Bundesliga

Nagelsmann exklusiv: "Du musst auch auf die Nase fallen"

Nagelsmann exklusiv über den Bayern-Job und die Quote von Sané & Co.

"Du musst auch auf die Nase fallen"

Plant bei Bayern "kleine Entwicklungsschritte": Julian Nagelsmann.

Plant bei Bayern "kleine Entwicklungsschritte": Julian Nagelsmann. imago images/MIS

Wenn der erste - in diesem konkreten Fall direkt erlebte - Eindruck tatschlich so wesentlich ist, dann hat der FC Bayern München zur neuen Saison einen höchst spannenden, vielversprechenden Trainer verpflichtet. Julian Nagelsmann (33) kommt im Interview, das er mit dem kicker für das an diesem Donnerstag erscheinende Bundesliga-Sonderheft 2021/22 geführt hat, ungemein frisch rüber, flott, mitreißend.

Dieser Fußball-Lehrer lebt, passend zu seiner schnellen Sprechweise, Energie vor, Power, Überzeugung. Er weiß, worauf er sich mit seiner Unterschrift unter den auf fünf Jahre vereinbarten Vertrag eingelassen hat. Die hohen Erwartungen beim Rekordmeister kennt Nagelsmann genau und den "großen Unterschied" zu anderen Klubs, sollten die beim FCB gewohnten und geforderten Siege ausbleiben: "Die Konsequenz ist in München dramatischer."

Coman, Gnabry, Sané: "Die Quote geht noch etwas besser"

Nagelsmann hat klare Vorstellungen von seinem Fußball. "Eine mutige Spieleröffnung ohne viele lange Bälle" strebt er an, Spielkontrolle "durch gutes und häufiges Gegenpressing". Eine hohe Bedeutung haben für ihn "Spielbeschleunigungselemente". Muss es ganz besonders rasant nach vorne gehen, sind auch "hohe Zielbälle ein Mittel, das gegnerspezifisch genutzt wird".

Wichtig ist diesem Trainer, dass seine Spieler "die ideale Positionierung im torgefährlichen Raum" einnehmen. Zu den Außenstürmern Kingsley Coman, Serge Gnabry und Leroy Sané sagt der neue FCB-Chefcoach richtig: "Alle drei haben eine überragende Qualität, aber die Quote geht noch etwas besser." Genauso hat Nagelsmann verschiedene Vorstellungen zur Stabilisierung der Defensive, die in der vorigen Bundesliga-Saison 44 Treffer zuließ. Schon das Gegenpressing müsse da aktiver praktiziert werden.

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Dennoch strebt er keine "revolutionäre Neugestaltung" an. Der Erhalt des hochwertigen Bestandes soll durch "kleine Entwicklungsschritte" ergänzt werden, "an den Stellen, wo es nicht so gut läuft". Nagelsmann ist sich bewusst, dass er "eine herausragende Mentalität plus eine herausragende Qualität" vorfindet. Den Stars will er ihre Freiheiten zur Selbstverwirklichung lassen und sie "begleiten", wie er es nennt. "Ich muss da nicht alles auf den Kopf stellen."

Seine Menschenführung und sein für ihn typisches Auftreten wird Nagelsmann beibehalten. "Ich werde hier keine Rolle spielen", betont er. "Ich möchte mich in meinem Job nie verstellen." Sollte er nicht mehr der Julian Nagelsmann sein können, "der ich bin, werde ich den Job nicht mehr machen".

Nagelsmann selbst charakterisiert sich so: "Ich bin ein sehr lebensfroher, lebensbejahender Typ mit meistens guter Laune." Diese Eigenschaften bestätigt er im knapp 50-minütigen Gespräch, in dem er auch auf den Hund von Uli Hoeneß zu sprechen kommt oder auf die Schrammen, die er sich einstmals mit seinen - zu Recht - kritischen Aussagen zu Silvester ("Ein schwachsinniges Fest") einhandelte. "Du musst auch auf die Nase fallen", sagt Nagelsmann. "Erfahrung gibt dir das Leben, du bekommst sie über Erlebnisse."

Karlheinz Wild

Das große Interview mit Nagelsmann lesen Sie im Klassiker - dem Bundesliga-Sonderheft des kicker. Erhältlich ist es ab diesem Donnerstag im Handel oder hier im kicker-Shop.

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