Bundesliga

Endspiel gegen Fürth: Für Kohfeldt - und auch für Schmadtke?

Darum hält Wolfsburg nach 2 von 27 Punkten an seinem Trainer fest

Endspiel gegen Fürth: Für Kohfeldt - und auch für Schmadtke?

Endspiel vor der Brust: Wolfsburgs Geschäftsführer Jörg Schmadtke (im Hintergrund) und VfL-Trainer Florian Kohfeldt.

Endspiel vor der Brust: Wolfsburgs Geschäftsführer Jörg Schmadtke (im Hintergrund) und VfL-Trainer Florian Kohfeldt. imago images/Christian Schroedter

2 von 27. Diese Zahlen muss man sich, auch wenn es für diejenigen, die es mit dem VfL Wolfsburg halten, bitter schmeckt, auf der Zunge zergehen lassen. Aus den vergangenen neun Spielen in der Bundesliga holte die Mannschaft von Trainer Florian Kohfeldt genau 2 von möglichen 27 Punkten.

2 von 27 möglichen Punkten - und sogar ein paar gute Chancen gegen Hertha

Sieben Pleiten und zwei Remis. Zählbares gab es beim 2:2 (nach 0:2) bei Arminia Bielefeld und beim 0:0 gegen Hertha BSC. Ja, gegen jene Berliner erspielte sich der VfL sogar ein paar gute Chancen, nutzte sie aber nicht. Im Gegensatz zur Konkurrenz, die der Alten Dame weitaus deutlicher ihre sportlichen Grenzen aufzeigte. 1:3 gegen Köln, 2:3 im Pokal gegen Union, 1:4 gegen München. Hertha kriegt die Hucke voll und blieb bislang nur vom VfL verschont.

Spielersteckbrief Weghorst
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Kohfeldt

Kohfeldt Florian

Bundesliga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Bayern München Bayern München
49
2
Borussia Dortmund Borussia Dortmund
43
3
Bayer 04 Leverkusen Bayer 04 Leverkusen
35

50 Millionen Euro investiert und auf Augenhöhe mit Fürth

Womit das Hauptproblem benannt ist. Wolfsburg schießt einfach keine Tore. 17 sind's nach 20 Partien, Minuswert gemeinsam mit Aufsteiger Fürth. Ein im Sommer mit 50 Millionen Euro aufgemotzter Champions-League-Kader auf Augenhöhe mit dem abgeschlagenen Tabellenschlusslicht. Das nun in zwei Wochen zum Zünglein an der Waage werden könnte in Wolfsburg.

Am 6. Februar treten die Franken bei den Niedersachsen an. Was dem VfL zwingend Sorgen bereiten sollte: Aus den vergangenen sechs Partien holte die Mannschaft von Trainer Stefan Leitl neun Punkte und damit acht mehr als die Kohfeldt-Elf, verlor nur ein Spiel (0:3 in Dortmund). Dennoch ist der VfL-Coach überzeugt: "Wir werden das Spiel gewinnen."

Wir werden das Spiel gewinnen.

Florian Kohfeldt

Weitere Fehleinschätzungen? Dann droht der Abstieg

Was soll der Fußballlehrer auch anderes sagen? Er muss diesen Glauben vorleben, ansonsten wäre es schon längst wieder vorbei für ihn beim VfL, der dabei ist, seine fantastische Ausgangslage mit der Champions-League-Qualifikation im vergangenen Jahr komplett gegen die Wand zu fahren. Nichts funktioniert so wirklich in Wolfsburg, viele Fehlgriffe in wenigen Monaten von Jörg Schmadtke und Marcel Schäfer machen gerade die hervorragende Arbeit der drei Jahre zuvor zunichte. Kommen weitere Fehleninschätzungen hinzu, droht der Abstieg.

Fußball 1. Bundesliga Saison 2021 2022, 20. Spieltag, RB Leipzig vs. VfL Wolfsburg (23.01.202) 2:0 (0:0) Florian Kohfeldt (Trainer Wolfsburg) getikuliert am Spielfeldrand beim Spiel RB Leipzig gegen Wolfsburg (23.01.2022). Im Hintergrund ein Doping-Chaperon mit dem Leibchen Dopingkontrolle. Leipzig Sachsen Deutschland Red Bull Arena *** Fußball 1 Bundesliga Saison 2021 2022, 20 Spieltag, RB Leipzig vs VfL Wolfsburg 23 01 202 2 0 0 0 Florian Kohfeldt coach Wolfsburg gesticulates on the sidelines during the match RB Leipzig vs Wolfsburg 23 01 2022 In the background a doping chaperone with the shirt doping control Leipzig Saxony Germany Red Bull Arena

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Was also tun? Die Möglichkeit eines weiteren Trainerwechsels wird zumindest vor Fürth ausgeschlossen. Möglicherweise auch deshalb, weil der Trainermarkt kaum Namen bietet, die eine baldige Wende wahrscheinlicher machen als unter Kohfeldt. Lucien Favre? Niko Kovac? So manches Wolfsburger Herz schlägt höher, wenn Bruno Labbadia, der Retter von einst, ins Spiel gebracht wird.

Soll man einen dritten Trainer auf dieses Team loslassen?

Doch noch einen weiteren Trainer nach Mark van Bommel und Kohfeldt auf dieses Team loslassen, eine dritte Spielidee, eine dritte Ansprache? So richtig vielversprechend klingt das alles nicht, wenngleich der VfL am Ende nichts unversucht lassen darf, um sich zu retten. Alles anderes als ein Sieg gegen Fürth würde wohl dennoch zum Umdenken führen. "Florian macht auf mich nach wie vor einen stabilen Eindruck, ich sehe, wie er agiert", sagt Geschäftsführer Schmadtke am Montagmittag. "Nichtsdestotrotz wird alles, was man an Positivem mitnimmt, nicht unterfüttert mit Ergebnissen. Das ist die Realität."

Florian macht auf mich nach wie vor einen stabilen Eindruck, ich sehe, wie er agiert.

Jörg Schmadtke

Fürth als Endspiel - nicht nur für Kohfeldt?

Gegen Fürth helfen nur drei Punkte: Wolfsburgs Coach Florian Kohfeldt.

Gegen Fürth helfen nur drei Punkte: Wolfsburgs Coach Florian Kohfeldt. imago images/Picture Point LE

Was bedeutet: "Wir glauben, dass der Weg in die richtige Richtung zeigt. Nichtsdestotrotz müssen Ergebnisse her. Unser Vertrauen in den Trainer, den Trainerstab und die Mannschaft ist noch nicht gebrochen." Fürth, das weiß er, "hat für alle Beteiligten einen Endspielcharakter".

Auch für Schmadtke selbst? Sein Vertrag endet in fünf Monaten, die Verlängerung wurde bislang aufgeschoben, die Entwicklung in der sportlichen Krise spielt eine große Rolle. Und auch der Manager macht sich seine Gedanken. "Die Situation ist belastend, auch für mich. Sie spielt eine Rolle, ist aber nicht das alles Überwiegende."

Schmadtkes Vertrag: Entscheidung im Februar

Im Februar soll es eine Entscheidung in der Chef-Frage beim VfL geben. Ob ein Rücktritt für den Fall, dass Schmadtke noch einmal den Trainer wechseln müsste, in seiner Gedankenwelt eine Rolle spielt, schließt der Geschäftsführer nicht aus. "Diese Gleichung würde ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht aufmachen", antwortet der 57-Jährige. "Es kann sein, dass ich diese Frage zu einem späteren Zeitpunkt anders beantworten würde."

Alles hängt erst einmal an Fürth, wohlwissend, dass selbst ein Sieg noch längst nicht die Wende bedeuten würde. Kriegt Kohfeldt die Kurve? Der Glaube daran schwindet mit jeder weiteren Niederlage. Und doch hat der Trainer auch recht, wenn er wie am Sonntag wiederholt die kleinen Schritte erkennt. Desolat war es beim 0:2 in Leipzig keinesfalls. Den Willen konnte man der Mannschaft diesmal kaum absprechen, die für einen Abstiegskandidaten notwendige Aggressivität brachte sein Team aufs Feld.

Bilder zur Partie RB Leipzig - VfL Wolfsburg

Pech ja, aber mehr Unvermögen

Natürlich fehlt dann auch mal das Glück, wenn ein Ball wie der von Yannick Gerhardt vor der Pause nichts ins Tor geht. Vielmehr bleibt es aber Unvermögen, dass der VfL Woche für Woche auf den Platz bringt. Wenn Maximilian Philipp bei der spielentscheidenden Szene vor dem 0:1 den Weg mit Flankengeber Dani Olmo einfach nur halbherzig mitgeht, wenn John Anthony Brooks sich "auswackeln" lässt, wenn die Abwehr zuschaut, wie RB zweimal zum Abschluss kommt. Augenblicke, die allen Aufwand, den vor allem Kohfeldt betreibt, um die lahmgewordene Mannschaft wieder ins Laufen zu bringen, zunichte machen.

Ein Beispiel für den Qualitätsverfall: Keine Anfragen für Weghorst

Wout Weghorst

Nicht in Form: Wolfsburgs Stürmer Wout Weghorst. imago images/Jan Huebner

Schmadtke und Sportdirektor Schäfer müssen in verantwortlicher Position den Schlüssel zur Wende finden. Sind es Transfers in dieser letzten Woche dieser Wechselperiode? Der VfL bemüht sich um Verstärkungen, Konkretes hat der Manager am Montag noch nicht zu liefern. Außer, dass am amerikanischen Talent Kevin Paredes (18, D.C. United), der die linke Seite bekleiden kann, Interesse besteht. Eine Soforthilfe im Abstiegskampf wäre der Teenager aber kaum. Anfragen für eigene Spieler, sagt Schmadtke, gebe es nicht. Was auch den erfahrenen Boss vor allem im Fall Wout Weghorst überrascht. Seit dem vergangenen Sommer wünscht sich der Niederländer den Abschied aus Wolfsburg, den Weg hinaus findet er aber mangels Interessenten bislang nicht. Obwohl der VfL durchaus gesprächsbereit sein soll.

Nur Fürth zählt - auch wenn das ein Risiko birgt

Im Kern müssen es ohnehin die Spieler richten, die nun da sind. Es bleiben zwei Wochen, in denen Kohfeldt das Team auf Fürth einstellen soll. Zwei Wochen, die entscheidend sein könnten für den Wolfsburger Saisonausgang. Die Patrone des erneuten Trainerwechsels hält Schmadtke noch zurück. Zweifelsohne ein Risiko, sollte es nach der Unterbrechung nicht besser werden. "Ich kann mich nicht vom Spielplan leiten lassen", betont der Geschäftsführer, der weiß, dass die Thematik der verpassten Gelegenheit im Falle des erneuten Misserfolgs kommen würde. "Ich bin lange genug dabei, um zu wissen, was passieren wird, wenn der Fall eintreten würde, dass man sich noch mal umorientiert." Es ist nicht ausgeschlossen, dass er dann auch selbst seinen Abschied verkünden würde.

Thomas Hiete

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