Eishockey

NHL-Vorschau: Drei Champions und viel junges Talent: Der starke Osten

NHL-Vorschau, East Division

Drei Champions und ganz viel junges Talent: Der starke Osten

Der neue Kapitän der Bruins: Patrice Bergeron.

Der neue Kapitän der Bruins: Patrice Bergeron. Getty Images

Boston Bruins

Die Bruins schlossen die Hauptrunde 2019/20 mit dem Gewinn der Presidents' Trophy ab, doch in den Play-offs war vergleichsweise schnell in Runde zwei gegen den späteren Champions Tampa Bay Schluss. Im Herbst folgte ein mittelgroßer Umbruch in der Abwehr. Denn neben Offensivverteidiger Torey Krug (29), der aus finanziellen Gründen nicht zu halten war, ließ Don Sweeney auch noch Kapitän und Verteidiger-Legende Zdeno Chara (43) ziehen. Anders als sein neuer Klub Washington wollte der General Manager dem Slowaken keine Rolle unter den ersten Sechs mehr garantieren. Die vakant gewordenen Plätzen wurden zunächst mit den eigenen Talenten Jeremy Lauzon und Jakub Zboril (beide 23) besetzt.

Obwohl Torjäger David Pastrnak nach Hüft-OP im Herbst zumindest die ersten Saisonwochen noch verpassen wird, verfügt die Offensive noch immer über viel Qualität und Tiefe. Zumal statt Pastrnak neben dem neuen Kapitän Patrice Bergeron (35) sowie Brad Marchand (32) zunächst mit Jack Studnicka (21) ein vielversprechendes Talent sein erstes volles NHL-Jahr anpeilt. Mit Rechtsaußen Craig Smith (31) wurde obendrein aus Nashville ein weiterer erfahrener Stürmer verpflichtet. Im Tor ist Boston mit Tuukka Rask (33), der die Play-off-"Bubble" von Edmonton aufgrund eines Krankenhausaufenthalts seiner Tochter vorzeitig verlassen hatte, sowie Jaroslav Halak (35) ebenfalls weiter erstklassig besetzt.

kicker-Tipp: Chara ist Geschichte, weitere Führungskräfte wie eben Bergeron oder David Krejci (34) kommen langsam in die Jahre, zudem wirft die linke Abwehrseite nach den Abgängen Fragezeichen auf. Dennoch ist Boston noch immer stark genug, um im Kampf um Divisionstitel und Stanley Cup zumindest ein Wörtchen mitzureden.

Pittsburgh Penguins - Vereinsdaten
Pittsburgh Penguins

Gründungsdatum

01.01.1967

Vereinsfarben

Schwarz-Gold-Weiß

New York Rangers - Vereinsdaten
New York Rangers

Gründungsdatum

15.05.1926

Vereinsfarben

Blau-Rot-Weiß

New Jersey Devils - Vereinsdaten
New Jersey Devils

Gründungsdatum

01.01.1974

Vereinsfarben

Rot-Schwarz-Weiß

Boston Bruins - Vereinsdaten
Boston Bruins

Gründungsdatum

01.11.1924

Vereinsfarben

Schwarz-Gold-Weiß

Philadelphia Flyers - Vereinsdaten
Philadelphia Flyers

Gründungsdatum

05.06.1967

Vereinsfarben

Orange-Schwarz-Weiß

Buffalo Sabres - Vereinsdaten
Buffalo Sabres

Gründungsdatum

22.05.1970

Vereinsfarben

Blau-Gold-Silber-Weiß

New York Islanders - Vereinsdaten
New York Islanders

Gründungsdatum

06.06.1972

Vereinsfarben

Blau-Orange-Weiß

Washington Capitals - Vereinsdaten
Washington Capitals

Gründungsdatum

11.06.1974

Vereinsfarben

Rot-Blau-Weiß

Nolan Patrick

Gibt nach über einem Jahr Pause sein Comeback: Nolan Patrick. Getty Images

Philadelphia Flyers

Die Flyers gehörten zu den Gewinnern der vergangenen Spielzeit, gewannen zunächst die Round Robin der Besten im Osten und scheiterten dann im Conference-Halbfinale erst knapp mit 3:4 an den New York Islanders. Dementsprechend geringfügig fielen die Änderungen im Kader aus. Einzig das vorzeitige Karriereende von Verteidiger Matt Niskanen (34) - trotz eigentlich noch bis 2021 laufendem Kontrakt - überraschte. Mit dem spielstarken Erik Gustafsson (28) wurde indes gutklassiger Ersatz für eine ohnehin schon sehr mobile Defensive verpflichtet.

Im Angriff kommen die Verstärkungen aus der eigenen Mitte. Denn nachdem Oskar Lindblom (23) während der vergangenen Saison an einer seltenen Form von Knochenkrebs erkrankt war, und nach erfolgreicher Behandlung zumindest für zwei Play-off-Spiele zurückkehrte, steht der Schwede noch vor seinem Vollzeitcomeback. Gleiches gilt für Nolan Patrick (22), den 2017 im Draft bereits an zweiter Stelle ausgewählten Center, der die komplette vergangene Saison aufgrund von migräneartiger Symptome komplett verpasste. Nun aber meldete sich der Kanadier für den Saisonstart fit und gibt Coach Alain Vigneault eine weitere Option in der ohnehin schon tief besetzten Offensive.

kicker-Tipp: Die Flyers verfügen über eine extrem mobile, ausgeglichen besetzte und offensivstarke Mannschaft, die mit Carter Hart (22) obendrein einen der kommenden NHL-Topkeeper in den Reihen hat. Es wäre keine Überraschung, wenn Philadelphia die starken Leistungen des Vorjahres nicht nur bestätigt, sondern dem Titel noch einen Schritt näherkommt.

Alex Ovechkin (l.), Zdeno Chara

Plötzlich mit, statt gegeneinander: Alex Ovechkin (l.) und Zdeno Chara. Getty Images

Washington Capitals

Für den Meister von 2018 war die "Blase" von Edmonton früh beendet, nach gerade einmal fünf Spielen in Runde eins gegen die Islanders. Im Kader blieben die Veränderungen im Herbst dennoch relativ klein. Der bewährte Stamm um Superstar Alex Ovechkin (35) und die Elitespielmacher Nicklas Bäckström (33), Evgeni Kuznetsov (28) sowie Starverteidiger John Carlson (31) blieb erhalten. Mit den Nachverpflichtungen der letzten Saison, Brenden Dillon (30) in der Abwehr und Daniel Sprong (23) im Sturm wurde verlängert.

Nahezu identischer Kader, aber dennoch neue große Namen: Nach dem Abgang des zuletzt weniger starken Meisterkeepers Braden Holtby (Vancouver) ist Ilya Samsonov (23) die neue Nummer eins. Eigentlich hätte NHL-Legende Henrik Lundqvist in seinem Karriereabend sein namhafter Backup werden sollen, doch der Schwede muss sich einer Operation am offenen Herzen unterziehen. Mit Chara aus Boston kam dennoch ein äußert renommierter Führungsspieler neu dazu. Die wohl wichtigste Veränderung aber fand auf der Trainerposition statt, wo mit Peter Laviolette einer der etabliertesten Coaches seiner Generation übernahm.

kicker-Tipp: Laviolette pflegt einen schnörkellosen, aggressiven Spielstil, der durchaus zu den weiter vorhandenen großen Offensivqualitäten im Kader passen könnte. Ähnlich wie in Boston schließt sich das Titelfenster in der US-Haupstadt langsam, aber wohl noch nicht 2021.

Mathew Barzal

Verlängerte wenige Tage vor Saisonstart um drei Jahre: Mathew Barzal. Getty Images

New York Islanders

Die Islanders drangen im September bis unter die besten vier Teams vor und verloren im Semifinale erst gegen den späteren Sieger Tampa Bay (2:4). General Manager Lou Lamoriello hatte anschließend alle Hände voll zu tun, den bestehenden Kader unter den gleichbleibend bei 81,5 Millionen US-Dollar liegenden Salary Cap zu bringen. Topspieler Matt Barzal (23) unterschrieb erst am Sonntag einen neuen, mit im Schnitt sieben Millionen Dollar dotierten Dreijahresvertrag. Thomas Greiss (Detroit) und der zuletzt stark aufspielende Verteidiger Devon Toews (im Tausch gegen zwei Draftrechte nach Colorado) konnten hingegen nicht gehalten werden. Tom Kühnhackl befand sich dagegen bis zuletzt, wenn auch noch ohne neuen Vertrag, im Training mit dem Team.

Neuzugänge? Beinahe Fehlanzeige, doch immerhin holte der Klub aus Long Island, wo der Bau einer brandneuen Arena bereits weit fortgeschritten ist, mit Ilya Sorokin ihr selbst im Draft 2013 ausgewähltes Torhütertalent von ZSKA Moskau. Wobei Talent für den 25-Jährigen eine unzureichende Umschreibung ist. Der Keepern gehörte in den letzten Jahren zu den besten Keeper außerhalb der NHL und könnte daher Landsmann Semyon Varlamov (32) durchaus eher früher als später als Nummer eins verdrängen.

kicker-Tipp: Der Star bei den Islanders ist und bleibt - neben einzig Barzal - Coach Barry Trotz, der es immer wieder exzellent versteht, das erfahrene und tief besetzte Team zu konstant starken und disziplinierten Leistungen zu motivieren. Und so werden die New Yorker erneut in jedem Spiel schwer zu schlagen sein.

Tristan Jarry

Neue Nummer eins im Penguins-Tor: Tristan Jarry. Getty Images

Pittsburgh Penguins

Seit der ersten Titelverteidigung der Salary-Cap-Ära im Jahr 2017 haben die Penguins keine Play-off-Runde mehr gewonnen. Damit die wohl letzten zwei oder drei guten Jahre mit dem Triumvirat Sidney Crosby (33), Evgeni Malkin (34) und Kris Letang (33), in denen die drei Stars bisher dreier Meisterschaften noch in der Nähe ihrer Bestverfassung sein können, nicht verschwendet werden, krempelte General Manager Jim Rutherford mal wieder einiges am "Supporting Cast" seiner Topspieler um. Patric Hörnqvist ging nach Florida, im Gegenzug kam der laufstarke Verteidiger Michael Matheson (26) sowie Zwei-Wege-Stürmer Colton Sceviour (31). Aus Toronto zurückgeholt wurde der einstige Draftpick der Penguins, Kasperi Kapanen, der die Vakanz auf der Rechtsaußenposition neben Crosby beheben soll. Mark Jankowski (26) und Cody Ceci (27), die in Calgary beziehungsweise Toronto zuletzt keine idealen Jahre hatten, erhalten in Pittsburgh einen frischen Start.

Im Tor ging Meistergoalie Matt Murray im Tauch nach Ottawa, was angesichts der allgemeinen Cap-Problematik und der Tatsache, dass Tristan Jarry (25) ihm ohnehin mehr und mehr den Rang abgelaufen hatte, nicht mehr allzu überraschend kam. Aus dem Farmteam rückt der bereits routinierte Casey DeSmith (29) als Backup auf, der zwischen 2017 und 2019 schon durchaus erfolgreich 50 NHL-Spiele für die Penguins bestritt.

kicker-Tipp: Rutherford hat schon einmal bewiesen, den Abgesang auf die Penguins zum Schweigen bringen zu können. Doch die Fragezeichen bezüglich der Defensivstärke und Tiefe des Teams sind durch die jüngsten Transfermanöver nicht kleiner geworden. Nur mit einigen Volltreffern kann ein erneuter Coup gelingen.

Alexis Lafreniere

Neuer Jungstar für die Rangers: Alexis Lafreniere, die Nummer eins im NHL Draft 2020. Getty Images

New York Rangers

Obwohl die Rangers Edmonton im August nach dem 0:3 gegen Carolina in der Qualifikationsrunde bereits als erstes Team wieder verlassen mussten - die "Broadway Blue Shirts" befinden sich im Aufwind. Erst recht, da sie im Herbst die Draft-Lotterie gewannen und mit Alexis Lafreniere (19) nun sogar ein weiterer angehender Offensivstar für die Rangers stürmt. Der Angriff um Superstar Artemi Panarin (29), Mika Zibanejad (27), Kaapo Kaako (19) und nun Lafreniere ist zweifellos das Prunkstück im noch jungen Kader, in dem nach Adam Fox (22; 42 Scorerpunkte im Debütjahr) mit K'Andre Miller (20) das nächste Talent vor dem Durchbruch steht.

Die einzig nennenswerten Abgänge im Herbst waren Allrounder Jesper Fast (Carolina), Marc Staal, der allerdings vor allen Dingen aus finanziellen Dingen abgegeben wurde - und natürlich Franchise-Legende Henrik Lundqvist, der seinen Stammplatz verlor, nach Buyout in Washington unterschrieb, aber nun aufgrund der Herzprobleme (s.o.) womöglich vor dem Karriereende steht. Als neue Nummer eins im Tor steht Igor Shesterkin (25), der als einer der besten jungen Keeper der Welt gilt, vor seiner ersten vollen NHL-Saison.

kicker-Tipp: Schon jetzt besitzt der Kader von Coach David Quinn enorme Qualität in den allen Mannschaftsteilen. Was dem Team allerdings noch gewaltig abgeht ist Erfahrung, Neuzugang Jack Johnson (33) ist zum Start der einzige über 30-jährige Spieler. Die Play-off-Qualifikation eines der spannendsten Teams für die Zukunft in einer starken Division wäre daher - vorerst - noch eine Überraschung.

Rasmus Dahlin (l.), Taylor Hall

Zwei Hoffnungsträger in Buffalo: Rasmus Dahlin (l.) und Taylor Hall. Getty Images

Buffalo Sabres

Das, was die Besitzer-Familie Pegula mit NFL-Klub Buffalo Bills vor wenigen Tagen schaffte, den Play-off-Einzug nach langer Durststrecke, strebt sie nun auch mit ihrem Eishockey-Team an. Dem deutsch-kanadischen Coach mit Schweizer Pass, Ralph Krueger, steht dabei ein vor allem im Angriff verstärkter Kader zur Verfügung. So gelang mit der Verpflichtung von Taylor Hall (29), der für acht Millionen Dollar zunächst für ein Jahr unterschrieb, die vielleicht größte Überraschung des Transferherbstes. Routinier Eric Staal (36), der im Tausch mit Marcus Johansson aus Minnesota kam, soll im jungen Kader Erfahrung und Führungsstärke einbringen. Ähnliches gilt für Cody Eakin (29; zuletzt Winnipeg). Mit Dylan Cozens (19) drängt der zweitbeste Scorer der jüngst in Edmonton ausgetragenen U-20-WM ins Team.

Zu den Neuzugängen gehören auch zwei deutsche Spieler: Mit Tobias Rieder (28) arbeitete Krueger bereits erfolgreich beim überraschenden World-Cup-Finaleinzug des Team Europe 2016 zusammen. Der Münchner John-Jason Peterka (18) wurde im Draft 2020 bereits anfangs der zweiten Runde ausgewählt, soll sich aber zunächst noch in der heimischen DEL weiterentwickeln. Dominik Kahun, den die Sabres kurz vor Abbruch der Hauptrunde im vergangenen März verpflichtet hatten, entschied sich als Free Agent Anfang November schließlich gegen eine Vertragsverlängerung in Buffalo und unterschrieb bei Kumpel Leon Draisaitl in Edmonton.

kicker-Tipp: Der Angriff um Superstar Jack Eichel (24), Hall & Co. dürfte bei den Gegnern durchaus für Sorgenfalten suchen, doch Tor - mit Linus Ullmark wohl erstmals als klarer Starter - und die noch immer sehr junge Defensive um Rasmus Dahlin (20) befinden sich noch immer tief in der Entwicklungsphase. Ein Play-off-Einzug wäre eine Überraschung.

Damon Severon (l.), Mackenzie Blackwood

Knackpunkt Devils-Defensive? Verteidiger Damon Severon (l.) und Keeper Mackenzie Blackwood im Gespräch. Getty Images

New Jersey Devils

Ein junges Team im Umbruch besitzt man auch auf der anderen Seite des Hudson River bei den Devils, deren zumindest interne Anspruchshaltung mit dem letzten Platz in der Metropolitan Division im März 2020 gewaltig unterlaufen wurde. Dies hatte für die Sportliche Leitung Konsequenzen: Tom Fitzgerald stieg zum General Manager auf, als neuer Cheftrainer kam der 60-jährige Lindy Ruff, der, nach drei Jahren als Co-Trainer beim Erzrivalen Rangers, nun selbst wieder Chef hinter der Bande ist.

Im Team geht derweil der Umbruch weiter. Mit Andreas Johnsson (26) kam ein Stürmer für die Topreihen aus Toronto. Vor allen Dingen die Defensive soll dank Ryan Murray (27), Dmitry Kulikov (30) und Rückkehrer Sami Vatanen (29) mehr Qualität und Stabilität erhalten. Der Plan, mit Chicagos Meisterkeeper Corey Crawford eine Art Mentor für Mackenzie Blackwood (24), den Franchise-Goalie der Zukunft, zu erhalten, platzte noch vor dem Saisonstart. Denn der 36-Jährige entschied sich nach seinem Wechsel kurz vor dem Saisonstart plötzlich zum Karriereende. Als größtes Plus im Vergleich zum Vorjahr hofft man aber darauf, dass die Jungstars Jack Hughes (19) und Nico Hischier (22), aber auch Veteran P.K. Subban (31), eine bessere Saison erwischen als im enttäuschenden Vorjahr.

kicker-Tipp: Die Devils sind erneut heißester Kandidat auf Platz acht in der Division. Erfolge früherer Zeiten dürften in Newark noch ein paar weitere Saisons auf sich warten lassen.

Joachim Meyer

Transfers: Neues Heim für Chara, Pietrangelo & Co.