Europa League

"Dürfen nicht glauben, wir fahren mit Badeschlapfen hin"

Hinspiel-Siege für Rapid und LASK

"Dürfen nicht glauben, wir fahren mit Badeschlapfen hin"

Rapid behielt gegen Anorthosis Famagusta klar die Oberhand.

Rapid behielt gegen Anorthosis Famagusta klar die Oberhand. APA/Herbert Pfarrhofer

Rapid und der LASK haben nach dem Hinspielen am Donnerstag in der Qualifikation zur Europa League beziehungsweise zur Conference League alle Trümpfe in der Hand, um ins jeweilige Playoff einzuziehen. Für die Wiener spricht nach dem 3:0-Erfolg über Anorthosis Famagusta alles dafür, dass sie im Herbst in einer europäischen Gruppenphase vertreten sein werden.

Europacup-Quali 3. Runde

Auf die leichte Schulter genommen wird die Retourpartie kommenden Donnerstag in Larnaca aber nicht. "Wir dürfen nicht glauben, wir fahren mit Badeschlapfen hin", betonte Rapid-Trainer Dietmar Kühbauer. Auf Zypern erwarten die Hütteldorfer andere Bedingungen als in der Heimat, etwa große Hitze. Auch deshalb tut der Vorsprung gut. "3:0 ist eine gute Basis für das Rückspiel. Wir haben uns aufgrund unserer Leistung in eine gute Position gebracht", war der Burgenländer zufrieden. Das wusste auch 3:0-Torschütze Marco Grüll: "Das 3:0 ist ein ganz gutes Ergebnis, wir haben uns eine super Ausgangsposition geschaffen."

Vorzeitige Gratulationen für den Aufstieg wollte aber niemand entgegennehmen. "Wir werden nicht nach Zypern fliegen und sagen: 'Wir sind schon in der nächsten Runde'. Das auf keinen Fall, es ist noch nicht gegessen", warnte Kühbauer. Das unterstrich auch Kapitän Maximilian Hofmann: "Es ist erst die halbe Miete, wird nächste Woche genauso schwierig."

Kühbauers einziger Kritikpunkt

Die Leistung vor 11.400 Zuschauern im Allianz-Stadion stimmte jedenfalls zuversichtlich. Ercan Kara (35.), Taxiarchis Fountas (64.) und Grüll (83.) münzten die Überlegenheit der Hausherren in Tore um. "Man hat gesehen, dass die Spieler sehr fokussiert waren. Den Ausschlag hat gegeben, dass wir viel besser im Spiel waren. Man hat gesehen, dass wir schon in der Meisterschaft stehen, sie nicht", analysierte Kühbauer.

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Nicht ins Gewicht fiel, dass Christoph Knasmüllner einen Elfmeter in der 62. Minute vergab. Dass es zuvor Diskussionen über den Schützen gegeben hatte, war die einzige Sache, die Rapids Coach am Donnerstagabend missfiel. "Sie diskutieren gerne, am Platz sollte aber einer schießen und der hat es gewusst. Das ist das Einzige, was mir nicht gefallen hat", gab Kühbauer Einblick. Der Fehlschuss war der einzige Schwachpunkt von Knasmüllner in der Partie. Der 29-jährige Offensivspieler meisterte sonst seine ungewohnte defensivere Rolle als Ersatz von Dejan Petrovic bravourös.

LASK-Trainer Thalhammer: Daran "müssen wir noch arbeiten"

In Novi Sad war für den LASK viel Kampf und Geduld nötig, um den Grundstein für den Sprung ins Playoff der Conference-League-Qualifikation zu legen. Vojvodina erwies sich als hartnäckiger Kontrahent mit kämpferischer Note. Am Ende jubelten aber die Linzer über einen knappen 1:0-Sieg, der dank Peter Michorls Treffer per Fernschuss die Tür zum Aufstieg einmal aufstieß.

"Wir haben defensiv erneut wenig zugelassen, in der neuen Saison haben wir bisher nur ein Gegentor erhalten. An unserem Spiel im letzten Drittel müssen wir noch arbeiten, wir hätten einige Aktionen besser zu Ende spielen müssen", sagte der gefühlt nie zufriedene LASK-Trainer Dominik Thalhammer. 15 Schüsse Richtung gegnerisches Tor gaben seine Schützlinge ab, sieben davon aufs Gehäuse. Als Aktivposten tat sich Alexander Schmidt hervor, der bei seinen Abschlüssen aber an Vojvodinas starkem Keeper Nikola Simic scheiterte.

Der Tausend-Gulden-Schuss hat uns dann endgültig wachgerüttelt.

Peter Michorl

"Vojvodina ist sehr aggressiv aufgetreten und hat immer wieder versucht, unseren Spielfluss zu stören. Da müssen wir im Rückspiel ansetzen und in solchen Situationen die Ruhe bewahren. Dann stehen die Chancen gut", meinte der Mittelstürmer der Athletiker. Der im Sommer von St. Pölten zurückgekehrte Schmidt zeigte erneut eine Probe seines Könnens. Er wird vorerst weiter Marko Raguž ersetzen, der sich nach seinem Kreuzbandriss derzeit mit muskulären Problemen plagt.

Grgic und Letard beweisen Qualität

Im Mittelfeld rackerte auf holprigem Terrain neben Michorl wieder Lukas Grgic. Der 25-Jährige hat den Platz von James Holland übernommen, der bei Thalhammer nicht mehr gefragt ist. Der Australier machte die Reise nach Serbien gar nicht mit. Ein weiterer Akteur, der die Qualität nicht abfallen ließ, war Yannis Letard. Der von St. Gallen geholte Franzose (22) spielte seinen Part in der Abwehr bis zu seinem Austausch souverän und betrieb Werbung in eigener Sache. Dario Marešic kam erst 20 Minuten vor Schluss für den angeschlagenen Letard aufs Feld. Als Abwehrchef war Philipp Wiesinger immer auf dem Posten.

Nur einmal war es für den LASK brenzlig: als Vojvodina-Kapitän Nemanja Covic fast aus dem Stand an die Stange schoss. "Phasenweise hatten wir zu wenig Tempo im Spiel, da ist es Novi Sad gelungen, uns einzulullen. Der Tausend-Gulden-Schuss hat uns dann endgültig wachgerüttelt", urteilte Michorl. Für ihn und seine Kollegen ging es nach der Partie wieder auf die eineinhalbstündige Rückreise nach Belgrad. Von der serbischen Hauptstadt brach der LASK am Freitag Richtung Innsbruck auf. Am Sonntag steht die Auswärtspartie bei der WSG Tirol auf dem Programm.

Vor dem Rückspiel gegen Vojvodina muss der LASK dann erneut reisen. Die Partie findet für die im Europacup heimatlosen Athletiker in Klagenfurt statt, da das Paschinger Kleinstadion den Ansprüchen der UEFA nicht genügt. Sollte der LASK den Aufstieg schaffen, winkt ein Aufeinandertreffen mit einem namhaften Klub. Der türkische Rekordmeister Galatasaray musste sich gegen den schottischen Cupsieger St. Johnstone in der Europa-League-Qualifikation im Hinspiel am Bosporus mit einem 1:1 begnügen. Der Verlierer der Paarung steigt ins Playoff der Conference League um.

apa, dm