Handball

Druck auf deutsche Handballer steigt: Kein Olympia ist keine Option

Auftakt am Freitag gegen Schweden

Druck auf deutsche Handballer steigt: Kein Olympia ist keine Option

Ab Freitag wird es ernst: DHB-Präsident Andreas Michelmann (li.) und HBL-Präsident Uwe Schwenker.

Ab Freitag wird es ernst: DHB-Präsident Andreas Michelmann (li.) und HBL-Präsident Uwe Schwenker. imago images

Zwei der mächtigsten Männer im deutschen Handball erhöhen vor dem Olympia-Qualifikationsturnier am Wochenende in Berlin den Druck auf die Nationalmannschaft. Sollte die DHB-Auswahl ein Ticket für die Spiele in Tokio verpassen, könnte das laut Verbandspräsident Andreas Michelmann schwerwiegende Folgen haben.

"Wir haben das ja schon 2012 gesehen, als wir nicht bei Olympia dabei waren. Das könnte wie ein Katalysator in die negative Richtung wirken", sagte der 61-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Bundesliga-Präsident Uwe Schwenker beschäftigt sich in dem gemeinsamen Interview dagegen nicht mit dem Worst Case. "Ich gehe von einer erfolgreichen Olympia-Qualifikation aus", sagte das HBL-Oberhaupt.

Schweden, Slowenien, Algerien

Beide wissen allerdings, dass die DHB-Auswahl nach dem historisch schlechten zwölften Platz bei der WM im Januar nun vor einer großen Herausforderung steht. Beim Quali-Turnier in Berlin trifft die Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason von Freitag bis Sonntag auf Vize-Weltmeister Schweden, den EM-Vierten Slowenien und Algerien. Zwei Teams der Vierergruppe sichern sich ein Tokio-Ticket.

"Das ist kein Selbstläufer. Als deutsche Nationalmannschaft können wir diese Aufgabe zwar selbstbewusst angehen, aber auch mit dem entsprechenden Respekt", sagt Schwenker. In der Außenseiterrolle sieht der 61-Jährige die deutsche Mannschaft trotz der schwachen WM nicht. "Ich glaube, wenn wir alle Mann an Bord haben, haben wir eine Mannschaft, die absolut in der Lage ist, auf Augenhöhe mit den besten Nationalteams zu spielen."

Irritationen wegen Gold-Träumen

An den Gewinn der olympischen Goldmedaille denkt Schwenker anders als die DHB-Spitze aber längst nicht. Dass DHB-Vizepräsident Bob Hanning und Michelmann auch nach der enttäuschenden WM von Olympia-Gold geredet hatten, sorgte in der Liga zwischenzeitlich für Irritationen. Michelmann hat schon Urlaub für die Spiele vom 23. Juli bis 8. August geplant, über die Goldmedaille will er vor dem Qualifikationsturnier aber nun erst einmal nicht mehr sprechen.

An der bereits vor Jahren vom DHB formulierten Gold-Vision hält er zwar fest. "Aber Uwe Schwenker hat natürlich auch Recht, und es ist jetzt völlig korrekt, dass wir uns erstmal auf die Olympia-Qualifikation konzentrieren", sagte der Oberbürgermeister von Aschersleben. Denn unabhängig vom Gewinn einer Medaille hat allein die Teilnahme an den Spielen für den DHB eine immense Bedeutung.

Auch für den Nachwuchs wäre eine Qualifikation wichtig

"Wenn wir es schaffen, uns in Berlin gegen Schweden, Algerien und Slowenien durchzusetzen, dann wird das höchstwahrscheinlich nicht nur für positive Stimmung sorgen", sagte Michelmann. "Sondern das löst möglicherweise auch einen Impuls aus, dass die Kids eher wieder Handball spielen als im Fall eines Misserfolgs." Gerade in Corona-Zeiten, in denen nicht nur der Nachwuchs seit Monaten keinen Handball mehr spielen kann, wäre ein Erfolg in Berlin wichtig.

Immerhin kann Bundestrainer Gislason in der Max-Schmeling-Halle wieder auf Leistungsträger wie Hendrik Pekeler, Patrick Wiencek, Fabian Wiede oder Steffen Weinhold setzen, die in Ägypten aus unterschiedlichen Gründen gefehlt hatten. "Der Bundestrainer und die Spieler haben mein absolutes Vertrauen. Unsere Mannschaft kann in Berlin selbstbewusst in jede der Begegnungen gehen", sagte Schwenker.

dpa