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E10: Der ungeliebte Bio-Sprit

Niedriger Marktanteil - Günstiger, umweltfreundlicher, für die meisten Fahrzeuge verträglich

E10: Der ungeliebte Bio-Sprit

Längst keine neue Sorte mehr: Super E10 fließt in Deutschland schon seit neun Jahren aus dem Zapfhahn.

Längst keine neue Sorte mehr: Super E10 fließt in Deutschland schon seit neun Jahren aus dem Zapfhahn. ule

Seit Januar 2011 wird an deutschen Tankstellen die Benzinsorte E10 angeboten. Das "E" steht dabei für "Ethanol", die Zahl "10" markiert eine Prozentangabe. Heißt: Bei E10 handelt es sich um einen fossilen Otto-Kraftstoff, dem maximal 10 Prozent Ethanol beigemischt wurde. Gewonnen wird das Ethanol durch die Vergärung von Zuckern, die in Pflanzen wie Getreide, Mais oder Zuckerrüben enthalten sind. Deshalb firmiert E10 als Biokraftstoff.

Kostenvorteil entgeht

In Deutschland ist E10 bislang nicht zur Erfolgsgeschichte geworden. Anders als beispielsweise in Frankreich oder den Niederlanden, wo überwiegend E10 in die Fahrzeugtanks fließt, erreicht die Sorte bei uns nur einen Marktanteil von 14 Prozent. Eigentlich erstaunlich: Während viele Autofahrer schon mal einen Umweg in Kauf nehmen, um anderswo einen Cent pro Liter einzusparen, lassen sie sich den nicht unerheblichen Kostenvorteil von E10 entgehen: Im bundesweiten Durchschnitt liegt der Literpreis um etwa fünf Cent niedriger als der von herkömmlichem Super.

Der ADAC will's wissen

Diese Zurückhaltung hat jetzt den ADAC beschäftigt. Im Rahmen einer Umfrage unter mehr als 1800 Teilnehmern wollte der Club in Erfahrung bringen, weshalb Super E10 von deutschen Autofahrern kaum getankt wird.

Über die Hälfte der E10-Skeptiker gab an, unsicher zu sein, ob ihr Fahrzeug E10 überhaupt verträgt. 23 Prozent der Befragten fühlten sich unzulänglich über die Vor- und Nachteile des Alternativ-Sprits informiert. Weitere 18 Prozent befürchteten höhere Kosten, 17 Prozent erklärten, aus purer Gewohnheit beim konventionellen Kraftstoff zu bleiben. Und 14 Prozent äußerten Bedenken hinsichtlich des Umwelt- und Klimaschutzes.

Tank statt Teller?

Tatsächlich ist E10 schon bei seiner Einführung vor neun Jahren durchaus kontrovers diskutiert worden. Dass Nahrungsmittel im Tank statt auf dem Teller landen, sei ethisch fragwürdig, monieren die Kritiker, Umweltorganisationen wie der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) oder Greenpeace stellen zudem die ökologische Sinnfrage, unter anderem der für die Biomasse benötigten Anbauflächen und eventueller Monokulturen wegen.

Die Befürworter hingegen argumentieren, dass Bioethanol strikte Nachhaltigkeitskriterien erfüllen muss. So unterliegt Biosprit der nationalen Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung, die vorsieht, dass gegenüber rein fossilen Kraftstoffen eine Treibhausgasminderung von mindestens 60 Prozent gegeben sein muss. Zudem darf der Anbau der benötigten Pflanzen keine Flächen mit hohem Naturschutzwert oder hohem Kohlenstoffbestand (Wälder oder Moore etwa) zerstören.

Nach Angaben des Bundesverbandes der deutschen Bioethanolwirtschaft werden aktuell nur rund zwei Prozent der deutschen Ackerflächen für die Produktion des im Straßenverkehr eingesetzten Bioethanols verwendet. Zudem würden als pflanzliche Grundstoffe lediglich Industrierüben und Getreide mit Futtermittelqualität eingesetzt, keine Nahrungsmittel also.

CO2-Ersparnis

"Wenn alle geeigneten Pkw mit Super E10 betankt werden würden, könnten in Deutschland bis zu 3 Millionen Tonnen CO2 jährlich eingespart werden", sagt Karsten Schulze, Technikpräsident des ADAC. Auch bei der Verbrennung von E10 wird zwar CO2 freigesetzt. Andererseits aber haben die rohstofflichen Pflanzen während ihrer Wachstumsphase auch CO2 aufgenommen, was die Öko-Bilanz im Idealfall besser aussehen lässt. Daneben schont die Beimischung von Bio-Ethanol die Erdöl-Resourcen.

Kaum Mehrverbrauch

So viel zum Umwelt-Aspekt. Wie aber sieht es mit den anderen Argumenten aus, die als E10-Vorbehalte ins Feld geführt wurden? Zunächst zum Verbrauch: Tatsächlich liegt der Energiegehalt von Ethanol etwa ein Drittel niedriger als der von Benzin, in der Beimischung ergibt sich eine Differenz von knapp zwei Prozent. Andererseits besitzt Ethanol laut ADAC bessere Verbrennungseigenschaften und erhöht die Oktanzahl. Messungen, die der Club auf seinem Abgasprüfstand durchgeführt hat, ergaben für E10 nur einen Mehrverbrauch von 1,5 Prozent.

Verträglichkeit prüfen

Bleibt die Frage der technischen Verträglichkeit. Tatsächlich sind bei Autos, die nicht für den E10-Betrieb taugen, schon bei einmaliger Fehlbetankung schwere Schäden möglich. So kann das Ethanol Aluminium oder Kunststoffe, wie sie etwa in Dichtungen und Schläuchen verbaut sind, angreifen und möglicherweise Leckagen im Kraftstoffsystem verursachen. Glück im Unglück hat unter Umständen, wer den Griff zum falschen Zapfhahn schnell bemerkt und den Tank umgehend mit einer ethanolarmen Kraftstoffsorte (am besten Super Plus) auffüllt. Schwieriger wird es hingegen, wenn das Fahrzeug eine volle Ladung E10 abbekommen hat. Dann geht es womöglich nicht ohne Abpumpen des Kraftstoffs ab.

Bedenken unbegründet

Für die allermeisten Fahrzeuge stellt sich dieses Problem freilich nicht. So gut wie alle neuen Autos und Motorräder vertragen E10 ohne jede Einschränkungen, laut Deutscher Automobil Treuhand (DAT) sind alle Benziner, die ab 2012 in Deutschland zum Verkauf angeboten werden, entsprechend geeignet. Wer ganz sicher gehen will, sieht in der Betriebsanleitung nach. Oder informiert sich online bei der DAT (www.dat.de/e10): Dort steht eine Liste der E10-kompatiblen Fahrzeuge als Download zur Verfügung.

Ulla Ellmer