Tennis

DTB-Team selbstbewusst: "Wir sind hier, um das Ding zu holen"

Vor dem Davis-Cup-Halbfinale gegen Russland

DTB-Team selbstbewusst: "Wir sind hier, um das Ding zu holen"

Hat eine Abneigung gegen gewisse Floskeln: Davis-Cup-Kapitän Michael Kohlmann.

Hat eine Abneigung gegen gewisse Floskeln: Davis-Cup-Kapitän Michael Kohlmann. imago images/Paul Zimmer

Das Objekt der Begierde ist für die deutschen Gipfelstürmer im Davis Cup schon greifbar - im wahrsten Sinne des Wortes. Am Rande des Centre Courts in Madrid ist dieses über 100 kg schwere Monstrum von Trophäe aufgestellt, bei den Trainings erhielten Jan-Lennard Struff und Co. dadurch einen gewaltigen Anreiz. "Bisher haben wir die Schüssel nur auf Plakaten gesehen. Ich glaube, dass das nochmal eine Extra-Motivation ist", sagte Kapitän Michael Kohlmann und machte die Ansage: "Wir sind hier, um das Ding zu holen."

Halbfinale ist nicht das Ziel

Am Samstag (13 Uhr) will seine Mannschaft der "hässlichsten Salatschüssel der Welt" auch sportlich näher kommen - obwohl sie im Halbfinale wieder einmal Außenseiter ist. Denn das russische Team um US-Open-Champion Daniil Medvedev und Andrej Rublev ist der wohl größte Brocken im Turnier. Und doch stellt sich die Auswahl des DTB mit breiter Brust entgegen.

"Wir sind bereit und heiß, wir wollen diesen nächsten Schritt machen. Halbfinale ist nicht das, was wir uns auf die Fahne geschrieben haben", sagte Kohlmann selbstbewusst: "Jetzt sind wir so nah dran. Wir sehen keinen Grund, warum wir uns damit zufrieden geben sollten." Erstmals seit 1993, dem bislang letzten von drei Titelgewinnen im prestigeträchtigen Mannschaftswettbewerb, kann ein DTB-Team wieder das Finale erreichen.

Die Nummer 2 und 5 der Welt warten

Natürlich sei die Außenseiterrolle gegen Medvedev und voraussichtlich Rublev nicht wegzudiskutieren. "Wir sprechen von der Nummer zwei und der Nummer fünf der Welt. Das ist schon eine Aufgabe", sagte Kohlmann, betonte aber auch: "Dieser Wettbewerb hat in den vergangenen Tagen gezeigt, dass immer wieder Überraschungen möglich sind. Da setzen wir an."

Nach der Ankunft aus Innsbruck hatten sich die deutschen Spieler schon stilecht mit Paella, Manchego-Käse und iberischem Schinken auf ihre Mission in Madrid eingeschworen. Und dass sie dank hervorragendem Teamgeist auch ohne den urlaubenden Weltklassespieler Alexander Zverev vor großen Namen keine Angst haben müssen, bewiesen sie schon zur Genüge.

Sowohl Serbien um den Weltranglistenersten Novak Djokovic in der Vorrunde als auch im Viertelfinale die favorisierten Briten um Indian-Wells-Sieger Cameron Norrie hatten das Nachsehen - schließlich hatte der DTB im Spitzendoppel Kevin Krawietz/Tim Pütz in allen bisherigen drei Partien ein Ass im Ärmel. Bei den Russen, die als Folge der Sanktionen nach dem Staatsdopingskandal offiziell als "Russischer Tennisverband" auflaufen, stehen hingegen gleich zwei Einzelspieler von allerhöchstem Format gegenüber.

Wenn man drei Partien hintereinander bei 1:1 gewinnt, kann man schon mit breiter Brust rausgehen.

Michael Kohlmann

Für das deutsche Team geht es deshalb wieder darum, die Entscheidung im Doppel zu erzwingen - schließlich haben Pütz (7:0) und der zweimalige French-Open-Sieger Krawietz (6:0) im Davis Cup noch kein Match verloren. "Wenn es dann wirklich 1:1 steht, werden sich die Russen auch überlegen, was Sache ist", sagte Kohlmann: "Wenn man drei Partien hintereinander bei 1:1 gewinnt, kann man schon mit breiter Brust rausgehen."

bst/sid