Bundesliga

kicker-Analyse: Drei Gründe für die Defensivstärke des VfL Wolfsburg

VfL auf Champions-League-Kurs

Drei Gründe für den Erfolg: Wolfsburgs Defensivstärke in der Analyse

Nicht nur im Strafraum aufmerksam: Wolfsburgs Abwehrstärke ist in dieser Saison ein Trumpf.

Nicht nur im Strafraum aufmerksam: Wolfsburgs Abwehrstärke ist in dieser Saison ein Trumpf. imago images

Wolfsburg nimmt Kurs Richtung Champions League, steht auf Platz 3 der Bundesliga und im DFB-Pokal-Viertelfinale. Nachdem der VfL zu Saisonbeginn noch in der Europa-League-Qualifikation an AEK scheiterte, nahm das Team von Oliver Glasner eine beachtliche Entwicklung, die sich vor allem durch die Art des Verteidigens gut erklären lässt.

In 22 Spielen nur 19 Gegentore - lediglich Pokalgegner Leipzig unterbietet diesen Wert (18). Doch wie hat es Oliver Glasner geschafft, von 1,35 Gegentoren pro Spiel in der Vorsaison auf aktuell 0,86 zu kommen? Drei Punkte stechen da vor allem ins Auge.

Spielersteckbrief Casteels
Casteels

Casteels Koen

Spielersteckbrief Brooks
Brooks

Brooks John Anthony

Spielersteckbrief Mbabu
Mbabu

Mbabu Kevin

Spielersteckbrief R. Baku
R. Baku

Baku Ridle

Spielersteckbrief Lacroix
Lacroix

Lacroix Maxence

Spielersteckbrief Paulo Otavio
Paulo Otavio

Rosa da Silva Paulo Otavio

Trainersteckbrief Glasner
Glasner

Glasner Oliver

Die Struktur

Bei den Defensivstatistiken fällt auf, dass Wolfsburg verhältnismäßig tief steht. Während in der Saison 2019/20 im Schnitt noch 45,3 Meter vor dem Tor verteidigt wurde, sind es in der aktuellen Saison nur noch 43,5, also fast zwei Meter weniger. Das ist nicht nur der niedrigste Wert der aktuellen Top 6 in der Liga, im ligaweiten Vergleich rangieren die Wölfe damit im unteren Mittelfeld.

Bayern ganz vorne, Wolfsburg eher zurückhaltend: die durchschnittliche Höhe der Verteidigungslinie. StatsBomb

Eine Folge dessen ist, dass Wolfsburg bislang erst einen Gegentreffer nach einem Konter kassiert hat. In der letzten Saison waren es noch zehn - sechs davon bis zum 22. Spieltag. Diese Anfälligkeit hat Glasner behoben.

Noch beeindruckender wird die Defensivbilanz, wenn nur die letzten sechs - gegentorfreien - Spiele analysiert werden. In dieser Zeit änderte Glasner nur einmal die Startelf, und die Viererabwehrkette stabilisierte sich. Noch weniger Schüsse wurden zugelassen, und die Schüsse, die noch auf das Tor kamen, waren auch weniger gefährlich. Mit der Umstellung in der Abwehrreihe von Baku (wurde ins Mittelfeld vorgezogen) auf Mbabu hat Glasner die Viererkette gefunden, die in den vergangenen Spielen dafür mitverantwortlich war, dass bei den Wölfen der Kasten sauber blieb.

Das Pressing-Verhalten

Anzahl und Position: die Wolfsburger Pressingaktionen. StatsBomb

Die erwähnte Höhe der Verteidigungslinie könnte vermuten lassen, dass der VfL sich hinten reinstellt und auf eigene Konter lauert, doch dem ist nicht so. Wie an der Grafik mit den Pressing-Aktionen zu sehen ist, verteidigen die Wölfe primär in zwei Zonen. Die erste Pressing-Aktion findet gleich nach dem Ballverlust statt, meist am gegnerischen Strafraum. Diese Pressing-Momente haben zwei Ziele. Zum einen den möglichst schnellen Ballgewinn, und falls diese erste Aktion nicht erfolgreich war, so ermöglichte sie es der Abwehrreihe, sich zurückzuziehen und zu sortieren. So wechseln die Wölfe vom Offensivpressing in ein Defensivpressing. Ein erfolgreiches Umschaltspiel des Gegners ist damit schwer möglich.

Der Torhüter

Eine sichere Defensive steht und fällt mit dem Torwart. Koen Casteels ist seit 2015 bei den Wölfen und spielt eine starke Saison. In zehn seiner 21 Spiele hielt der Belgier die Null. Insgesamt musste er erst 18-mal hinter sich greifen - ein Gegentor kassierte Vertreter Pavao Pervan. Nur Leipzigs Peter Gulacsi hatte ein Zu-Null-Spiel mehr und musste bei 22 Einsätzen ebenfalls 18 Gegentore hinnehmen.

Die Leistungen Casteels' sind auch in anderen Zahlen stark. 75 Prozent abgewehrte Bälle ist der Topwert unter allen Bundesliga-Stammkeepern und ein Indiz, wie gut der Belgier aktuell drauf ist. Ebenfalls Spitze ist sein Wert bei "Post Shot expected Goals" (PSxG).

Der PSxG ist ein Wert für die Erfolgswahrscheinlichkeit eines Torschusses nach dem Abschluss. Anders als der Expected-Goals-Wert wird die Torwahrscheinlichkeit erst danach berechnet. Hier werden nur Schüsse gewertet, die auch wirklich aufs Tor gehen, geblockte Schüsse oder Schüsse, die am Tor vorbeigehen, werden hierbei nicht berücksichtigt.

Abzüglich eines Eigentores und zwei Elfmetern sind es 15 Gegentreffer, die in dieser Statistik mit aufgenommen wurden. Laut der PSxG wären es allerdings 18,61 Treffer gewesen. Er kassierte also 3,61 Gegentore weniger, als es die Qualität der Schüsse auf sein Tor hätten vermuten lassen. Damit führ er auch hier die Liste der Bundesligatorhüter an.

Post-Shot Expected Goals berücksichtigt die Qualität des abgegebenen Schusses: Wolfsburgs Keeper Koen Casteels kassierte demnach 3,61 Gegentore weniger als erwartet. StatsBomb

Die Mischung aus gutem strukturiertem Abwehrverhalten und einem Torwart in exzellenter Form sorgen dafür, dass die Wölfe seit mehr als sechs Bundesligaspielen (577 Minuten) ohne Gegentreffer sind und den Vereinsrekord weiter ausbauen. Oliver Glasner hat es hinbekommen, das Maximale aus seiner Mannschaft rauszuholen und sie zu einem aussichtsreichen Anwärter auf die europäischen Plätze zu formen. Die nächsten Spiele werden zeigen, wie konstant die Wölfe die kommenden Gegner bespielen können. Vor allem gegen die Hertha ist Glasner gezwungen, zum ersten Mal seit Wochen seine Startelf umzustellen. Wegen seiner fünften Gelben Karte wird John Anthony Brooks in der Innenverteidigung fehlen. Er ist ein wichtiger Baustein in Glasners Defensive. Es bleibt abzuwarten, ob sein Fehlen in Gegentore und womöglich Punktverluste münden wird.

Franziskus Heyne

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