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eFootball: EA-Abprall-Simulator 2.0 oder eSport-ready?

eSport-Saison nach monatelanger Verzögerung gestartet

eFootball: eSport-ready oder EA-Abprall-Simulator 2.0?

Nach einem Rundumschlag begann am Wochenende die eFootball Championship Pro.

Nach einem Rundumschlag begann am Wochenende die eFootball Championship Pro. KONAMI

Nach langer Wartezeit war es nun endlich so weit: Mit der eFootball Championship Pro begann das erste offizielle eSport-Turnier der umbenannten Fußballsimulation von Konami. Während sich der FC Bayern München gegen Celtic Glasgow und Manchester United behaupten musste, blieb einer der besten deutschen eFootball-Pros und Nationalspieler dem Turnier allerdings fern.

'MeroMen' im Talk statt im Turnier

Mehrab 'MeroMen' Esmailian hatte sich ganz bewusst gegen ein kurzfristiges Engagement entschieden, das wohl nach dem Turnier bereits wieder zu Ende gegangen wäre. Weshalb er vergangenen Donnerstag nicht etwa seinem Gameplay den letzten Feinschliff verpasste, sondern bei uns im kicker eSport Talk gastierte.

Dort tauschte er sich mit Host Jan 'GamingAlm' Bergmann und eSport-Coach Lukas Hennig auch über die Frage aus, ob eFootball nach dem desaströsen ersten Halbjahr inzwischen eSport-ready sei und Konkurrent FIFA in diesem Bereich vielleicht sogar etwas voraus habe.

Mero Men Schalke 04

Statt im Turnier im kicker eSport Talk: 'MeroMen'. FC Schalke 04

Für den Profi reicht es bei eFootball noch nicht zum Zertifikat eSport-fähig: "Es ist ein zu großer Zufallsfaktor drinnen, es prallt zu viel und dadurch entstehen Tore, da kannst du nur mit dem Kopf schütteln. Es läuft noch nicht ganz flüssig - vor allem was die Server betrifft. Das ist einfach ein großer Nachteil und ein großes Merkmal, weshalb es meiner Meinung nach noch nicht eSport-ready ist."

Dabei würden 'MeroMen' zufolge viele kleine Aspekte eine solide Basis überstrahlen: "Das Grundgerüst stimmt, es müssen aber noch viele Kleinigkeiten verbessert werden."

Wie willst du dich auf ein Turnier vorbereiten, wenn drei Tage vorher ein neuer Patch rauskommt?

Jan 'GamingAlm' Bergmann

Auch für Fußballtrainer und eFootball-Fan Bergmann stellen die konstanten Veränderungen und Updates eine Hürde für den eSport dar: "Wenn du andauernd Patches raushaust, die das Spiel verändern, ist das hinsichtlich eSports absolut tödlich." Eine seriöse Vorbereitung auf Turniere sei so schlicht unmöglich: "Wie willst du dich auf ein Turnier vorbereiten, wenn drei Tage vorher ein neuer Patch rauskommt? Das ist ein riesiges Problem."

Den größeren Zufallsfaktor sieht unser Host jedoch beim Konkurrenten von EA SPORTS: "Ich finde den Random-Faktor in FIFA unfassbar groß, die Varianz bringt mich an den Rande des Wahnsinns. Das habe ich in meinen Sessions in eFootball nicht so wahrgenommen."

Ähnlich empfindet es auch Lukas Hennig. Der eSport-Coach der ehemaligen VBL-Mannschaft Eintracht Braunschweigs blickt auf einige Jahre PES-Erfahrung zurück und ist auch in eFootball wieder aktiv. "Ich muss sagen, wenn man die Zweikampfphysik ansieht, ist diese um Welten besser als bei FIFA. Ich finde allgemein, dass viel weniger Varianz drinnen ist als in FIFA."

Das Gameplay belohnt, die Basis stimmt

Besonders die Arbeit gegen den Ball ist für Hennig eine Disziplin, in der Konami EA SPORTS den Rang abgelaufen hat: "In eFootball ist ein Tackling in 95 bis 98 Prozent der Fälle tatsächlich ein Tackling und auch ein Ballgewinn." Bei der Konkurrenz für ihn Utopie: "Bei FIFA haben wir in der Analyse teilweise mitgezählt und was willst du sagen, wenn du siebenmal dran bist und das Spiel den Ball jedes Mal wieder dem Gegner zurückgibt?"

Auch in der Offensive sei das Gameplay von eFootball belohnender: "Wenn du einen Angriff gut spielst und gut abschließt, dann halten die Torhüter zwar auch nicht wenig, aber du siehst beispielswiese keinen kranken Reflex mehr, wenn du aus vier Metern abziehst. Diese Standardparaden wie in FIFA, wo der Torwart dann im kurzen Eck wieder easy abwehrt, gibt es nicht."

Langfristig wird man sehen, ob die gute Basis genutzt wird - oder nicht.

Mehrab 'MeroMen' Esmailian

Dass eFootball für Esmailian dennoch nicht zum eSport-Titel reicht, hängt für ihn auch vom Vergleichswert ab: "Man vergleicht immer mit der Vergangenheit und wie man etwas kennt. Die Connection war beispielsweise nicht immer perfekt, aber sie war in Ordnung. Generell war das Drumherum immer in Ordnung, Konami hat viel auf Gameplay gesetzt und wenn das ins Schwanken kommt, dann stört das schon."

Der eFootball-Nationalspieler erwartet deshalb erst nach weiteren großen Patches ein gutes Game: "Ich glaube, wir werden erst ab Version 2.0 oder 3.0 ein Spiel sehen, das wirklich top ist. Langfristig wird man sehen, ob die gute Basis genutzt wird - oder nicht."

Matti Jansen

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