Bundesliga

Dortmunds wohltuender Realismus

Favre hat harte Entscheidungen zu treffen

Dortmunds wohltuender Realismus

Sah zwei Siege, aber auch Schwachstellen: Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspieler-Abteilung.

Sah zwei Siege, aber auch Schwachstellen: Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspieler-Abteilung. imago

Es spricht für den wohltuenden Realismus von Dortmunds Verantwortlichen, dass sie den Startsieg am Sonntagabend mit angemessener Sachlichkeit analysierten und nicht gleich in ausgelassene Partystimmung verfielen. "Wir wissen, dass noch nicht alles prima war", gestand Kehl, "wir haben noch eine Menge zu tun."

Freude herrschte über das (in dieser Höhe zu deutliche) 4:1, über eine selten erlebte Effektivität im Abschluss und über die Comeback-Qualitäten der Mannschaft, die nach dem Pokal-Thriller von Fürth (2:1 nach Verlängerung) zum zweiten Mal innerhalb einer Woche nach Rückstand ein Spiel drehte. Kritik kam am verschlafenen Start und an der zeitweiligen Unordnung in der Defensive auf.

"In den ersten 20 Minuten waren wir überhaupt nicht im Spiel. Wir sind ein Stück weit von Leipzig überrannt worden", monierte Kehl. Dortmunds Schwachpunkt bis zur Pause: die rechte Defensivseite, auf der Routinier Lukasz Piszczek von seinem an Abwehrarbeit eher wenig interessierten Vordermann Christian Pulisic sträflich alleingelassen wurde. Erst mit der Zeit fand die Borussia in einem "sehr, sehr wilden Spiel" (Kehl) ihren Rhythmus.

Standards als Waffe

Außerordentlich hilfreich in dieser Phase: die beiden Standards, die zu den Toren zwei und drei führten. Auch wenn das zweite nur mit freundlicher Unterstützung von Leipzigs Marcel Sabitzer fiel, könnte sich auf Dauer auszahlen, dass Lucien Favre Standardsituationen im Training besondere Aufmerksamkeit widmet. "Wir haben sie vermehrt geübt und ein paar Variationen einstudiert", verriet Kehl.

Der große Kader birgt viele Härtefälle

Entsprechend gelöst war am Montagmorgen die Stimmung beim obligatorischen Auslaufen. Dass dabei eine hochkarätige Reservisten-Gruppe (Mario Götze, Raphael Guerreiro, Jadon Sancho, Achraf Hakimi) im Dortmunder Nieselregen intensiver beansprucht wurde als die Startelf-Kollegen vom Sonntag, verdeutlicht, wie viele Härtefälle der inzwischen auf 29 Profis angewachsene Kader birgt. Nuri Sahin, Ömer Toprak, Jeremy Toljan, Shinji Kagawa und Julian Weigl (erklärbar wegen Rückstand nach Adduktorenproblemen) hatten es erst gar nicht in den Kader zum Leipzig-Spiel geschafft.

"Der Trainer hat harte Entscheidungen zu treffen", bestätigt Kehl, "es wird eine Herausforderung, damit gut umzugehen."

Thomas Hennecke

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