2. Bundesliga

Effenberg: "Ich sehe Paderborn nicht als Sprungbrett"

"The New One" stellt sich vor - Keine Ausstiegsklausel

Effenberg: "Ich sehe Paderborn nicht als Sprungbrett"

"Wir werden den Blick immer nach vorne richten, nicht zur Seite, nicht nach unten":  Stefan Effenberg in Paderborn.

"Wir werden den Blick immer nach vorne richten, nicht zur Seite, nicht nach unten": Stefan Effenberg in Paderborn. Getty Images

Als Stefan Effenberg am Mittwoch in der Stadt ankam, in der er die ersten Jahre seiner Trainerkarriere plant, erlebte er schnell die erste Überraschung: Es schneite. "Ich dachte, es wäre Norwegen, aber es war Paderborn", sagte er wenig später auf der bestbesuchten Pressekonferenz, die sein neuer Verein je gesehen hat - und die er mit sechs Wörtern eröffnete, die den Hype der letzten Stunden trefflich zusammenfassten: "Ja, also", lächelte er, "ich bin es wirklich."

Im unscheinbaren Paderborn also macht Effenberg elf Jahre nach dem Ende seiner Profikarriere seine ersten Schritte als Profitrainer . Da darf man schon mal beide Seiten fragen: Warum? "Der erste Schuss muss sitzen, das ist hier der Fall", erklärte Effenberg. "Wir brauchten nach Markus Gellhaus eine Autorität auf der Trainerbank", erklärte SCP-Manager Michael Born.

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Trainersteckbrief Effenberg
Effenberg

Effenberg Stefan

SC Paderborn 07 - Vereinsdaten
SC Paderborn 07

Gründungsdatum

01.06.1985

Vereinsfarben

Blau-Schwarz

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110 Gelbe, vier Gelb-Rote und drei Rote Karten hat Effenberg in 370 Bundesliga-Einsätzen als Gladbach-, Bayern- und Wolfsburg-Spieler gesammelt. "Es ist genau das, was unserer Mannschaft im Moment fehlt", befand Präsident Wilfried Finke mit Blick auf diese farbenfrohe Statistik. Effenbergs Einwurf: "Viele davon waren allerdings unberechtigt, muss man auch mal sagen."

Ich bin noch ganz gut zu Fuß, Fahrrad fahren kann ich auch - ohne Stützräder.

Stefan Effenberg über die Häme nach seinem Führerscheinentzug

Er will den kriselnden Paderbornern, die sich nach nur zwei Siegen aus zehn Spielen in der Abstiegszone der 2. Liga befinden, das Selbstvertrauen, den Glauben zurückgeben, kurz: "Wir müssen die Jungs wieder zu Helden machen." Ausreichend Qualität sieht er in seinem Kader, "sonst wäre ich auch nicht hier". Ein konkretes Saisonziel formulierte Effenberg aber nicht. "Wir werden den Blick immer nach vorne richten, nicht zur Seite, nicht nach unten."

Ausstiegsklausel? "Darüber haben wir nie gesprochen"

Ob sein Zweijahresvertrag eine Aufstiegsprämie enthält, wollte Präsident Finke nicht verraten, eine Ausstiegsklausel jedoch fehlt definitiv. "Darüber haben wir auch nie gesprochen", betonte Effenberg, es passte zu dem Eindruck, den er bei seinem ersten Auftritt vor allem vermitteln wollte: Paderborn soll mehr sein als nur der Einstieg ins Fußballlehrer-Geschäft. "Ich sehe das nicht als Sprungbrett", sagte er ungeachtet der beachtlichen Paderborner Trainerschule (André Breitenreiter, Roger Schmidt, Jos Luhukay). Der Eindruck, wonach er seine Ansprüche bei der Suche nach seinem ersten Trainerjob mangels Angeboten heruntergeschraubt habe, sei "falsch".

Es wird noch die eine oder andere Überraschung geben, positive wie negative. Wir werden zu den positiven zählen.

Stefan Effenberg über die 2. Liga

Mit Paderborn setze er sich vielmehr schon länger auseinander - auf Anraten des früheren Köln-, Leverkusen- und Dortmund-Managers Michael Meier, der schon vor Wochen "eine gewisse Tendenz" beim SCP ausgemacht haben soll. "Tu mir mal einen Gefallen, beschäftige dich mal ein bisschen mit Paderborn", habe er ihm laut Effenberg damals gesagt. Über Meier stellte der Bundesliga-Absteiger schließlich auch den Kontakt her, vergangenen Donnerstag fand in München das erste Treffen statt. Ein Anruf bei Ottmar Hitzfeld, mit dem Effenberg weiterhin in Austausch steht ("Das wird auch so bleiben"), habe die SCP-Verantwortlichen zwei Tage später dann endgültig von der prominenten Verpflichtung überzeugt.

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Entsprechend hatte Manager Born auch nur noch einen weiteren Kandidaten auf der Liste: Sören Osterland, der stattdessen Effenbergs Co-Trainer wurde. 2012 hatte der heute 29-Jährige als jüngster Absolvent überhaupt gemeinsam mit dem "Tiger" die Fußballlehrerlizenz erworben. Und auch wenn für ihn bei der Vorstellung am Mittwoch nur ein Platz unter den Journalisten blieb: Für Effenberg spielt Osterland, der zuletzt Hannover 96 II und Ungarns U 19 trainierte, eine entscheidende Rolle. Dieser sei ein "Experte am Laptop", antwortete er auf die Frage, was er selbst von der Generation "Laptop-Trainer" halte. "Es muss immer eine Mischung sein."

In zwei Wochen kehrt Effenberg nach Dortmund zurück

Effenberg, der zum Auftakt am Freitag Eintracht Braunschweig empfängt und in zwei Wochen im DFB-Pokal bei Borussia Dortmund antreten darf, will sich ein eigenes Trainerprofil schaffen, daran ließ er keine Zweifel. Hitzfeld sei "Mentor", nicht Vorbild, er sei "The New One", nicht "The Special One" (Mourinho) oder "The Normal One" (Klopp). Wobei: Normal klang er schon, als er über den Starkult um seine Person sprach ("Natürlich lebe ich in Paderborn, wo soll ich sonst leben?"). Speziell dagegen, als er nach seiner Spielweise gefragt wurde: "Ich werde nie etwas zur Taktik sagen", gab er zurück, "Sie werden sie erkennen."

Jörn Petersen