2. Bundesliga

Dynamo-Geschäftsführer Wehlend: "Ich bin tierisch zerknirscht"

Nach Abbruch der digitalen Mitgliederversammlung

Dynamo-Geschäftsführer Wehlend: "Ich bin tierisch zerknirscht"

Dynamos Geschäftsführer Jürgen Wehlend stand Medienvertreter Rede und Antworten.

Dynamos Geschäftsführer Jürgen Wehlend stand Medienvertreter Rede und Antworten. imago images

Um kurz nach 10 Uhr am Samstagmorgen hatte Dynamos Präsident Holger Scholze laut Klubangaben die digitale Mitgliederversammlung gerade eröffnet, da traten technische Probleme auf. Zu Tagesordnungspunkt 2, der Abstimmung der Dynamo zufolge 411 zugeschalteten Mitglieder über die Zulassung der Presse zu der Veranstaltung, kam es nicht mehr. Aufgrund der anhaltenden Probleme wurde die Mitgliederversammlung am Mittag abgebrochen. "Das ist kein Hexenwerk. So etwas funktioniert normalerweise. Warum es diesmal nicht funktioniert hat, bleibt abzuwarten", sagte Jürgen Wehlend (55) später über die digitale Veranstaltung.

Zudem sprach Dynamos Finanz-Geschäftsführer am Samstagnachmittag in einer Medienrunde über:


… den Abbruch der digitalen Mitgliederversammlung:
"Ich bin tierisch zerknirscht. Es war am Ende wirklich alternativlos, das Ding abzubrechen, denn wir hatten zwei große Probleme technischer Natur, die offensichtlich unabhängig voneinander aufgetreten sind. (…) Der Dienstleister wird die technischen Probleme analysieren. Die bezogen sich einmal auf die Situation im Rechenzentrum selbst, und das andere ist die Konferenz-Software. Das ist ein cloud-basiertes System."


… die Folgen des Abbruchs und das weitere Vorgehen des Vereins:
"Wir werden auch die rechtliche Situation analysieren. Erste Anfragen gibt es schon, was den Status dieser Mitgliederversammlung angeht. Ich möchte das gar nicht erst hochkochen lassen. Nach meinem Dafürhalten hat die Sitzung zunächst einmal in dieser Form stattgefunden, sie konnte nicht fortgesetzt werden. Es haben keine Wahlen stattgefunden. Nach meiner Erfahrung, wenn es um Wahlen einer Mitgliederversammlung geht, die nicht stattgefunden haben, bleiben alle Gremien weiter im Amt, bis die entsprechende Wahl stattgefunden hat. Aber das werden wir noch mal bewerten. Das machen wir bis Montag oder Dienstag. Am Donnerstag wird es eine Sitzung des Aufsichtsrats geben, an der auch der Präsident, Holger Scholze, der Ehrenratsvorsitzende, Wolfgang Lessing, und Karsten Reisinger für den Jugendrat teilnehmen. Da werden wir die weitere Vorgehensweise festlegen."


… zeitliche Fristen bei der Einberufung einer neuen Mitgliederversammlung und die im November anstehende nächste reguläre Versammlung:
"Es wird darum gehen zu entscheiden, ob man das Szenario macht, das auch als Alternative im Raum gestanden hatte, nämlich beide Mitgliederversammlungen im November stattfinden zu lassen, auch aus Gründen der Kosteneffizienz. Wir befinden uns immer noch in der Corona-Pandemie, also auch in einer wirtschaftlichen Krise. (…) Ich halte das (eine Doppel-MV im November, d. Red.) für realistisch aufgrund der Fristen und aus Gründen der Effizienz. (…) Ich gehe nach heute davon aus, dass wir den Versuch einer weiteren Online-Veranstaltung nicht zwangsläufig ins Visier nehmen werden."


… den Dienstleister, auf den Dynamo zur Durchführung der digitalen Mitgliederversammlung gesetzt hatte:
"Ich kann dazu gar nicht so viel sagen, weil ich in den Auswahlprozess nicht involviert war. Das ist schon letztes Jahr gelaufen (Wehlend ist erst seit dem 1. Januar dieses Jahres im Amt, d. Red.). Es gab Testveranstaltungen mit mehreren Anbietern. Man hat sich dann für Linkando entschieden, die eigentlich Spezialisten sind für die Größe der Veranstaltung, mit der wir gerechnet hatten. Wir haben mit maximal 1000 Teilnehmern geplant. Am Montag gab es einen Test, da hat es eigentlich wunderbar funktioniert. Es gab hier und da eine kleine Auffälligkeit, die behoben wurde. Das waren aber keine grundlegenden Probleme. Wir haben auch Probeabstimmungen gemacht. Die haben auch funktioniert."


… die Frage, ob das System durch sehr viele, plötzlich hinzugekommene Mitglieder überlastet worden sein könnte:
"Nein. Das kann nicht sein vom System her. Es gab Belastungstests mit 3000 Teilnehmern."


… die Frage, ob er einen Hacker-Angriff ausschließen könne:
"Das kann ich nicht ausschließen. Ich kann gar nichts ausschließen zurzeit. Das ist alles denkbar und möglich. Nur fehlt mir die Fantasie, offen gesagt."


… mögliche Schadensersatzforderungen gegenüber dem Dienstleister:
"Wir werden sehr konkret darüber sprechen müssen, welche Schadenersatzforderungen es gibt - wobei das auch immer nachzuweisen ist. Aber wir reden über einen erheblichen Aufwand, der für die Vorbereitung der Veranstaltung entstanden ist."


… die Verantwortung bei Dynamo für die Durchführung der Mitgliederversammlung:
"Ich möchte nicht, dass da ein falscher Zungenschlag reinkommt oder dass man das beim Präsidium oder bei unserem Präsidenten ablegt. Es ist Aufgabe der Geschäftsführung, die Mitgliederversammlung vorzubereiten und durchzuführen. Wenn Sie fragen, wer die Verantwortung trägt, dann sitzt der hier vor Ihnen."


… die Veröffentlichung des Finanzberichts für das Geschäftsjahr 2019/2020, der auf der digitalen Mitgliederversammlung hatte vorgestellt werden sollen:
"Die Mitglieder haben immer vor einer ordentlichen Mitgliederversammlung die Möglichkeit, in der Geschäftsstelle die Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung einzusehen. Das haben auch einige Mitglieder gemacht. Für alle anderen müssen wir jetzt eine geeignete Form finden. Möglicherweise machen wir eine Bilanz-Pressekonferenz."


… Dynamos Finanzen:
"Wir haben den drohenden Verlust von 5,8 Millionen Euro auf 4 Millionen reduzieren können (für das noch bis zum 30. Juni laufende Geschäftsjahr 2020/2021, d. Red.). Mit ein bisschen Glück kommen wir vielleicht sogar in eine Region von minus 2,5 bis 3 Millionen Euro. Das ist ein hervorragendes Ergebnis - unter diesen Bedingungen. Insofern sehe ich uns gut aufgestellt für die nächste Zweitliga-Saison. (…) Im vergangenen Jahr (2019/2020, d. Red.) war es so, dass wir unter schweren Bedingungen einen Jahresüberschuss von 1,25 Millionen Euro erwirtschaftet haben. Dieses Ergebnis war aber auch durch Transfererlöse geprägt, unter anderem für Moussa Koné (wechselte im Januar 2020 zu Olympique Nimes, d. Red.)."

Jan Reinold