2. Bundesliga

"Ein Grenzfall" - Warum Fandrichs Sperre reduziert wurde

Aues Vorstand und der Spieler wollen das Urteil "erst einmal setzen lassen"

"Ein Grenzfall" - Warum Fandrichs Sperre drastisch reduziert wurde

Kann spätestens im Januar wieder eingreifen: Clemens Fandrich.

Kann spätestens im Januar wieder eingreifen: Clemens Fandrich. imago images/Eibner

Sieben statt 23 Spiele - so stark verkürzte das DFB-Bundesgericht am Donnerstag die Mammut-Sperre gegen Fandrich. Der 30-Jährige war Anfang November vom Sportgericht zu sieben Monaten Zuschauen verteilt worden, die Berufungsinstanz reduzierte die Sperre nun drastisch. Spätestens im Januar kann der Mittelfeldmann wieder eingreifen.

Der Urteilsspruch erfolgte nach einer über sechsstündigen Verhandlung, in der es nicht nur um die Aussagen der Zeugen und der Beteiligten ging, sondern auch um Rechtsfragen sowie Fristversäumnisse. Fandrich war vorgeworfen worden, am 22. Oktober in der Partie zwischen Aue und Ingolstadt dem Schiedsrichter-Assistenten Roman Potemkin ins Gesicht gespuckt zu haben.

Die Frage der Absicht

Auch die Berufungsinstanz und selbst der Verteidiger hatte keinen Zweifel an der Aussage des Linienrichters, was den Punkt betrifft, dass er Speichel ins rechte Auge bekommen hatte. Allerdings sah die Kammer im Gegensatz zur ersten Instanz die Frage der Absicht nicht als erwiesen an. "Unserer Überzeugung nach hat Fandrich Potemkin aus nächster Nähe so vehement angebrüllt, dass dabei auch Speichel den Schiedsrichter-Assistenten im Gesicht getroffen hat", erklärte Oskar Riedmeyer, der stellvertretende Vorsitzender des Bundesgerichts.

"Die Indizienkette war nahezu geschlossen, ganz schließen ließ sie sich nicht. Deshalb konnten wir nicht zu einer Verurteilung wegen Tätlichkeit kommen. Es ist ein Grenzfall und keine Überraschung, dass die erste Instanz zu einem anderen Ergebnis gekommen ist", so Riedmeyer. Fandrich-Anwalt und Aue-Vorstand Kay Werner hatte zahlreiche Zeugen präsentiert, die die Unschuld des Spielers beweisen sollten. "Sie konnten uns vom Gegenteil nicht überzeugen. Wir müssen bei allen Zeugen davon ausgesehen, dass sie nicht die gesamte Szene gesehen haben", erläuterte der Sportrichter.

Die Kardinalfrage aus Sicht der Kammer war, ob Fandrich absichtlich oder unabsichtlich gehandelt hatte. Bei der Strafzumessung berücksichtigte das Bundesgericht das "bisher weitestgehend untadlige Sportlerleben" des Erzgebirge-Profis, der in zwölf Profijahren lediglich einmal vom Platz geflogen war und das wegen einer Gelb-Roten Karte.

Werner: "Ein salomonisches Urteil"

Aber Ende Oktober gegen Ingolstadt habe Fandrich "eine grobe Unsportlichkeit" begangen, auch wenn keine Absicht nachzuweisen war. Wegen der "erheblichen Verfehlung" sei man mit sieben Spielen Sperre knapp unterhalb der Mindestsperre für den Fall einer minderschweren Tätlichkeit, die acht Spiele betrage, geblieben.

Die Reaktionen von Fandrich und seinem Anwalt nach dem Urteil waren zwiespältig. "Wir werden heute nichts entscheiden, es erst einmal setzen lassen und uns besprechen", sagte Werner noch im Gerichtssaal. Er sprach von "einem salomonischen Urteil". Vor dem Prozess vor dem Bundesgericht hatte Aue angekündigt, im Falle einer erneuten Verurteilung das Ständige Neutrale Schiedsgericht oder sogar ein staatliches Gericht anzurufen.

Michael Ebert