Bundesliga

Eintracht-Vorstand Axel Hellmann: "Zuschauer-Ausschluss halte ich für juristisch angreifbar"

Eintracht-Vorstand Axel Hellmann sorgt sich um den Profisport

"Einen Zuschauer-Ausschluss halte ich für juristisch angreifbar"

War zu Gast beim kicker und sprach viel über den Sport in zeiten von Corona: Eintracht-Vorstand Axel Hellmann.

War zu Gast beim kicker und sprach viel über den Sport in zeiten von Corona: Eintracht-Vorstand Axel Hellmann. imago images

Als die Eintracht am 1. Spieltag Arminia Bielefeld empfing, durften 6500 Zuschauer kommen. Zwei Wochen später waren gegen Hoffenheim bereits 8000 Fans zugelassen. Es waren kleine, sorgfältig geplante Schritte auf dem Weg zu einer neuen Normalität. Und auch wenn mehr als jeder fünfte Platz freibleiben musste, herrschte nach tristen Monaten voller Geisterspiele zumindest ansatzweise wieder so etwas wie Stadionatmosphäre. Damit ist es nach dem erneut beschlossenen Lockdown vorerst vorbei.

Mindestens bis Dezember dürfen bundesweit keine Fans in die Stadien. Hellmann sieht diese politische Entscheidung kritisch. "Durch das Feedback des Gesundheitsamts, des Gesundheitsdezernenten und der Uniklinik Frankfurt wissen wir, dass es nicht einen nachvollzogenen Infektionsfall bei unseren Besuchern gegeben hat. Vom Stadionbesuch in der jetzigen Form geht also keine über das allgemeine Risiko hinausgehende Gefahr aus. Das richtig zu bewerten ist die Aufgabe von Politik und Verwaltung", erläutert der 49-Jährige. Er mahnt: "Vom Fußball losgelöst halte ich es für wichtig, dass zielgerichtet gegengesteuert und nicht unter dem Ansatz 'Signale zu setzen' eine falsche Symbolpolitik betrieben wird. Seit Monaten wissen wir erwiesenermaßen, wo tatsächlich die Treiber der Pandemie sind. Also private Partys, teils in Räumen, die du nicht mit Hygienekonzepten durchdringen kannst und die keine Nachvollziehbarkeit zulassen."

Axel Hellmann

Axel Hellmann in den Räumen der kicker-Zentrale in Nürnberg. kicker

Allein das in den Sommermonaten erarbeitete Hygienekonzept der Eintracht umfasst 33 Seiten und regelt den Stadionbesuch von A bis Z. Auch deshalb fordert Hellmann: "Was wir viel stärker in den Mittelpunkt rücken müssten seitens Politik und Verwaltung: diejenigen zu stärken, die im Rahmen von guten Konzepten das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben am Laufen halten. Und dort einzuschreiten, wo die wirklichen Probleme herrschen." Man könne nicht warten, "bis uns ein Impfstoff in eineinhalb oder zwei Jahren wieder volle Stadien erlaubt. Wir müssen jetzt einen Umgang finden mit der Situation bei vertretbarem Risiko".

In Frankfurt seien in Zeiten der Pandemie bis zu 17.000 Zuschauer möglich. Den vollständigen Ausschluss der Fans hinterfragt Jurist Hellmann auch rechtlich: "Ein kompletter Zuschauer-Ausschluss stellt einen so starken Eingriff in die Rechte dar, dass ich das für nicht verhältnismäßig und für juristisch angreifbar halte. Vor allem, wenn man sich die eher dünnen Rechts- und Entscheidungsgrundlagen, auf denen das jeweils fußt, vor Augen hält."

Wir können nicht warten, bis uns ein Impfstoff in eineinhalb oder zwei Jahren wieder volle Stadien erlaubt. Wir müssen jetzt einen Umgang finden mit der Situation bei vertretbarem Risiko.

Axel Hellmann

Den Fußball sieht der Vorstand inzwischen mit "existenziellen Fragen" konfrontiert, einher geht die Mahnung: "Uns fehlen die Zuschauer, und die Medienausschüttungen sind geringer als geplant. Wenn der Spielbetrieb noch ausfallen sollte und uns damit die bestehenden Medienerlöse wegbrechen sollten, dann wird es für alle im Profifußball zum Überlebenskampf."

Julian Franzke

Was Hellmann darüber hinaus über das Thema Zuschauer in den Stadien denkt, ob er eine Entfremdung der Fans wahrnimmt, welche wirtschaftlichen Auswirkungen die Corona-Krise konkret auf Eintracht Frankfurt hat und wie aus Sicht des Eintracht-Vorstands künftig das Fernsehgeld verteilt werden sollte, lesen Sie im großen Interview in der Montagsausgabe des kicker oder ab Sonntagabend im eMagazine.

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