Handball

kicker-Kolumne von Bob Hanning über Gislasons drei Kniffe

Die Handball-Kolumne von Füchse-Boss Bob Hanning

Drei Kniffe von Gislason: Nur einer geht auf, doch alle sind berechtigt

Im Fokus beim Auftaktspiel: Sebastian Heymann, Christoph Steinert und Andreas Wolff.

Im Fokus beim Auftaktspiel: Sebastian Heymann, Christoph Steinert und Andreas Wolff. imago images (3)

Der erste Schritt ist gemacht. Gratulation an die deutsche Mannschaft zum Auftaktsieg gegen Belarus, der trotz so mancher Höhen und Tiefen verdient war. Hervorzuheben sind aus meiner Sicht drei Überraschungen.

Gislason schickt Klimpke vor Wolff aufs Feld. Für viele überraschend, für manche nicht nachvollziehbar. Zumal Wolff die klare Nummer eins werden sollte, im ersten Spiel aber zu Beginn auf der Bank sitzt. Ich sage: alles richtig gemacht. Auch wenn das Ergebnis der Maßnahme noch nicht gefruchtet hat. Durch die mangelnde Aktivität der Abwehr kam Klimpke nicht so zum Zug. Wolff hat auch gebraucht, um reinzukommen. Es aber nur an gehaltenen Bällen festzumachen, wäre falsch, weil man den Respekt der Schützen vor Wolff gerade in den Würfen neben das Tor gesehen hat. Fazit: Maßnahme nicht aufgegangen, trotzdem richtig.

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Zweite Überraschung: Christoph Steinert bekommt den Vorzug vor Timo Kastening. Gislason schlägt dabei zwei Fliegen mit einer Klappe. Ein Wechsel auf der bankfernen Seite ist immer schwierig. So wurde mit Steinert die Abwehr gestärkt und Häfner konnte hinten auf der Außenposition gleichzeitig wichtige Körner sparen. Man verliert aber eine seiner Schlüsselfiguren. In der zweiten Hälfte hat man gesehen, wie wertvoll Timo für diese Mannschaft sein wird. Fazit: Maßnahme aufgegangen.

Und: Gislason beginnt mit Heymann auf halblinks. Die deutsche Mannschaft ist sehr nervös gestartet, es kam kaum Spielfluss zustande. Deswegen musste Gislason diese Idee - genau wie bei Wolff - schnell verwerfen. Mit Julius Kühn bekam die Mannschaft mehr Stabilität. Fazit: Maßnahme nicht aufgegangen, trotzdem richtig, Heymann gleich mal das Vertrauen zu schenken.

Der Kai Häfner von 2016

Zum Spiel an sich. Die deutsche Tugend einer guten Abwehr hat viel zu lange gebraucht, um sich als eine solche bezeichnen zu lassen. Wir haben es auch ewig nicht geschafft, das Spiel über Kreisläufer Karalek in den Griff zu kriegen. In der zweiten Hälfte haben wir dann phasenweise gezeigt, dass es viel besser geht. Das war letztlich auch der Schlüssel zum Erfolg. Der Gegenstoß hat aus zweierlei Gründen Luft nach oben. Ohne einen klassischen Rechtsaußen wie Kastening ist es grundsätzlich schwieriger. Auch die vielen Gegentore haben das gefürchtete Tempospiel gelähmt.

Spieler des Spiel ist für mich Kai Häfner, der das mit seiner Leistung gegen Frankreich schon angekündigt hatte. Er hat mich an den Kai Häfner von 2016 erinnert.  Wir dürfen uns auf die nächsten deutschen Spiele freuen. Jetzt geht es gegen unseren Nachbarn Österreich - und um eine gute Ausgangslage für die Hauptrunde.

Bob Hanning (53) hat die Füchse Berlin von der 2. Liga bis in die Champions League geführt, den DHB in acht Jahren als Vizepräsident auf links gedreht und jüngst einen Spiegel-Bestseller (Hanning. Macht. Handball.) geschrieben. In seiner neuen Kolumne analysiert er für den kicker die Geschehnisse rund um Nationalmannschaft und Bundesliga.

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