Bundesliga

Dortmunds Schlüssel: So kann der BVB die Bayern knacken

Erster Ligasieg gegen die Münchner seit November 2018 winkt

Dortmunds Schlüssel: So kann der BVB die Bayern knacken

Heiß auf die Tabellenführung und einen Sieg gegen die Bayern: Erling Haaland, Coach Lucien Favre und Axel Witsel (v.l.).

Heiß auf die Tabellenführung und einen Sieg gegen die Bayern: Erling Haaland, Coach Lucien Favre und Axel Witsel (v.l.). imago images (3)

Für Lucien Favre kann ein Tag nicht genug Stunden haben. Der BVB-Trainer ist bekannt dafür, dass er jeden einzelnen Gedanken aus allen erdenklichen Richtungen betrachtet, ihn behutsam abwägt, verwirft, noch einmal neu aufgreift. Meint man es schlecht mit dem Schweizer, könnte man ihm vorwerfen, er sei ein Zauderer. Meint man es gut, legt man ihm die langwierige Grübelei als Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt aus. Doch wie man es auch dreht und wendet: Aktuell macht ihm diese Eigenschaft das Trainerleben nicht unbedingt leichter. Denn eins hat Favre derzeit nicht: Zeit.

Am Mittwochabend noch war der 63-Jährige mit dem BVB in Brügge gefordert. Am Samstag (18.30 Uhr, LIVE! bei kicker) nun steht das Bundesliga-Gipfeltreffen mit dem FC Bayern auf dem Plan. Es gelten - verglichen mit dem Spiel in der Königsklasse - völlig andere Bedingungen: Dortmund spielt zuhause. Dortmund ist nicht der Favorit. Und Dortmund wird - vermutlich zumindest - nicht das Spiel machen. Es gibt aus Trainersicht also viel zu bedenken, um am Ende einen Plan entwickeln zu können, wie der FC Bayern diesmal zu schlagen ist.

Das wird auch diesmal wieder ein Mittel sein, um sie zu schlagen.

Dortmunds Lizenzspielerleiter Sebastian Kehl

Immerhin: Favre muss nicht bei Null anfangen, wenn er an diesem Donnerstag mit seinen Überlegungen startet. Bereits Ende September trafen beide Teams in dieser Saison aufeinander. Damals unterlag der BVB im Supercup in München zwar mit 2:3. Aber: "Da haben wir den Bayern in vielen Bereichen wehgetan", sagt Dortmunds Lizenzspielerleiter Sebastian Kehl vor dem Aufeinandertreffen der beiden aktuell besten deutschen Teams. "Wir haben gesehen, dass wir auch gegen diese Mannschaft unsere Möglichkeiten bekommen werden."

Im eigenen Angriffsspiel suchte der BVB beim Duell im November über schnelle Umschaltaktionen den direkten Weg vors gegnerische Tor. Immer wieder starteten Topstürmer Erling Haaland und seine Kollegen zu tiefen Läufen, "die die Bayern bedroht und gefährdet haben", sagt Kehl und vermutet: "Das wird auch diesmal wieder ein Mittel sein, um sie zu schlagen."

Entscheidend für dieses Vorgehen wird allerdings insbesondere die Arbeit gegen den Ball sein. Hier zeigte sich Dortmund zuletzt stark verbessert. In der Bundesliga gelangen dem BVB seit dem 0:2 in Augsburg vier Zu-null-Siege in Serie, auch in der Champions League blieben die Schwarz-Gelben jüngst sowohl gegen Zenit Sankt Petersburg (2:0) als auch in Brügge (3:0) ohne Gegentor. "Wir haben das in letzter Zeit sehr, sehr gut gemacht", sagt Favre, von dem bekannt ist, dass er ein Stabilitätsfanatiker ist. Lieber opfert der Schweizer etwas Spektakel als hinten zu offen zu stehen. Dennoch gelang es ihm in den ersten beiden Jahren seiner Amtszeit in Dortmund nicht, diesen Gedanken auf die Mannschaft zu übertragen. Verhältnismäßig viele Gegentoren waren die Folge. Zu viele, um sich einen Titel zu holen.

Die Arbeit gegen den Ball ist auch vorne angekommen

Jetzt sieht Sportdirektor Michael Zorc den BVB auf einem "guten Weg". Auch deshalb, weil die Offensivspieler inzwischen besser verinnerlicht haben, dass auch sie in der Arbeit gegen den Ball gefragt sind - und den Gegner sowohl früher als auch besser als in der jüngeren Vergangenheit anlaufen. "Alle Spieler", bestätigt Favre, "sind bereit zu verteidigen. Das beginnt vorne im Sturm und geht über das Mittelfeld bis zur Abwehr." Auch gegen den FC Bayern wird das ein Schlüssel sein - gerade wenn es darum geht, den Bayern den Ball abzunehmen und zuzuschlagen, bevor sie sich neu sortiert haben.

Das kann allerdings nur dann gelingen, wenn die mentale Herangehensweise stimmt und die Dortmunder nicht von Beginn an voller Ehrfurcht vor dem Triple-Sieger erstarren. "Wir müssen ähnlich engagiert wie zuletzt und vor allem mutig an das Spiel herangehen", fordert Kehl. Oder, wie es Rechtsverteidiger Thomas Meunier formuliert: "Wir werden gegen Bayern 100 Prozent geben müssen - vielleicht auch mehr." Dann kann es aus Dortmunder Sicht klappen mit dem ersten Bundesliga-Sieg gegen die Münchner seit dem 10. November 2018.

Matthias Dersch

Sieben Zweier, sechs Fünfer: Die Noten zu Brügge-BVB