Bundesliga

Ecken, Pressing, Chancen: Bayern und Leipzig in der Analyse

Was zeichnet beide Mannschaften aus?

Ecken, Pressing, Chancen: Bayern und Leipzig in der Analyse

Topspiel am Samstag: Mit RB Leipzig und Bayern München treffen die momentan besten deutschen Mannschaften aufeinander.

Topspiel am Samstag: Mit RB Leipzig und Bayern München treffen die momentan besten deutschen Mannschaften aufeinander. Getty Images

Beim Topspiel am Samstag (18.30 Uhr, LIVE! bei kicker) stehen die Leipziger als defensivstärkstes Team mit erst 21 Gegentoren den Bayern als offensivstärkste Mannschaft mit 78 Treffern gegenüber. Dass beide Mannschaften äußerst spielstark sind, ist kein Geheimnis. Interessanterweise thronen sie aber nicht nur in der Punktetabelle auf den Plätzen eins und zwei. Auch bei den xGoals nach Standards sind sie das Maß der Dinge in der Bundesliga.

Hier liegt Leipzig mit 0,34 erwarteten Toren nach Standards pro Spiel auf Platz eins knapp vor den Bayern mit einem xGoals-Wert von 0,33.

Grund genug, die Standards der zwei Teams mit Hilfe von StatsBomb etwas genau zu beleuchten - insbesondere die Eckenausführungen.

Die Münchener konnten diese Saison bereits fünf Tore nach Ecken erzielen. Nur der SC Freiburg (6) und Bayer Leverkusen (8) waren in dieser Kategorie noch treffsicherer. RB schoss immerhin vier Tore nach einem Eckball.

Kimmichs Eckbälle führen besonders häufig zu Torabschlüssen

Die Bayern sind also etwas gefährlicher nach Ecken und verlassen sich hier weitestgehend auf Hereingaben von Joshua Kimmich, der 60 Prozent der 59 Eckbälle, die einen Torabschluss nach sich zogen, ausgeführt hat. Nicht zuletzt deshalb war Kimmich der Standardschütze für alle Eckball-Tore, die der Rekordmeister in dieser Saison erzielt hat.

Die Leipziger haben mit Christopher Nkunku zwar auch einen Spieler, der die Mehrheit der Eckbälle tritt - 53 Prozent aller 51 Ecken, die einen Abschluss nach sich zogen, wurden von ihm ausgeführt -, jedoch variierten die Standardschützen bei den Torerfolgen. Immerhin zwei Tore konnte Nkunku als Standardschütze beisteuern. Bei den übrigen zwei Toren nach Eckbällen konnten sich Forsberg und Angelino als Vorbereiter beweisen.

Ecke des FC Bayern

Bei Ecken für den FC Bayern wurde es oft gefährlich - vor allem wenn Joshua Kimmich sie ausführte. imago images

Nkunkus Hereingaben nach Ecken resultieren weniger oft in Toren und Abschlüssen als jene des deutschen Nationalspieles. Dabei macht es den Anschein, dass Nkunkus Ecken gezielt auf Höhe des ersten Pfostens geschlagen werden. Hier landen schließlich 63 Prozent aller Ecken des Franzosen. Bislang jedoch wenig von Erfolg gekrönt, da keine Ecke, die von einem Leipziger auf den ersten Pfosten geschlagen wurde, in einem Tor resultierte.

Kimmichs Hereingaben sind weniger eindeutig auf eine bestimmte Zone festzumachen. Die Hereingaben auf den ersten und zweiten Pfosten halten sich hier in der Waage. Doch auch hier wurde nur ein Eckball-Tor auf Höhe des ersten Pfostens erzielt.

Ein Merkmal auf beiden Seiten: das Angriffspressing

Ein Merkmal, das beide Mannschaften auszeichnet, ist das aggressive Pressing. Schon immer verankert in der RB-DNA, lässt besonders Hansi Flick auch ein ausgeprägtes Angriffspressing bei den Bayern spielen.

Tacklingmap Bayern-Leipzig

Die Tacklingmap zeigt, in welchem Bereich Bayern München beziehungsweise RB Leipzig Zweikämpfe führen. Der Rot-Ton gibt die Häufigkeit an. StatsBomb

Die Bayern attackieren jedoch etwas offensiver als der Verfolger aus Leipzig. Sie haben nicht nur insgesamt mehr Tacklings geführt, sondern mit 20 Prozent aller Tacklings im gegnerischen Drittel auch sieben Prozent mehr als die Leipziger. Der Rekordmeister presst extrem viel und schon sehr hoch. Auf der anderen Seite macht das die Mannschaft von Hansi Flick natürlich anfälliger für Konter. Auch darum und weil das gesamte Spiel häufig in die gegnerische Hälfte verlagert wird, führen die Münchener konsequenterweise so viele Zweikämpfe schon in der gegnerischen Hälfte. Da die Leipziger Mannschaft nicht ganz so dominant agiert oder agieren kann, hat sie im mittleren und eigenen Drittel mehr Zweikämpfe geführt als der deutsche Branchenprimus.

Interessantes Detail in Leipzigs Zweikampfführung

Interessant ist, dass bei Leipzig fast zwei Drittel aller Zweikämpfe innterhalb des mittleren Drittels an den äußeren Zonen geführt werden. Das kann darauf hindeuten, dass die Leipziger versuchen das Zentrum zu schließen, um den gegnerischen Aufbau auf eine Seite zu leiten. Der Vorteil hierbei ist, dass die Anspielmöglichkeiten im Vergleich zum Zentrum geringer sind - schließlich ist auf einer Seite die Außenlinie. Die Bayern haben in diese äußeren Zonen zwar auch die meisten Zweikämpfe geführt, jedoch etwas weniger als die Leipziger.

Beide Mannschaften ähneln sich also hinsichtlich ihrer offensiv ausgerichteten Defensive, während die Bayern jedoch noch aggressiver als die Leipziger agieren und die Sachsen ihrerseits verstärkt auf Balleroberungen auf den seitlichen Zonen im mittleren Drittel setzen.

Flanke und flache Pässe: feine Unterschiede beim Herausspielen von Chancen

Auch hinsichtlich des Herausspielens von Chancen gibt es Parallelen, aber auch feine Unterschiede. Leipzig spielt etwas öfter den flachen Pass in den gegnerischen Strafraum. Bevorzugt gehen diese Pässe in die Räume rechts und links des gegnerischen Fünf-Meter-Raumes, um hier einen Querpass entweder in den Rücken der Abwehr oder zwischen Abwehr und Torhüter zu spielen. Im Idealfall muss dann ein Stürmer nur noch den Fuß hinhalten oder ein Abwehrspieler bugsiert beim Klärungsversuch den Ball selbst ins Tor. In ganz ähnlicher Manier probieren es auch die Bayern - wenn auch nicht ganz so häufig.

Angriff von RB Leipzig

Der äußere Rand des gegnerischen Fünf-Meter-Raums ist häufig das Ziel von RB Leipzigs Offensivbemühungen. imago images

Flicks Team greift noch etwas häufiger auf Chip-Bälle aus dem Halbfeld in genau die Zonen wie eben beschrieben zurück, aber noch häufiger auf Flanken. Mit Lewandowski, der am Samstag aber bekanntermaßen fehlt, und einem nachrückenden Leon Goretzka hat man aufgrund der Größe ideale Abnehmer, die entweder selbst abschließen oder den Ball festmachen und ablegen können. Leipzig greift zwar auch auf Flanken zurück, aber nicht so gezielt wie die Bayern und wenn, dann primär über die linke Seite durch Angelino - der aber zuletzt verletzt fehlte.

Die spannende Frage bleibt: Wie agieren beide Mannschaften im Topspiel, nicht zuletzt aufgrund der Verletzungen auf beiden Seiten wird das Offensivspiel womöglich etwas angepasst werden. Aus defensiver Sicht dürfen sich Fans, Zuschauer und Beobachter aber auf ein äußerst intensives Spiel freuen - das beiden Mannschaften alles abverlangen wird.

Steffen Geyer