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eFootball: Wie Konami sich selbst sabotiert

PES ist bald Geschichte

eFootball: Wie Konami sich selbst sabotiert

Konami grätscht sich mit der eFootball-Ankündigung in die eigenen Hoffnungen eines erfolgreichen Releases.

Konami grätscht sich mit der eFootball-Ankündigung in die eigenen Hoffnungen eines erfolgreichen Releases. Konami

So hat sich das Konami sicher nicht vorgestellt: Kaum enthüllte der Entwickler am 21. Juli seine Pläne für den PES-Nachfolger, da hagelte es auch schon Kritik. Für viele Fans mutete die Ankündigung von eFootball wie die eines Mobile-Spiels voller Mikrotransaktionen an – ein Horror-Szenario für die treue PES-Anhängerschaft.

Den 2020 in einem Trailer angedeuteten Grafik-Sprung, eine Meisterliga und die Ergebnisse des Extrajahres Entwicklungszeit suchte man noch vergeblich. eFootball sieht aktuell aus wie PES 2020 und PES 2021. Entsprechend wütend zeigten sich große Teile der Community.

Die harsche Kritik in Online-Foren und auf Social Media ist generell überzogen. Noch ist das Spiel nicht erschienen, der volle Umfang von Konamis Plänen unbekannt. Dennoch lässt sich festhalten: Mit der Ankündigung hat sich der Entwickler keinen Gefallen getan und im ewigen Vergleich zu EA SPORTS und FIFA eher an Boden verloren.

Drama um die Meisterliga

Das wohl größte Problem des eFootball-Reveals sind fehlende Informationen und Erklärungen. Bestes Beispiel: die Meisterliga. Konami erwähnte den beliebten Modus weder in der Ankündigung noch der Roadmap für den Rest des Jahres. Ein Schock für viele Spieler, die befürchteten, der Entwickler hätte die Meisterliga im Umbruch glatt gestrichen.

Nach zahlreichen wütenden Nachrichten musste Konami nur 24 Stunden nach der Bekanntgabe einen Social Media-Post verfassen, um die Fans zu beruhigen: Die Meisterliga wird es auch in eFootball geben – vermutlich aber erst 2022. Der Schaden war angerichtet.

Sorgen über Sorgen

Weiter zu den großen Neuerungen: Free-to-Play und Crossplay. Damit ist Konami theoretisch sogar FIFA voraus. Da diese revolutionären Änderungen im ersten Reveal aber nur erwähnt und nicht ausgeführt wurden, verpuffte ihr Effekt.

Anstelle von Vorfreude treten Sorgen – große Sorgen. Die Free-to-Play-Version enthält nämlich nur einen Anstoß-Modus mit wenigen Vereinen und ist damit nicht viel mehr als eine hochglanzpolierte Demo. Alle anderen Modi erscheinen erst später in der Saison und müssen hinzugekauft werden – Preis unbekannt.

09 Messi

Wird das neue "PES" ein Reinfall? Die Zeichen stehen nicht gut für Konami. Konami

Genau das ist der Knackpunkt. Wie viel kostet es eFootball-Spieler, den vollen Umfang vorheriger PES-Teile zu spielen? 50 Euro und mehr? Dann wäre nichts gewonnen. Und bleiben die Modi für immer freigeschaltet oder müssen sie jedes Jahr neu erworben werden? Antworten auf diese Fragen fehlen.

Die Ankündigung zu Free to Play ist schlichtweg zu nebulös. Hinzu kommen Sorgen, dass Konami in eFootball immer häufiger mit Mikrotransaktionen zur Kasse bitten könnte.

Andererseits wären Meisterliga-Interessierte sicher nicht abgeneigt, wenn sie für weniger Geld ausschließlich den von ihnen gewünschten Teil des Spieles bekommen. Potenziell sind die Neuerungen also durchaus positiv. Wir wissen nur zu wenig.

Upgrade mit Downgrade?

Ähnlich sieht es beim Thema Crossplay aus. Eigentlich profitieren Spieler davon, ihre Freunde unabhängig von der Konsole herausfordern zu können. Aber warum ist Mobile inbegriffen? Diese Erweiterung verstärkt bei mir den Eindruck, Konami würde sich zunehmend auf Mobilgeräte konzentrieren. 

Denn die Mobile-Version bei vollständigem Crossplay mit den Versionen auf Konsole und PC kompatibel sein. Denn Smartphones sind gegenüber Next Gen immer im Nachteil und das Spiel müsste sich dann nach dem schwächsten System richten. Dass das ohne Leistungs- oder Grafikeinbußen möglich sein soll, erscheint mir zumindest fragwürdig. Von potenziellen Verbindungs- Problematiken mal ganz abgesehen.

Geduld ist vonnöten

Die Ankündigung zu eFootball ließe sich noch weiter analysieren. Das genannte Muster zieht sich allerdings durch: Konami verspricht potenziell Großes, enthüllt jedoch zu wenige Details, um offensichtliche Sorgen zu zerstreuen.

Auch die Namensänderung wirkt fragwürdig und wie ein Tritt auf die Füße treuer Fans. PES ist eine bekannte Marke, mit der viele Spieler positive Erinnerungen verbinden. Sicher hätte es passende Namen gegeben, um den Umschwung der Reihe zu symbolisieren. "eFootball" ist allerdings recht nichtssagend und beliebig.

Und so steht Konami nun vor einer Mammutaufgabe: Die groß geplante und angekündigte Revolution der PES-Reihe strauchelt bereits beim ersten Schritt, die öffentliche Meinung hat gelitten und ein Ausweg scheint kurzfristig nicht in Sicht. Dass im Herbst ein noch nicht fertiges Spiel erscheint, verschlimmert die Situation weiter. Konami muss hoffen, dass die treuen Fans einen langen Atem haben, sonst könnte nicht nur die Ankündigung, sondern auch das Spiel an sich zu einem Reinfall werden.

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Christian Mittweg

Erste Bilder aus "eFootball"