FIFA

"Wir skripten FIFA-Spiele nicht" sagt EA

Debatte um Spieleingriffe aufgefrischt

Eingriff in den FIFA-Spielablauf? - "Wir skripten Spiele nicht", sagt EA

Eigentlich hätte Manuel Neuer hier mit dem Ball ins Tor fallen sollen - letzterer hat jedoch andere Pläne.

Eigentlich hätte Manuel Neuer hier mit dem Ball ins Tor fallen sollen - letzterer hat jedoch andere Pläne. Reddit/reclining_buddah

EA SPORTS wird immer wieder vorgeworfen, eine Art "Momentum" innerhalb der FIFA-Reihe zu kreieren. Wenn sich auf dem Platz unnatürliche Szenen ereignen oder Gegner plötzlich stärker wirken, werden Rufe nach einem Skript laut.

Bereits 2016 reichte EA tatsächlich ein System ein, das Daten von Spielenden analysiert und in Echtzeit in den Spielablauf eingreifen und Änderungen vornehmen kann.  "Dynamic difficulty adjustment" nennt das der Publisher - also eine sogenannte dynamische Schwierigkeitsanpassung, die 2018 als Patent in den USA genehmigt wurde.

Durch die Lappen gegangen

2020 gab es eine Sammelklage gegen EA, die dem Entwickler vorwarf, das System zu missbrauchen, um Spielende zu mehr In-Game-Käufen zu bewegen. In der Folge konnte das Unternehmen beweisen, dass weder das patentierte System, noch eine andere Art des Skiptens genutzt werde - die Klage wurde zurückgenommen.

eSport #16: EA SPORTS FC: Kann EA's Fußballspiel auch ohne die FIFA?
19. Mai 202201:39:36 Stunden

eSport #16: EA SPORTS FC: Kann EA's Fußballspiel auch ohne die FIFA?

Was lange spekuliert wurde, ist seit letzter Woche offiziell: FIFA wird vom Weltverband selbst entwickelt, EA's Spiel heißt künftig EA SPORTS FC. Kann das gut gehen? Diesen und weiteren Fragen geht der Jan Bergmann im kicker eSport Talk auf den Grund. Unsere Gäste: Michael Bittner (SV Werder Bremen eSports), Marvin Hintz (Ex-eSportler von Bayer 04 Leverkusen und Mitgründer von Academy of eSports) und Patrick Baur von doppelpass.digital.

Doch die Stimmen werden auch nach der Aufklärung seitens EA SPORTS nicht leiser. In den vergangenen Wochen kursierte beispielsweise ein Video in den sozialen Medien, das eine sehr unglückliche Torwartanimation von Manuel Neuer zeigte.

Der Ball wurde zunächst gehalten, Neuer rollt sich jedoch nach hinten in das Tor ab. Der Ball rutscht ihm durch die Hände und wird auch ohne Zutun des deutschen Nationaltorhüters krampfhaft vor der Linie gehalten. Der physikalische Verlauf hätte eigentlich mit Torhüter und Ball im Tor enden müssen. Einige User sahen hier den Fall des Eingreifens in das Spiel bestätigt.

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Ob Tor oder nicht entscheidet das Spiel

"Wir skripten Spiele nicht. Wir versuchen das Spiel so gut wie möglich nach Fußball aussehen zu lassen", sagte Kantcho Doskov, Gameplay-Design-Director bei EA SPORTS im Gespräch mit kicker eSport:

"All die unterschiedlichen Systeme wie Passen, Schießen, Dribbeln und Verteidigen, versuchen wir an den realen Fußball anzupassen und hoffen, dass ein emergentes Verhalten entsteht, also Dinge passieren, die tatsächlich nach Fußball aussehen."

Die unglückliche Einlage des oben genannten Torhüters ist daher tatsächlich eher auf die Funktionsweisen eines Videospiels zurückzuführen. Anders als im realen Fußball muss das Videospiel an einem Punkt entscheiden, ob ein Tor gefallen ist oder nicht und eine passende Animation aus dem Hut zaubern. Das geht in vielen Fällen gut, in seltenen Fällen findet es keine und hält den Ball irgendwie vor der Linie. Ein sogenannter Glitch, in dem das Spiel keine passende Antwort auf die eingegebene Frage findet und die bestmögliche Alternative präsentiert.

FIFA - "immer noch etwas Neues" zu bieten

Oder wie es Doskov in unserem Gespräch so schön formuliert: " Am Ende des Tages ist es die Vielfalt, die dir nach hunderten von Partien immer noch etwas Neues präsentiert."

Tatsächlich greifen Spiele seit Jahren in Schwierigkeitsgrade ein, um Spielenden das Erlebnis entweder zu erleichtern oder die Herausforderung anzuheben. Der Spielspaß soll so angehoben, Frustration in beide Richtungen vermieden werden. Die Crash-Bandicoot-Reihe registriert beispielsweise die Misserfolge der Spielenden und verlangsamt in der Folge die Geschwindigkeit von Objekten.

Auch die FIFA-Reihe verwendet in der allerersten Partie eines jeden Titels ein Analyse-Werkzeug, um einen Schwierigkeitsgrad für jeden Spielenden individuell für den Start in das neue FIFA-Jahr vorzuschlagen.

Lässt HyperMotion 2 die Stimmen verstummen?

Im Karrieremodus von FIFA 23 soll die KI auf Spielsituationen besser reagieren können, tätigt Auswechslungen und passt das Spielsystem an. Diese Möglichkeiten bringen vor allem Realismus, Variation und Herausforderung ins Spiel. Doch abseits dessen, im kompetitiven Spiel, gibt der Gameplay-Design-Director noch einmal zu verstehen: "Wir greifen da nicht ein. Warum sollten wir den Schwierigkeitsgrad verändern? Das ist nicht das, was wir wollen."

Dass Patente angemeldet, letztendlich aber nicht genutzt werden, ist in der ideenreichen Games-Branche ein gängiges Modell. Die Entwicklung von neuen Konzepten gehört zum Arbeitsalltag in der Spieleentwicklung. Einige liegen daher ungenutzt in den Schubladen, da sie Risiken erzeugen oder die Entwickler keinen Weg finden, das System sinnvoll zu integrieren.

Durch HyperMotion 2 sollen Animationen in FIFA 23 noch authentischer werden. Knapp zehn Millionen Daten wurden aus realen Fußballpartien gewonnen, ein Algorithmus schreibt in Echtzeit an neuen Bewegungsabläufen. Das FIFA 23 Jahr wird zeigen, ob solch kuriose Szenen durch den neuen technischen Standard weiter minimiert werden.

Benja Hiller

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FIFA 23 - Tiefer Einblick ins Gameplay

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