DFB-Pokal

Ein Meilenstein für Leipzig und die Krönung einer Ära

Kommentar

Ein Meilenstein für Leipzig und die Krönung einer Ära

Freude pur: Leipziger Spieler mit dem DFB-Pokal.

Freude pur: Leipziger Spieler mit dem DFB-Pokal. IMAGO/Michael Weber

Mittendrin in diesen Leipziger Freudentaumel und die Freiburger Trauer zeigte es sich auf bedrückende Weise, dass es Wichtigeres im Leben gibt als Sieg und Niederlage im Fußball. Der Kollaps eines Stadionbesuchers, der sich gerade bereit gemacht hatte für Aufnahmen der Siegerehrung, minutenlang an der Seitenlinie notversorgt und mit einem Rettungswagen aus dem Stadion gebracht, rief Erinnerungen hervor an den dramatischen Überlebenskampf des dänischen Nationalspielers Christian Eriksen im EM-Spiel Dänemark gegen Finnland.

Und dieses zigtausendfache Bangen wirkte zunächst wie ein dunkler Schleier nach einem turbulenten Endspiel, dem erleichterter Beifall folgte, als der Stadionsprecher bekanntgab, dass sich der Patient in einem stabilen Zustand befinde. Dies war richtigerweise die Grundvoraussetzung, dass die Siegerehrung im geplanten feierlichen Rahmen gestartet werden und Leipzigs Kapitän Peter Gulacsi den Pokal in den goldenen Konfettiregen heben konnte.

RB wacht spät auf

Lange Zeit sah es in diesem 79. Finale um den DFB-Pokal so aus, als sollte der SC Freiburg den ersten großen Titel seiner Vereinsgeschichte holen und RB sein Endspiel-Trauma nach 2019 und 2021 um ein drittes Kapitel erweitern. Doch am Ende eines elektrisierenden Krimis gab es die Begeisterungsstürme bei den Sachsen.

Erst als die Leipziger nach 57 Minuten, als Marcel Halstenberg wegen einer Notbremse folgerichtig die Rote Karte sah, mit dem Rücken zur Wand standen, streiften sie ihre Hemmungen ab, fighteten sich ins Spiel, egalisierten den Rückstand, schleppten sich in der Verlängerung glücklich ins Elfmeterschießen, in dem sie sich nervenstärker präsentierten als die Freiburger Unglücksraben Christian Günter und Ermedin Demirovic.

Klug und nachhaltig investiert

13 Jahre nach der Gründung hat RB Leipzig damit die Sehnsucht nach dem ersten großen Titel der Vereinsgeschichte gestillt. Das werden die Verfechter von Tradition, Wettbewerbsgleichheit und Mitbestimmung als weiteren Beleg für den Verfall "ihres" Fußballs bedauern. Tatsächlich hatte das von Anfang an umstrittene und polarisierende Projekt dank der Finanzspritzen vom österreichischen Getränkekonzern und dem Einstieg in der Oberliga beispiellose Startvorteile.

Allerdings sind die vergangenen Jahre vor allem der Beleg, dass die RB-Bosse das Kapital in den meisten Fällen klug und nachhaltig investiert haben im Zeichen ihrer Philosophie, junge und entwicklungsfähige Profis zu verpflichten und zu entwickeln. Beispielhaft dafür steht in der aktuellen Mannschaft Topscorer Christopher Nkunku, der vor drei Jahren für 13 Millionen Euro von Paris St Germain geholt wurde und inzwischen seinen Marktwert um ein Vielfaches gesteigert hat

Schreck, Tränen und ein imaginärer Schluck: RB feiert ersten großen Titel

Meilenstein und Krönung zugleich

Für den Verein RB Leipzig ist dieser Titelgewinn ein Meilenstein, für viele der Spieler die Krönung einer Ära. Mit Peter Gulacsi, Lukas Klostermann, Willi Orban, Marcel Halstenberg und Emil Forsberg standen fünf Profis in der Leipziger Startelf, die schon seit sieben Jahren für RB spielen und den Aufstieg von der 2. Liga bis in die Champions League gemeinsam verwirklichten. Dies gilt auch für Yussuf Poulsen, den dienstältesten Leipziger, dem diesmal nur ein Bankplatz blieb.

Freiburg war nach einer beherzten ersten Halbzeit nah dran an der Überraschung. Der Mannschaft von Christian Streich fehlte bei drei Aluminium-Treffern ohne Frage das Quäntchen Matchglück, das auf Seiten der Leipziger war. Sie muss sich allerdings auch den Vorwurf machen, die Top-Ausgangsposition nach der Führung und dem Platzverweis nicht konsequent ausgenutzt zu haben.

Bilder zur Partie SC Freiburg - RB Leipzig