Nordost

Wintertransfers bringen Wende: Cottbus ist zurück in Liga 3

Wintertransferperiode als Wendepunkt

Ein Jahr nach dem Haching-Trauma: Energie Cottbus ist zurück in Liga 3

Ekstase in der Hauptstadt: Energie Cottbus machte am 34. Spieltag bei Hertha BSC II den Aufstieg perfekt.

Ekstase in der Hauptstadt: Energie Cottbus machte am 34. Spieltag bei Hertha BSC II den Aufstieg perfekt. IMAGO/Beautiful Sports

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Energie Cottbus mit Trainer Claus-Dieter Wollitz, der aufgrund einer Gelb-Sperre jedoch von der Tribüne aus jubeln musste, ist zurück im deutschen Profifußball. Die Lausitzer spielen zwar nicht in der Bundesliga wie von 2000 bis 2003 und 2006 bis 2009. Die Rückkehr in die 3. Liga versetzt dennoch eine ganze Region zwischen Berlin und Dresden wie zu besten Bundesliga-Zeiten in Euphorie. Mehr als 8.000 Fans begleiteten die Mannschaft am Sonntag beim 2:0 im letzten Saisonspiel der Regionalliga Nordost gegen Hertha BSC II.

Immerhin hat Energie Cottbus insgesamt vier vergebliche Anläufe in Richtung Wiederaufstieg gemacht - der fünfte Versuch war jetzt erfolgreich. Die Vorfreude auf die Ostderbys gegen Dynamo Dresden und Erzgebirge Aue ist riesengroß. Die 3. Liga darf sich einen Aufsteiger mit einer lautstarken und vor allem sehr reisefreudigen Fan-Unterstützung freuen.

Innerhalb eines Jahres hat sich das Stimmungsbild in der Lausitz komplett gewandelt. Am 11. Juni 2023 saßen die Spieler mit Tränen in den Augen auf dem Rasen im Sportpark Unterhaching. Der FCE hatte beide Aufstiegsspiele gegen die SpVgg Unterhaching verloren. Trotz Meisterschaft und Landespokal-Sieg wurde das große Ziel in der Saison 2022/23 verfehlt.

In den Tagen nach dieser Trauer hat der Verein mit Präsident Sebastian Lemke und Trainer Claus-Dieter Wollitz an der Spitze jedoch die Basis für den Aufstieg elf Monate später gelegt. Erstens, weil die Mannschaft weitgehend zusammengehalten wurde. Spieler wie Kapitän Axel Borgmann, Vize-Kapitän Jonas Hildebrandt sowie Defensiv-Allrounder Tobias Hasse verlängerten ihre Verträge. Und zweitens, weil sich auch die Fans schnell vom Unterhaching-Trauma erholten.

Wendepunkt im Januar

Der Start in die neue Saison war dennoch holprig, weil das Team aufgrund der Aufstiegsspiele gegen Unterhaching nur zwei Wochen Sommerpause hatte. Mit dem 3:1-Sieg beim FC Eilenburg am 6. Oktober 2023 eroberte man erstmals die Tabellenführung. Dennoch war dieses Auswärtsspiel eine Zäsur. Axel Borgmann zog sich in Eilenburg einen Kreuzbandriss zu. Der Linksverteidiger ist Kapitän und Kopf der Mannschaft. Schon zu diesem Zeitpunkt war klar, dass Energie Cottbus für den Rest der Saison ohne Borgmann auskommen muss.

Danach quälte sich das Team durch die Spiele bis zur Winterpause und hatte fünf Punkte Rückstand auf den Greifswalder FC. Auch der Wiederbeginn ging mit dem 0:2 bei Rot-Weiß Erfurt in die Hose. Cottbus fand sich plötzlich nur noch auf Platz 4 wieder.

Der Januar wurde dennoch zum Wendepunkt, weil der FCE eine große Transfer-Offensive startete. Während im Sommer viele Transfers nicht passten, erwiesen sich Spieler wie Maximilian Krauß (Carl Zeiss Jena), Maximilian Pronichev (Rot-Weiß Erfurt) und Jan Shcherbakovski (Leihe von Dynamo Dresden) im Winter als Volltreffer. In der Hinrunde hatte Claus-Dieter Wollitz nur 18 Spieler zur Verfügung. In der Rückrunde waren es 25 Spieler. "Damit ist die Trainingsqualität höher. Der eine oder andere Spieler ist dadurch fokussierter und wird ganz anders gefordert", analysierte der Trainer einen wichtigen Grund für den Aufschwung.

Neuer Saisonrekord

Zudem wurde Energie Cottbus von den Fans in Richtung Aufstieg getragen. Beim letzten Heimspiel gegen Luckenwalde war das Leag Energie Stadion mit 19.287 Besuchern nahezu ausverkauft. Die Zuschauerzahl lag zum dritten Mal in Folge im fünfstelligen Bereich. Durchschnittlich 8.213 Besucher pro Spiel stellen einen neuen Saisonrekord in für die Lausitzer in der heutigen 4. Liga dar. "Das ist Wahnsinn und hat mit Regionalliga gar nichts zu tun", erklärte Abwehrchef Jonas Hildebrandt.

Der Vertrag von Hildebrandt und vieler anderer Spieler hat sich durch den Aufstieg automatisch verlängert. Das erleichtert einerseits die Planung für die 3. Liga. Andererseits ist nur wenig Platz im Kader für mögliche Verstärkungen. Sie werden nötig sein, um nicht das gleiche Schicksal zu erleiden wie nach dem letzten Aufstieg 2018. Damals ging es nach nur einem Jahr wieder runter.

Schon jetzt steht fest: Für Claus-Dieter Wollitz ist es das letzte Jahr als Cheftrainer. Der gleichermaßen emotionale wie polarisierende Übungsleiter wechselt ab 2025 auf den Posten des Sportdirektors - am liebsten natürlich weiter in der 3. Liga.

Frank Noack, Jan Lehmann

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