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Ein Eligella-Cup reicht nicht

Turnier verdeutlicht EAs Versäumnisse

Ein Eligella-Cup reicht nicht

Der FUT Champions Cup 4 im Februar 2020 fand als letztes offizielles Turnier der Global Series offline statt.

Der FUT Champions Cup 4 im Februar 2020 fand als letztes offizielles Turnier der Global Series offline statt. Turner Broadcast

Der FIFA-eSport leidet: Zuschauerzahlen sinken, Turniere fallen reihenweise aus oder verlieren in der Online-Umgebung an Glanz und bei den häufig kritisierten Preisgeldern tut sich auch kaum was - von einer Weiterentwicklung kann auf internationaler Ebene keine Rede sein. Vielmehr waren die vergangenen zwei Jahre ein Rückschritt.

EA SPORTS scheint eingeschlafen zu sein. Wie sonst lässt sich erklären, dass der Haupttreiber des FIFA-eSports seit Februar 2020 kein einziges Offline-Turnier veranstaltet hat, Ex-Profi von Hertha BSC und Content-Creator Elias Nerlich aber noch vor der Jahreswende seinen Eligella XMAS Cup in Hamburg umsetzt.

Mehr Ausrede als Begründung

Egal ob FUT Champions Cup, Klub-Weltmeisterschaft oder FIFAe World Cup, EA - aber auch der FIFA - fiel es in den vergangenen zwei Jahren verblüffend leicht, Turniere coronabedingt ausfallen zu lassen oder diese in die Online-Umgebung zu verbannen.

Das ist noch aktuell: Erst am 7. Dezember sagte EA SPORTS den für Ende Januar geplanten Team-of-the-Year-Cup ab. Die Begründung ist dieselbe wie immer: Die Gesundheit der Spieler soll nicht riskiert werden.

Das Argument hört sich im ersten Moment verständlich und nobel an, wirkt mit Blick auf den Eligella XMAS Cup und andere eSport-Titel aber wie eine müde Ausrede. Egal ob Riot Games mit League of Legends, Valve mit Dota 2 oder die ESL mit Counter-Strike - sie alle haben ihren Fans in den vergangenen zwei Jahren mehrere Offline-Turniere beschert. Auch sie schraubten runter, aber nicht derart drastisch wie der FIFA-Entwickler.

Der Wille fehlt

Also was unterscheidet EA von Elias Nerlich? Anscheinend der Wille. Nerlich hat sich mit seiner eigenen Turnierserie in der Szene etabliert und möchte diese weiter ausbauen. Das sollte auch der FIFA-Entwickler anstreben.

Keiner der beiden Organisatoren will ein Superspreader-Event, aber andere Veranstalter kriegen es ja auch hin.

Zudem sei gesagt: Der FIFA-eSport ist ein größtenteils geschlossenes System. Mit einer Preisgeld-Grenze und Lizenzierungspflicht verhindert EA SPORTS, dass andere Turnierorganisationen einspringen können.

Zeit für ein Umdenken

Ob es Interesse anderer Veranstalter gab, ist unbekannt, und EA gebührt ein Lob für die Lizenzübertragung an Elias Nerlich, so langsam sollten sich die Verantwortlichen aber die Frage stellen: Wenn uns aktuell der Wille fehlt, den FIFA-eSport voranzutreiben, vielleicht sollten wir das System für professionelle Veranstalter weiter öffnen?

Vorteilhaft wäre nicht nur, dass Offline-Events im Stile eines Eligella Cups erleichtert werden. Die FIFA-Szene käme zudem in den Genuss neuer Ansätze - von Turnierstruktur bis Streaminhalten. Auch dort gibt es Entwicklungspotenzial.

Denn um abschließend eine Prognose zu äußern: Der Eligella XMAS Cup wird die Zuschauerzahlen der vergangenen Global-Series-Turniere deutlich übertreffen - die drei letzten EU Qualifier knackten auf Twitch und YouTube keine 24.000. Vor zwei, drei Jahren wäre ein solcher Erfolg noch eine Sensation gewesen, inzwischen sollte es aber keinen mehr überraschen.

Christian Mittweg

E Sport Talk Artikel 26 10 2 V 2

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