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eFootball.Pro: Eine ganze Liga auf Eis

Nach Konamis Update-Verschiebung

eFootball.Pro: Eine ganze Liga auf Eis

Neue Herausforderungen müssen derzeit warten.

Neue Herausforderungen müssen derzeit warten. Konami/kicker eSport

Normalerweise sollte das Spielgerät in der eFootball.Pro-Liga bald rollen. In der Saison 2020/2021 startete der Ligabetrieb bereits am 12. Dezember.

Doch dieses Jahr ist kein normales. Zumindest nicht für die PES/eFootball eSportler. Nach der verkorksten Veröffentlichung des PES-Nachfolgers eFootball 2022 am 30. September 2021 gab es noch leise Hoffnung auf eine schnelle Kehrtwende. Dann verschob Konami das für November angekündigte Update 1.0.0 langfristig.

Zu groß offensichtlich der Aufwand, eine Plattform für kompetitiven eSport zu kreieren. In Gesprächen mit kicker eSport sprechen die Profis gar von einer "Demo-Version" in Bezug auf den derzeitigen Status von eFootball.

Nichts geht mehr!

Als hätte Konami einem ganzen Sport nicht nur den Ball weggenommen, sondern sämtliche Stadien und Trainingsplätze abgeschlossen.

"Aktuell ist es nicht möglich zu spielen bzw. zu trainieren. Das Spiel hält man nicht länger als zwei Spiele aus. Normalerweise würde man zurzeit trainieren, damit man im Dezember/Januar die Saison starten kann", so Ex-Schalker Mehrab  'MeroMen' Esmailian, der sich im Sommer noch hoffnungsvoll auf Spieltage vor Ort in Barcelona freute.

Einen Eindruck, den auch der serbische Europameister 2021 und Ex-AS Rom-Spieler Marko 'RoksaCzv22' Roksic teilt: "Um ehrlich zu sein, spiele ich eFootball nicht mehr. Ich habe bisher vielleicht 15-20 Spiele gemacht. Es gibt nicht einmal Freundschaftsspiele, nur zufällige Matches." Momentan mache er Urlaub.

Auch Ex-Schalker Mike 'El_Matador' Linden hat eFootball bereits nach ein paar Spielen abgehakt. Er brauche ein Spiel, das ansatzweise eSport-tauglich sei, sonst ergebe es wenig Sinn, es überhaupt anzufassen. "[Die Verschiebung des Updates] gibt natürlich enorm viel Zeit, sich mit den wichtigen Dingen des Lebens zu beschäftigen", so Linden sarkastisch zur aktuellen Situation.

Einige der Profis versuchten sich mit den Spielmechaniken vertraut zu machen. Ex-AS Rom Spieler Emiliano 'S-Venom' Spinelli gab in seinen Streams Tipps an interessierte eFootball-Kicker weiter. Mit dem Release der Version 0.9.1 sei die Entwicklung in die richtige Richtung gegangen. Nach der Verschiebung des Updates 1.0.0 war er dennoch enttäuscht:

"Ich war einer der wenigen Spieler, die es wirklich versucht haben, konnte die neuen Mechaniken erfolgreich erlernen und trainieren. Ich hatte sogar Spaß dabei. Aber in diesem Status wäre es unmöglich, ein Turnier abzuhalten."

Zwischen Zwangsurlaub und Ungewissheit

Aufgrund des eSport untauglichen Spiels gibt es noch immer keinen offiziellen Starttermin für Konamis eFootball.Pro League. Auf eine offizielle Anfrage von kicker eSport an Konami hieß es: zurzeit sei man nicht in der Lage, irgendwelche Antworten auf unsere Fragen zu geben.

Die undurchsichtige Kommunikation des japanischen Spieleentwicklers legt damit auch die üblichen Handlungen einer ganzen Liga auf Eis. Vereine können die Planungen zur neuen Saison derzeit nicht aufnehmen, Spieler verharren über ihrer Zukunft in Ungewissheit. Das betont auch 'MeroMen': "Von jedem eSportler sind die Verträge abgelaufen. Wir warten derzeit auf Gespräche mit neuen Klubs"

Ohne offizielles Statement zum Beginn der eFootball.Pro scheinen die Klubs Vertragsverhandlungen derzeit nicht aufnehmen zu wollen. Gerade nach der Verschiebung des Updates. Für eine stillgelegte Liga braucht es keine Profis, deswegen verlängerte auch Schalke die Kontrakte der eigenen Spieler nicht.

Start im März?

Den Hauptpartnern Konamis sei ein Starttermin im März 2022 genannt worden. Dieses Zeitfenster bestätigten nicht nur einige der Profis in unseren Gesprächen, es dürfte damit ebenfalls in den Rahmen des geplanten Frühjahr-Updates für eFootball 2022 fallen. In Aktion scheinen die Klubs allerdings auch nach der internen Aussage nicht zu treten.

Daher ist die Zuversicht unter den freigestellten Profis weiterhin gehemmt, wenn auch nicht vollkommen verloren: "Die Saison sollte auch schon zu 100 Prozent im Januar starten. Jetzt heißt es zu 100 Prozent im März 2022. Aber es ist noch immer unser Spiel, unser 'Leben', wir müssen an Konami glauben", so Roksic im Verlauf des Gesprächs. Wie es weitergeht, ist derzeit allerdings völlig offen.

Benja Hiller