Tennis

Drama, Frust und Lust: Krejcikova erreicht French-Open-Finale

7:5, 4:6, 9:7 gegen Sakkari

Drama, Frust und Lust: Krejcikova gewinnt Nervenspiel ums Finale

Ging volles Risiko - und hatte damit oft Erfolg: Barbora Krejcikova.

Ging volles Risiko - und hatte damit oft Erfolg: Barbora Krejcikova. imago images

Maria Sakkari war durch Roland Garros gestürmt wie kaum eine andere Spielerin. Die Griechin trat dominant auf, hatte meist einen guten Matchplan und auch eine gehörige Portion Selbstvertrauen. So schaltete die Nummer 18 der Welt auf ihrem Weg ins Halbfinale mit Sofia Kenin (USA) und Iga Swiatek (Polen) beide Finalistinnen aus dem Vorjahr aus.

Auf und Abs in Satz eins

In der Runde der letzten Vier wartete mit Barbora Krejcikova aber eine Gegnerin, die als unberechenbar gilt. Sakkari erwischte dennoch einen prima Start, führte rasch mit 3:1, doch dann schlug die Tschechin (Nummer 33 der Welt) zurück. Sie spielte mit ruhiger Hand sowie einfachen, aber präzisen Schlägen - und nahm der physisch beeindruckenden Griechin den Wind aus den Segeln.

Sakkaris Power-Tennis fehlte es im Gegensatz zu ihrem Gala-Auftritt im Viertelfinale gegen Swiatek an Genauigkeit, immer wieder segelte ihre wuchtige Vorhand ins Aus - zum Teil deutlich, während Krejcikova anscheinend immer die richtige Entscheidung traf; ob Slice oder Lob, alles klappte. Just, als die Tschechin zum Satzgewinn aufschlug, drehte sich das Momentum aber wieder - und Sakkari war auf einmal obenauf, doch das war nicht von langer Dauer. Bei eigenem Aufschlag gegen den Satzverlust wackelte die 25-Jährige wieder und gab Durchgang eins an die in Summe stabilere Krejcikova mit 5:7 ab.

Sakkaris Nervenspiel

Maria Sakkari

Finale von Frankreich verpasst: Maria Sakkari. imago images

Der zweite Satz startete ähnlich wie der erste: mit einer starken Sakkari, die aber diesmal auf 4:0 davonzog. Krejcikova, deren Fehlerquote stark angestiegen war, reagierte mit Stopps und Netzangriffen - und rückte wieder auf 3:4 heran.

Das nächste Nervenspiel bahnte sich an, vor allem Sakkari quälte sich, vergab zwei Satzbälle, nutzte aber ihren dritten zum 6:4 - und brüllte ihre Erleichterung lautstark heraus. Die Fans waren begeistert und applaudierten stürmisch, sie hatten ganz offensichtlich Lust auf den entscheidenden Dritten.

Krejcikova lässt sich Zeit

Der begann mit einer Verspätung, weil sich Krejcikova eine längere Pause nahm - sehr zum Missfallen von Sakkari, die schließlich knapp zehn Minuten warten musste. Mit Kompressionshose und frischen Klamotten kehrte die Tschechin, die offenbar muskuläre Probleme hatte, schließlich auf den Court zurück.

Hatte das Match zuvor eher durchschnittliches Niveau geboten, so steigerten sich beide Spielerinnen nun. Sakkari trumpfte mit ihrer Emotionalität und ihrem Kampfgeist auf, die fit wirkende Krejcikova mit feinem Winkelspiel und hohem Risiko, aber auch einer immensen Fehlerquote.

Emotionale Achterbahn im Finale des dritten Satzes

Das Pendel hätte zu beiden Seiten ausschlagen können, doch es jubelte schließlich Krejcikova, die zum Ende hin ihre Konstanz wiedergefunden hatte, die Bälle immer wieder ins Feld brachte und sich das Match nach einer fulminanten Schlussphase mit tollen Ballwechseln und viel Drama holte.

Emotionaler Höhepunkt dieser Phase war, als Krejcikova bei ihrem vierten Matchball bereits jubelte, nachdem Sakkaris Longline-Ball Aus gegeben worden war. Doch der Schiedsrichter griff ein, revidierte zu Unrecht - der Ball war Aus - die Entscheidung und sorgte so dafür, dass es noch etwas länger ging.

Matchball Nummer fünf nutzte Krejcikova aber zum 7:5, 4:6, 9:7-Sieg. Sie steht damit erstmals in einem Grand-Slam-Finale und bekommt es dort am Samstag mit der Russin Anastasia Pavlyuchenkova zu tun. Die hatte sich am Nachmittag gegen Tamara Zidansek durchgesetzt.

drm