bin ich eher von der entspannteren Sorte.
Eisenbichler: Karl ist eindeutig der Schlampigere. Im Zimmer habe ich meine Seite, wo alles schön ordentlich und schön aufgeräumt ist. Alles hat seinen Platz. Karls Ordnungsprinzip ist eher: Hauptsache es ist da. Das lasse ich ihm auch, solange er meine Ordnung nicht durcheinander bringt, kann er es machen, wie er will.

Über welche Themen reden Sie, wenn die Türe geschlossen ist? Ist Skispringen ausgesperrt?
Geiger: Nein. Wir reden über alles Mögliche. Was einem gerade in den Sinn kommt. Es ist wie an einem Stammtisch, da redet man auch über Alles und Jeden.
Eisenbichler: Über Skispringen reden wir nur ab und zu. Irgendwann muss es auch mal gut sein. Wie Karl sagt, ist ansonsten mehr privates angesagt. Wie's mit der Freundin beziehungsweise Frau läuft. Was zu Hause passiert. Nicht speziell über Skispringen.

Als es bei Ihnen, Herr Eisenbichler, vor einem Jahr nicht mehr so lief, inwieweit konnte Ihnen Karl helfen?
Geiger: Direkt in der Situation konnte ich ihm nicht helfen. Oben an der Schanze hat jeder sein eigenes Konzept. Ich maß mir auch nicht an, Eisei Ratschläge zu geben. Dafür sind die Trainer da. Ich weiß ja selber genau, wie es ist, wenn es nicht so geht. Grundsätzlich weiß jeder ganz genau, wie es geht, nur kann man die Dinge nicht umsetzen.
Eisenbichler: Natürlich ist es angenehmer, wenn der Teamkollege gut ist. Dann ist die Stimmung im Team, speziell bei den Trainern angenehmer. Dann ist alles beruhigt und man kann sich auf seine Sachen konzentrieren.

War damals auf Ihrem Zimmer wirklich alles wie normal?
Geiger: Ja, wir haben uns so verhalten, als wäre alles normal. Wir haben genauso geblödelt wie in den Jahren, als es bei beiden gut lief.

Wisla: Karl Geiger (l.) wurde Zweiter hinter Markus Eisenbichler.

Wisla: Karl Geiger (l.) wurde Zweiter hinter Markus Eisenbichler. imago images

Ist es für die Stimmung nicht angenehmer, wenn es mehrere potenzielle Siegspringer im Team gibt?
Eisenbichler: Klar, ich mag es, wenn mehrere gut springen, denn dann lastet auch der mediale Druck auf keinem einzelnen. Wenn ich heute mal verkacke, dann verkacke ich halt mal. Aber dann sind der Karl oder der Pius (Paschke) oder der Martin (Hamann) oder der Sevi (Severin Freund) oder sonst jemand da. Jeder von uns hat die Qualität vorne reinzuspringen.
Geiger: Es nimmt Druck und man ist nicht so sehr unter Zugzwang. Jeder kann in Ruhe seine eigenen Baustellen bearbeiten. Deswegen bin ich schon froh, dass es bei Eisei gut läuft. Aber generell gewinnt oder verliert man als Team zusammen.

Wie sehr leidet man, wenn's beim Zimmerkollegen mal nicht so läuft?
Eisenbichler: Natürlich leidet man mit. Wir sind da ähnlich.
Geiger: Ja, es beschäftigt einen.
Eisenbichler: Wir sind aber vom Typus her so, dass wir uns schnell aus der Situation wieder rauskämpfen.

Wären Sie zufrieden, wenn am Saisonende als Bilanz stehen würde: Markus hat den Gesamt-Weltcup gewonnen, Karl ist Vater geworden.
Geiger: Wenn er das Niveau so durchhält, dann hat er den Gesamt-Weltcup verdient und ich freue mich für ihn. Denn das ist ein besonderes Ziel.
Eisenbichler: Natürlich wäre ich mit dem Gewinn zufrieden. Dass Karl Vater geworden ist, darüber freue auch ich mich. Das ist ein Ereignis, das man nicht so oft in seinem Leben hat. Gesamt-Weltcupsieger könnte man öfter werden in seiner Karriere.
Geiger: Vater auch.
Eisenbichler: Wahrscheinlich ist das Vater werden schöner.

Das Gespräch führte Klaus-Eckhard Jost

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