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Ein Image-Schaden, der wehtut und lange bleiben wird

Kommentar

Ein Image-Schaden, der wehtut und lange bleiben wird

Sie gaben ihre Stimme ab: 780 Bayern-Mitglieder waren am Donnerstag nur anwesend.

Sie gaben ihre Stimme ab: 780 Bayern-Mitglieder waren am Donnerstag nur anwesend. picture alliance

Es war ein turbulentes Ende. Eines, das dem FC Bayern in Erinnerung bleiben und worüber auch Präsident Herbert Hainer nach den "Hainer raus"-Rufen gewiss noch eine Weile nachdenken wird. Doch die eigentliche Frage ist: Wie konnte es soweit kommen? Lag es tatsächlich nur an den Anträgen der Mitglieder?

Die Anträge von Michael Ott waren seit Wochen bekannt, sie kamen keineswegs überraschend für die Bayern-Bosse. Es gab also genug Zeit, sich darauf vorzubereiten. Das Problem dabei war, wie die Münchner Verantwortlichen damit umgegangen sind: nicht souverän und nicht professionell genug. Womit die Versammlungsleiter Herbert Hainer und Dr. Dieter Meyer, der Vizepräsident, die Aufregung im Audi Dome eher - unfreiwillig - anheizten als beruhigten oder deeskalierten.

Uli Hoeneß, der in der Vergangenheit gewiss auch mal über das Ziel hinausschoss, hatte allerdings in Kombination mit Karl-Heinz Rummenigge - der beinahe froh sein kann, nicht vor Ort gewesen zu sein - immer auch ein Gespür für die Situation und die Mitglieder. Dieses Feingefühl, zu dem genauso knallharte Ansagen gehören, vermissten die anwesenden Fans.

Antragssteller sollten sich genau überlegen, was das Ziel des Vorschlags ist

780 von den insgesamt 292.000 Mitgliedern waren in der Halle, 1700 wären laut den Corona-Regeln im Freistaat Bayern erlaubt gewesen. 780 sind da insgesamt wenig repräsentativ. Unabhängig davon aber sollte sich jedes Mitglied, das einen Antrag stellt, davor genau überlegen, was das Ziel des Vorschlags ist. Geht es tatsächlich darum, im Sinne des Vereins etwas zu verbessern? Oder nur darum, sich selbst zu präsentieren? Oder gar die Ziele einer Fan-Minderheit zu verfolgen, allein um mehr Macht zu erhalten?

Keine Partei war bereit, aufeinander zuzugehen

Bei der Jahreshauptversammlung 2021 war, je länger die Veranstaltung dauerte, nicht mehr ganz sicher, ob es den Beteiligten noch um das Wohle des Vereins ging. Es wurde zu persönlich, es wurde zu hektisch, und es ging irgendwie nur noch darum, Recht haben zu wollen. Um aufeinander zugehen zu können, müssen jedoch beide Lager dafür bereit sein - so ist das bei unterschiedlichen Meinungen oder verschiedener Auffassung. Am Donnerstag war keine der beiden Parteien bereit. Deshalb der Tumult am Ende. Und ein Image-Schaden für den FC Bayern, der sehr wehtut und erst einmal bleiben wird.

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