2. Bundesliga

Wüstefeld will dem HSV als neuer Vorstand Leitplanken geben

Neuer Boss ohne Gehalt, aber mit klarem Ziel

"Ein Drehbuch für den HSV": Wüstefeld will Leitplanken vorgeben

Der Hamburger SV hat mit Dr. Thomas Wüstefeld einen neuen kommissarischen Vorstand.

Der Hamburger SV hat mit Dr. Thomas Wüstefeld einen neuen kommissarischen Vorstand. Witters/Witters/Pool/Witters via Thorsten Baering

Der Aufstieg des Hamburger Medizinunternehmers Wüstefeld ging rasant vonstatten. Ende des abgelaufenen Jahres hatte Wüstefeld 5,11 Prozent der Anteile von Investor Klaus-Michael Kühne erworben, nach seinem Aufrücken in den Aufsichtsrat war er dort auf Anhieb zum Gremiumsvorsitzenden gekürt worden - und wurde aus dem Rat nun für zunächst ein Jahr in den Vorstand an die Seite von Jonas Boldt entsandt.

2018 hatte Bernd Hoffmann den Weg aus dem Kontrollgremium in den Vorstand angetreten und war dann fest gewechselt. Wüstefeld sagt nun: "Mit diesen Vermutungen und Parallelen müssen wir, muss vor allem ich leben. Aber das kann ich auch, weil es entscheidende Unterschiede gibt. Erstens bin ich der erste persönliche Gesellschafter, der kommissarisch als Vorstand eingesetzt wird. Zweitens findet diese Entsendung bewusst und gemäß Aktiengesetz nur für zwölf Monate statt. Und drittens lasse ich mir meine Tätigkeit für den HSV nicht vergüten, ich arbeite pro bono."

Nachdem das Ausscheiden von Frank Wettstein im Herbst verkündet worden war, hatte der scheidende Finanzboss Sportvorstand Jonas Boldt intern wie extern als alleinigen Vorstand vorgeschlagen, die Aufsichtsräte aber setzen in Zeiten der schweren finanziellen Krise auf die nachgewiesenen unternehmerischen Fähigkeiten ihres Gremiumsmitglieds, das dieses Amt vorerst ruhen lässt. Wüstefeld erklärt: "Ich möchte meine Zeit als kommissarischer Vorstand nutzen, um die Entwicklung des HSV zu einem noch wettbewerbsfähigeren Verein im deutschen Profifußball voranzutreiben."

Wüstefeld: HSV habe sich zu oft an einen "Hauptdarsteller" angepasst

Das klingt diplomatisch, dabei benennt er die Probleme der Vergangenheit sehr offen: "Oft war es beim HSV so, dass ein Hauptdarsteller verpflichtet und das Drehbuch für ihn angepasst wurde oder er es sogar formuliert und entsprechende Besetzungen selbst entschieden hat. Das müssen und wollen wir verändern." Sein Plan ist dieser: "Wir werden ein Drehbuch für den HSV entwerfen, das natürlich auch immer wieder an die aktuellen Entwicklungen angepasst wird, aber in den Grundsätzen den gemeinsam definierten Leitplanken entspricht." Kurzum: Der HSV hat sich zuletzt zu oft in Abhängigkeiten Einzelner begeben. Gelingt Wüstefeld im Verbund mit Boldt dieser angestrebte Schritt, wäre der HSV tatsächlich ein Stück vorangekommen. Und der Übergangs-Chef hätte sich womöglich bewährt für mehr als eine Rolle als Boss auf Zeit.

Sebastian Wolff

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