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ManCitys 4:3 gegen Real Madrid: Ein Spiel zum Vergessen

Zu ManCitys 4:3-Spektakel gegen Real Madrid

Ein Spiel zum Vergessen

Was war noch mal eine "Abtastphase"? Phil Foden (re.) in Aktion.

Was war noch mal eine "Abtastphase"? Phil Foden (re.) in Aktion. Getty Images

Für einen Moment vergaß Mario Gomez, warum er da eigentlich am Spielfeldrand stand mit einem Mikrofon in der Hand. Eigentlich sollte er für "Prime Video" Manchester Citys Sieg gegen Real Madrid im Hinspiel des Champions-League-Halbfinals analysieren, doch stattdessen blickte er plötzlich glückselig in die Kamera und bedankte sich erst einmal ausgiebig dafür, dass er an diesem Dienstagabend dabei sein durfte.

Das heißt: Ein ehemaliger Nationalspieler, der selbst dreimal in einem Champions-League-Finale stand, benahm sich, als hätte er zufällig ein Ticket für dieses Spiel gewonnen. Irgendwie war das unprofessionell, irgendwie aber auch die angemessenste aller Reaktionen.

Was ManCity und Real Madrid gerade veranstaltet hatten, war nichts weniger als ein Fest, ein Fest des Fußballs und nichts als des Fußballs. Die offizielle Verbannung der "Abtastphase" aus dem Fußballwortschatz. Ohne Angst, ohne Rücksicht auf Verluste schienen alle einfach draufloszuspielen und alles ausleben zu wollen, wozu sie in diesem Sport fähig sind.

Guardiola, Ancelotti, der Schiedsrichter: Alle ließen sie machen

Phil Foden zeigte, dass er Bälle aus der Luft annehmen kann "wie ein Mann, der den Mond vom Himmel beschwört" ("Guardian"), und dass er sogar beim Jubelnd-auf-den-Knien-rutschen besondere Fähigkeiten hat. Vinicius Junior raste mit dem Ball über das Feld, als führe es bergab. Und Karim Benzema - tja: Der lupfte einen Elfmeter in die Mitte, nicht obwohl, sondern weil er in diesem Monat schon drei verschossen hatte.

Und niemand bremste sie: nicht Pep Guardiola, der seine Mannschaft diesmal wirklich stürmen ließ, als hätte er nie ein solches Spiel vercoacht; nicht der Schiedsrichter, von dessen Anwesenheit man erstmals in der 54. Minute erfuhr, als er Guardiola die erste Gelbe Karte des Abends zeigte; und Carlo Ancelotti schon gar nicht, der wie immer ein lässiges "Die machen das schon" ausstrahlte.

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Es war ein Spiel zum Vergessen, weil für diese 90 Minuten alles andere keine Rolle spielte: weder, dass ManCity sein Geld aus den menschenrechtsunverdächtigen Vereinigten Arabischen Emiraten erhält und vor zwei Jahren wegen Financial-Fairplay-Verstößen aus der Champions League geworfen werden sollte, noch, dass Real zu den Anführern der Super-League-Bewegung gehörte.

Für diese 90 Minuten war auch nicht wichtig, wie weit die Bundesliga von diesem Niveau entfernt ist und dass ManCity bald einen Transfer tätigen wird, bei dem sowohl der Berater als auch der Vater des Spielers auf einen Schlag mehr Geld erhalten werden als mancher Bundesligaprofi in seiner ganzen Karriere.

Den Kontext Kontext sein lassen - für einen Abend zumindest

Nein, für diese 90 Minuten ging es nur um den Fußball selbst, und egal, wie kritisch man die beteiligten Klubs beäugen mag: Man konnte sich nur mitreißen lassen von dem, was sie aufführten, und es gibt keinen Grund, sich dafür zu schämen. Was gibt es schon Schöneres, als den besten Fußballern dabei zuzuschauen, wie sie zeigen, was sie können? Lassen wir den Kontext Kontext sein, für einen Abend zumindest.

Natürlich ärgerten sich ManCitys Profis hinterher, dass sie "nur" 4:3 gewonnen hatten, und natürlich fiel den Beteiligten, auch Mario Gomez, nach und nach wieder ein, dass es ja eigentlich um den Einzug in ein Champions-League-Finale ging. Doch die beste Erkenntnis war: Schon am nächsten Mittwoch spielen sie wieder gegeneinander.

"Hoffentlich", twitterte Gary Lineker und konnte dabei auf einen Smiley verzichten, "hoffentlich wird das Rückspiel unterhaltsamer."

Jörn Petersen

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