Amateure

Ungleichbehandlung sorgt in Baden-Württemberg weiter für Unmut

Oberliga Baden-Württemberg

"Ein Unding": Ungleichbehandlung sorgt in Baden-Württemberg weiter für Unmut

Die einen freuen sich, die anderen schauen in die Röhre: Doch anders als hier beim Duell gegen Dorfmerkingen bleibt dem Göppinger SV (weiß) derzeit nur die Rolle des Zuschauers. Denn auf den Trainingsplatz darf man - anders als die Konkurrenz aus Freiberg und Stuttgart - nicht.

Die einen freuen sich, die anderen schauen in die Röhre: Doch anders als hier beim Duell gegen Dorfmerkingen bleibt dem Göppinger SV (weiß) derzeit nur die Rolle des Zuschauers. Denn auf den Trainingsplatz darf man - anders als die Konkurrenz aus Freiberg und Stuttgart - nicht. imago images / Eibner

Sowohl die Stuttgarter Kickers als auch der SGV Freiberg haben sich bei der jeweiligen Kommune eine Ausnahmegenehmigung beschafft und dürfen das Training im "Lockdown-light"-November wieder aufnehmen. "Profimannschaften dürfen laut der Coronaverordnung des Landes weiter unter der Einhaltung von Hygieneregeln trainieren, wenn die Sportlerinnen und Sportler überwiegend ihren Lebensunterhalt damit verdienen", begründete etwa die Stadt Stuttgart ihre Entscheidung.

Während also der Erst- und Zweitplatzierte der aktuellen Oberliga-Staffel zurück auf den Platz können, schaut der derzeitige Drittplatzierte, der 1. Göppinger SV, in die Röhre. Sein Antrag auf eine Sondergenehmigung wurde von der Stadt abgelehnt, da der nötige "Profi-Status" der Spieler des GSV nicht ersichtlich sei. Der Verband kann dagegen nicht viel tun: Es sei Sache der örtlichen Behörden, darüber zu entscheiden, ob eine Mannschaft dem Profisport zugerechnet werde oder nicht, so Verbands-Pressesprecher Heiner Baumeister.

"Fair Play und Solidarität bleiben auf der Strecke"

Nach und nach erheben sich mehr Stimmen aus der Liga gegen die aktuellen Ungleichbehandlungen: Deutlich etwa wurde Marc Erdmann, Vorstandsmitglied der TSG Backnang (12.): "Egal, ob dies die Politik und Behörden oder der Verband möglich machen: Für mich ist es ein Unding, dass es solche Schlupflöcher überhaupt gibt. Wie sollen wir solche Dinge unseren Kindern und Jugendlichen in den Vereinen erklären, denen wir sagen, dass sie derzeit nicht kicken dürfen?" Gesundheitliche Aspekte und die gesellschaftliche Verantwortung sollten besonders in dieser schweren Zeit über allem stehen, so Erdmann, "stattdessen aber bleiben Fair Play und Solidarität derzeit auf der Strecke."

Zuvor fanden bereits Karsten Amann, Vorsitzender des SSV Reutlingen ("das ist nicht die richtige Botschaft, die der Sport in der jetzigen Phase senden sollte") sowie Oliver Hennemann, Sport-Vorstand des 1. FC Rielasingen-Arlen ("klarer Fall von Wettbewerbsverzerrung") deutliche Worte. Dirk Steidl, Vorstand und Gesamt-Geschäftsführer des FC Nöttingen, sieht im Pforzheimer Kurier sogar Auswirkungen auf eine mögliche Wiederaufnahme des Spielbetriebs: "Mit der Entscheidung ist meiner Ansicht nach ein Start im Dezember ad acta gelegt. Das kann sich kein Verband erlauben."

Doch ohnehin gilt es abzuwarten, wie es weitergeht - nicht nur in der Oberliga Baden Württemberg. In Südbaden etwa hat man sich bereits in die Winterpause verabschiedet, die Verbände in Nordbaden und Württemberg haben jüngst kommuniziert, das Bund-Länder-Treffen am vergangenen Montag abwarten zu wollen. Doch die Signale aus der Politik lassen nicht auf eine schnelle Wiederaufnahme des Spielbetriebs hoffen, obwohl sich das eine Mehrheit der Teams angesichts einer 42 Spieltage umfassenden Saison wünscht. Vorerst also rollt noch bis einschließlich 30. November kein Ball - zumindest auf 19 von 21 Sportplätzen der Liga.

jam