NFL

"Ehre und Freude": Roethlisberger und der Steelers-Abschied

Zweimaliger Super-Bowl-Sieger hört aller Voraussicht nach auf

"Eine Ehre und eine Freude": Roethlisberger und der Steelers-Abschied

Geht mit zwei Super-Bowl-Ringen: Ben Roethlisberger.

Geht mit zwei Super-Bowl-Ringen: Ben Roethlisberger. imago images/ZUMA Wire

Im Grunde wusste Ben Roethlisberger schon vor der Reise nach Kansas City, wie seine Karriere in der NFL nach 18 Jahren - alle im Dress seiner Pittsburgh Steelers - enden würde. "Wir haben keine Chance", hatte der 39-jährige Oldie vor dem Play-off-Duell mit den Kansas City Chiefs gesagt. Er hatte noch gemeint, das sei sarkastisch und noch ein "also lasst uns da einfach hinfahren und Spaß haben" hinzugefügt.

Und diesen gönnten die Chiefs ihm und "Steel City" am Ende noch etwas: Denn während der Außenseiter sogar mit 7:0 in Führung gegangen war, brachte die Offense um "Big Ben" über weite Strecken nichts zusammen. Patrick Mahomes & Co., die immer mehr heiß liefen, enteilten so zügig auf 35:7. Roethlisberger selbst durfte aber letztlich noch einen 13-Yard-Touchdown-Pass auf Diontae Johnson sowie einen für 15 Yards auf James Washington werfen, um sich so anständig von seiner NFL-Karriere verabschieden zu können. Mit Ablauf der Uhr brachte der Oldie sogar noch einen Pass zentral im Feld an, auch hier gab es also noch ein kleines Erfolgserlebnis.

Roethlisbergers Karriere endete aber dennoch mit einer krachenden Niederlage. Dass er in der kommenden Saison nicht mehr spielt, daran zweifelt niemand mehr. Auch er selbst nicht, dazu waren die Signale zuletzt zu eindeutig - auch wenn die offizielle Bekanntgabe noch aussteht. "Er war einfach die Nummer 7. Es war eine Ehre und eine Freude", sagte direkt nach Spielschluss sein langjähriger und auch noch aktueller Steelers-Trainer Mike Tomlin (seit 2007 im Amt). Der Altmeister selbst teilte mit: "Es war mir eine Ehre, auch in dieser Saison für die Jungs und dieses Franchise zu spielen. Es sollte einfach immer so sein, dass ich in Schwarz und Gold spiele. Ich bin einfach stolz."

Über 64.000 Yards

Von Kansas Citys Quarterback Patrick Mahomes, dessen Trainer Andy Reid und weiteren Leuten aus den Reihen der Chiefs gab es entsprechende Gesten nach dem letzten Pass. "Ich habe ihm einfach gesagt, wie viel Respekt ich vor ihm habe. Ich bin aufgewachsen damit, ihm zuzuschauen", sagte Mahomes nach der obligatorischen Umarmung der beiden Spielmacher nach Spielende. "Er kämpft bis zum Ende - und das hat er auch diese Saison über getan."

Sportlich ist das Ende in jedem Fall nachvollziehbar: "Big Ben" kam auf letztlich nur auf 215 Yards und zwei Touchdowns. Und trotzdem werden ihn die Leute in Pittsburgh vermissen - allen voran die erfolgreichen Zeiten mit Play-off-Teilnahmen, seinen erreichten 64.088 Yards und 418 Touchdowns (211 Interceptions).

Einen wie Roethlisberger gibt es in der NFL vielleicht nicht noch einmal. Der 1,96 Meter große Kerl mit Vollbart, der am 2. März seinen 40. Geburtstag nun aller Wahrscheinlichkeit nach als Footballer im Ruhestand feiern wird, sieht aus und bewegt sich inzwischen wie ein Bär - und hat seine ganze Karriere über auch so furchtlos gespielt wie ein Grizzly. Verteidiger nur noch Zentimeter entfernt? Ein Zusammenstoß unausweichlich? Roethlisberger behielt den Ball stets so lange wie notwendig, um doch noch eine Lösung zu finden in kniffligen Situationen. Und er nahm dabei wenig Rücksicht auf seine eigene Gesundheit. Mit Trainern gab es deswegen auch mal Streit.

Zwei Super-Bowl-Titel

Der US-Sportriese "ESPN" würdigte "Big Ben" zuletzt mit einem ausführlichen Porträt - und beschrieb noch einmal jene Szene, die die Mehrheit der Football-Fans vor Augen hat: jenen Pass im Super Bowl XLIII am 1. Februar 2009, als er seinen Mitspieler Santonio Holmes in der hintersten Ecke der Endzone fand und durch den Touchdown den zweiten Titel mit den Steelers ermöglichte. Seither allerdings warten die Fans in Pittsburgh auf eine Rückkehr ins Finale. Auch deswegen wurde Roethlisberger doch nicht zu dem Quarterback, der es mit Tom Brady und den New England Patriots aufnehmen kann. Zwei Ringe sind aber aller Ehren wert - auch wenn es Schattenseiten gibt: Ihm ist in der Vergangenheit vorgeworfen worden, Frauen vergewaltigt zu haben: 2008 in einem Hotel in Nevada und zwei Jahre später in einem Night Club in Georgia. Im ersten Fall einigte sich Roethlisberger außergerichtlich mit der Klägerin, im zweiten Fall wurde keine Anklage erhoben.

Weitere negative Berichte in den folgenden Jahren über erneute Missbrauchsvorwürfe (2010), die er selbst bestritten hat, oder seine laut "Sports Illustrated" arrogante Einstellung sowie Art gegenüber vielen Menschen sollen ihn letztlich aber zu einem anderen Menschen gemacht haben. Er arbeitete an einem Imagewechsel, heiratete, bekam Kinder und sprach plötzlich öffentlich über seinen religiösen Glauben. Sportlich war "Big Ben" in den Jahren aber auch aufgrund von Verletzungen längst nicht mehr der alte - Abschied 2022 inklusive.

mag/dpa

"Big Ben" Roethlisberger: Pittsburghs bulliger Leader für ganze 18 Jahre