Bundesliga

Eintracht statt Lazio: Wie Krösche und Glasner jetzt mit Kostic planen

Frankfurt: Märchenstunde in Italien - Younes vor ungewisser Zukunft

Eintracht statt Lazio: Wie Krösche und Glasner jetzt mit Kostic planen

Eintracht-Coach Oliver Glasner hält Filip Kostic die Tür auf.

Eintracht-Coach Oliver Glasner hält Filip Kostic die Tür auf. imago images/Laci Perenyi

Am Mittwoch führte der geplatzte Kostic-Wechsel zu einer Märchenstunde in Italien. Dort wurde medial plötzlich verbreitet, die Eintracht habe Lazio Rom absichtlich eine falsche E-Mail-Adresse genannt, um dem Spieler versichern zu können, dass kein Angebot vorliege. Was sich schon reichlich absurd anhört, ist auch in der Realität eine freie Erfindung. Wahr ist, dass es bei der Übermittlung des Angebots am vergangenen Freitag tatsächlich Probleme gab. Zunächst ging die Mail wegen Serverproblemen der Römer nicht raus, am frühen Abend erreichte Krösche das Angebot dann schließlich über einen privaten (!) E-Mail-Account der Römer. Die gebotenen zehn Millionen Euro stellten ein fast schon despektierliches Angebot dar, das die Eintracht verständlicherweise nicht akzeptierte. Da Lazio nicht mehr nachbesserte, muss Kostic mindestens bis zur nächsten Transferperiode in Frankfurt bleiben.

Krösche kann auch den Spieler verstehen: Vertrag in Rom sei "deutlich höher dotiert" gewesen

Nun gilt es für beide Seiten, das Beste aus der Situation zu machen. Krösche und Glasner planen, Kostic wieder in den Kreis der Mannschaft aufzunehmen, sobald dieser von der serbischen Nationalmannschaft zurückkehrt. "Ich glaube, dass Filip in der ganzen Situation ein bisschen überreagiert und sich nicht optimal verhalten hat. Diese Dinge werden wir mit ihm aufarbeiten. Bei der Nationalmannschaft hat er Zeit, auf andere Gedanken zu kommen. Wenn er zurückkommt, werden wir uns zusammensetzen und einen Weg finden, wie wir gemeinsam wieder die Saison angehen und unsere Ziele erreichen werden", kündigt Krösche an. Er versuche, auch die Lage des Spielers zu verstehen. Der angebotene Vertrag in Rom sei "deutlich höher dotiert" gewesen. Eine Rechtfertigung für den Streik ist das gleichwohl nicht, zumal sich der 28-Jährige auch in Frankfurt drei Mahlzeiten am Tag leisten kann. Glasner gibt zu bedenken: "Kylian Mbappé hat am Wochenende für Paris zwei Tore geschossen und offenbar auch mit Real Madrid verhandelt. Die ließen ihn trotz eines 200-Millionen-Euro-Angebots nicht gehen, von daher gab und gibt es diese Situation bei jedem Klub auf der Welt." Auch Eintracht-Neuzugang Kristijan Jakic stand am Sonntag noch für Dinamo Zagreb auf dem Feld und steuerte einen Treffer zum 2:0-Sieg in Osijek bei. Nach einer kurzen Nacht unterschrieb er am Montag in Frankfurt.

Spielersteckbrief Younes
Younes

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Spielersteckbrief Kostic
Kostic

Kostic Filip

Klar ist, dass Kostic nach seiner Rückkehr eine Strafe erwartet. "Sicherlich werden wir über Sanktionen sprechen müssen, weil das ein Fehlverhalten des Spielers war - auch wenn das in einer Sondersituation war", sagt Krösche, betont aber: "Filip ist ein sehr guter Charakter und auch wirklich ein guter Typ, der sehr viel für die Eintracht geleistet hat." Für Glasner spielt die Frage nach der Bestrafung eine untergeordnete Rolle. Der Coach führt aus: "Sagen wir mal, du bist in einer Beziehung und es kommt zu einem Seitensprung. Und dann sagt der Mann: Okay, ich zahle jetzt eine Geldstrafe, und alles ist wieder gut." Das funktioniert logischerweise nicht, Glasner erklärt weiter: "Das will man dann ja oft hören: Der hat aber eins auf die Mütze bekommen und muss jetzt richtig blechen." Eine oberflächliche Betrachtungsweise. "Nicht die Geldstrafe ist wichtig, sondern das Gespräch", betont der Trainer. Es gehe darum, "das auszuräumen und gegenseitig Vertrauen zu haben". Auch aus der Mannschaft heraus gebe es positive Signale. "Filip hat eine Chance verdient, wir machen ihm die Tür auf und klären das in einem Gespräch. Dann muss das aber auch erledigt sein", sagt Glasner. Abzuwarten bleibt allerdings, ob Kostic sein Fehlverhalten überhaupt einsieht. Bisher gab es zum Spieler keinen direkten Kontakt. Aus Krösches und Glasners Worten klingt aber jede Menge Zuversicht. "Alle Menschen machen Fehler, auch ich mache jeden Tag Fehler. Wenn man mit Menschen arbeitet, muss man manchmal eine gewisse Fehlertoleranz haben", meint der Sportvorstand.

Younes gilt inzwischen als rotes Tuch

Ob Amin Younes ebenfalls auf Verständnis hoffen darf, steht indes in den Sternen. Auf Nachfrage wollten sich Krösche und Glasner nicht zu dieser Personalie äußern. Der Mittelfeldspieler verspielte nicht nur bei vielen Fans, sondern auch intern seine Beliebtheit und gilt inzwischen als rotes Tuch. Dass er für die Eintracht noch einmal in einem Pflichtspiel auf dem Feld stehen wird, erscheint höchst ungewiss.

Festzuhalten bleibt: Krösche hat während seiner kurzen Zeit in Frankfurt bereits klar an Profil gewonnen, und das nicht nur, indem er einen perspektivisch spannenden Kader formte. Erst wies er Younes in die Schranken, als dieser in einem Anflug von Selbstüberschätzung eine deutliche Gehaltserhöhung forderte. Und auch bei Kostic blieb er hart, ließ sich von dem Spieler, dessen Berater Fali Ramadani und Lazio Rom nicht an der Nase herumführen. Das dürfte in der Branche sehr genau registriert werden. Der nächste wechselwillige Spieler wird sich dreimal überlegen, ob er einen Streik anzettelt.

Julian Franzke

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