Bundesliga

Einigkeit zwischen van Bommel und Streich: "Die Kirche mal im Dorf lassen"

Nächste VfL-Niederlage: Pfiffe und Trainer-Kritik von den Rängen

Einigkeit zwischen van Bommel und Streich: "Die Kirche mal im Dorf lassen"

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"Ja, Moment…", meldete sich Christian Streich, zwar ungefragt, doch noch mal zu Wort. Der Trainer des SC Freiburg hatte sich eigentlich bereits in seinen Sitz auf dem Podium des Presseraums in der Volkswagenarena fallen lassen, nachdem er die Gründe für die aktuelle Erfolgsgeschichte seiner Mannschaft, inklusive des 2:0-Auswärtssiegs in Wolfsburg, erläutert hatte. Doch nun drückte er sich noch mal hoch von der Rückenlehne, zog das auf ihn gerichtete Mikrofon heran: "Ich muss jetzt mal was sagen."

Streich relativiert Rufe gegen van Bommel

Das aufgekommene Thema betraf zwar nicht Streich direkt, doch war es wiederum auch nicht das erste Mal, dass der dienstälteste Trainer der Bundesliga sich für seine Zunft - und in dem Fall VfL-Trainerkollege Mark van Bommel - stark machte. Der Niederländer war auf der Pressekonferenz zunächst mit den Pfiffen der Anhänger und anschließend auch mit einigen "van Bommel raus"-Sprechchören aus der Fankurve konfrontiert worden, die im Anschluss an die vierte Bundesliga-Niederlage in Folge durchaus zu vernehmen waren.

Van Bommel hatte davon nach eigener Aussage nichts mitbekommen: "Das ist das erste Mal, dass ich das höre." Nun schaltete sich also Streich ein: "Wenn 10.200 Leute im Stadion sind, und es ist nach dem Spiel ruhig, weil die Enttäuschung da ist und es rufen vier oder fünf Leute laut irgendeinen Namen - dann sind das keine Rufe. Dann ist das ein Ruf von irgendjemandem." Der Freiburger Coach betonte, dass er ebenfalls nichts gehört habe, und sowieso: "Man muss die Kirche mal im Dorf lassen." Nächste Frage. Doch van Bommel griff das Thema dann noch mal auf: "Ich bin froh, dass du es sagst, Christian, dass man die Kirche auch mal im Dorf lassen sollte." Mehr gäbe es dazu nicht zu sagen.

Dass es sich bei den Rufen jedoch eher nicht nur um fünf Leute handelte, hing natürlich mit der Wolfsburger Negativserie zusammen, die nun weiter anhält. Als vor etwa neun Jahren letztmals vier Spiele in Folge verloren wurden, erfolgte die Entlassung von Trainer Felix Magath. Acht Partien (drei Unentschieden) ist der VfL ohne Sieg. Bei der nach dem 4. Spieltag - seinerzeit noch als Bundesliga-Tabellenführer - eingesetzten Talfahrt, ist ein weiterer Tiefpunkt erreicht.

"Wenn man Scheiße am Schuh hat ..."

Dabei hätte es dazu nicht mal unbedingt kommen müssen. Die Wolfsburger wiesen bei einem Großteil der Statistiken die eigentlich besseren Werte auf: Torschüsse, Ballbesitz, gewonnene Zweikämpfe, Passquote, Flanken, Ecken. Zudem befand selbst Freiburg-Coach Streich, dass der Sportclub "das nötige Glück", "das Momentum" auf seiner Seite hatte: "Wir machen das 1:0 im richtigen Moment und das 2:0, als Wolfsburg viel Druck gemacht hat." Van Bommel nahm die Vorlage auf, schloss sich den Erklärungen an, kam für seine Mannschaft aber eben zu einem anderen Fazit: "Wenn man Scheiße am Schuh hat, hat man Scheiße am Schuh."

Nur: Trotz einiger Torchancen, die vor allem Lukas Nmecha zu verantworten hatte, etwa bei seinem Lattentreffer (35.), fehlte an diesem Nachmittag einmal mehr Essentielles. War es Überzeugung? War es Konzentration (schon wieder kassierte der VfL ein Standardgegentor)? War es Wille? Wahrscheinlich von allem ein bisschen, mindestens. Nicht umsonst hatte es ja noch eine weitere Begleiterscheinung durch die Fans gegeben, als diese zwischenzeitlich ein verzweifeltes "Wir wollen euch kämpfen sehen" intonierten.

Völlig normal sei diese Unzufriedenheit der Fans, sagte van Bommel noch, wohl auch in Erinnerung an seine eigenen vier Stationen als aktiver Profi: "Das habe ich noch nie irgendwo anders erlebt." Kann er diesen enormen Erfahrungsschatz nutzen, um eine Wende herbeizuführen? Der VfL-Coach bleibt jedenfalls bei seiner Maßgabe der vergangenen Wochen: genauso weiterzuarbeiten. "Wenn man komische Sachen macht", so van Bommel, sei man noch abhängiger vom Glück - und das fehle seiner Mannschaft in der aktuellen Phase ja ohnehin schon.

Tim Lüddecke

Bilder zur Partie VfL Wolfsburg - SC Freiburg