Bundesliga

Bundesliga: Dortmunds fataler Abend in Gladbach

Mit Platz 6 in die endlose Winterpause - Brandt vermisst "Fischschwarm"

Dortmunds fataler Abend: Eine Niederlage, die noch lange weh tut

Sinnbild eines verkorksten Abends in Mönchengladbach: Dortmunds Jude Bellingham.

Sinnbild eines verkorksten Abends in Mönchengladbach: Dortmunds Jude Bellingham. IMAGO/Team 2

Die guten Vorsätze aus der Halbzeit hielten nicht einmal eine Minute. "Wir wollten offensiv da weitermachen, wo wir aufgehört haben, und defensiv nichts mehr zuzulassen", berichtete Julian Brandt nach der krachenden 2:4-Niederlage von Borussia Dortmund in Mönchengladbach über die Ansprüche, die sich das Team nach wilden ersten 45 Minuten mit auf den Weg genommen hatte - bis Gladbachs Manu Koné noch während der Verkündigung der beiden Pausen-Wechsel den nächsten und am Ende entscheidenden Niederschlag setzte.

Erste Chancen-Feuerwerk, dann totale Flaute

Der Tiefpunkt eines nicht nur für Trainer Edin Terzic "sehr enttäuschenden" Abends für Dortmund. Statt offensiv an das Chancen-Feuerwerk des ersten Durchgangs anzuknüpfen, kam der BVB danach gar nicht mehr gefährlich vor das gegnerische Tor, während Gladbach das Ergebnis durchaus noch höher hätte drehen können. Die zur Pause trotz des Rückstands noch komplett offene Partie kam nicht mehr an einen Kipppunkt. "Das ist schwer zu erklären", befand Terzic: "Wir hatten nach dem 2:3 alle das Gefühl: Hier geht noch was. Es hätte schon zur Halbzeit 3:3 stehen können."

Wenn man in der Bundesliga vier Gegentore kassiert, darf man sich nicht beschweren, mit leeren Händen nach Hause zu fahren.

Edin Terzic

Dann habe sich sein Team "extrem viel vorgenommen, wir wollten das Spiel drehen und kassieren dann das vierte Tor". Viel zu viel, um noch etwas mitnehmen zu können, weiß auch der Coach: "Wenn man in der Bundesliga vier Gegentore kassiert, darf man sich nicht beschweren, mit leeren Händen nach Hause zu fahren."

Mit Platz 6 und einer "sehr schwierigen Woche" in die endlose WM-Pause

Die zweite Niederlage innerhalb von vier Tagen nach dem 0:2 beim VfL Wolfsburg am Dienstag, die bereits sechste in den ersten 15 Bundesliga-Spielen, sie wiegt schwer, auch angesichts der nun folgenden langen Pause. "Das war eine sehr schwierige Woche für uns. Nach dem Bochum-Spiel hatten wir das Gefühl, dass wir noch einmal angreifen können", erinnerte sich Terzic an den vergangenen Samstag: "Durch die beiden Auswärtsniederlagen hängen wir unseren Ansprüchen hinterher." Rang sechs ist bis zum 22. Januar zementiert, deutlich hinter den Möglichkeiten und den Erwartungen. Der fatale Jahresabschluss gab der ohnehin schon seit Wochen wankelmütigen Stimmung den letzten Dreh ins Negative.

"Die Niederlage tut richtig weh", gab auch Sportdirektor Sebastian Kehl zu. Die Art und Weise der Pleite in Mönchengladbach wird ein schwerer Rucksack für die Atmosphäre in den kommenden Wochen, besonders aufgrund der erschreckend schwachen Abwehrleistung. "Wir haben eine Vielzahl individueller Fehler gesehen, sowohl mit unnötigen Ballverlusten als auch mit Stellungsfehlern", kritisierte Terzic.

Zwei Zentralen als Problemzonen

Am offensichtlichsten wurde das im Mittelfeldzentrum mit Emre Can und Jude Bellingham und der Innenverteidigung mit Mats Hummels und Nico Schlotterbeck, der Coach schloss in seine Kritik aber berechtigterweise auch schon das Anlaufverhalten ganz vorne ein: "Wenn man jetzt die letzten beiden Spiele sieht, die Zahl der Gegentore und die Art und Weise, wie wir sie kassiert haben, ist das sehr enttäuschend. Das war Anfang der Saison deutlich besser, da haben wir die Null oft verteidigt."

BVB-Spiele im Oktober

Auch Kehl sprach an, dass das Team "bei den Gegentoren zu viele Fehler" mache: "Wir lassen viel zu viel zu, bieten dem Gegner Kontermöglichkeiten ohne Ende. Wir machen uns das Leben damit natürlich extrem schwer." Und auch er äußerte sein Unverständnis über den vierten Gladbacher Wirkungstreffer: "Wir kommen wieder zurück und man hat in der Halbzeit das Gefühl, man ist eigentlich wieder dran. Und dann dauert es 40 Sekunden, bis wir das vierte kriegen", sagte Kehl: "Wir sensibilisieren in der Halbzeit, haben das Gefühl, dass wir das Spiel noch drehen können. Und dann gehen wir so raus und schenken es her. Da fehlt mir auch gerade der Ansatz, das ist nicht zu erklären."

Einer seiner Spieler versuchte es zumindest tapfer mit Blick auf das ganze Spiel. "Die letzte Konsequenz im kollektiven Verteidigen", habe einmal mehr gefehlt, analysierte Brandt. Das Team müsse "den Zweikampf gewinnen wollen, aber als Kollektiv, nicht jeder einzeln".

Brandt sieht fatale Kettenreaktion und vermisst den "Fischschwarm"

Und beim BVB habe er "im Moment das Gefühl, der eine geht raus, wird überspielt, dann kommt der nächste. Der ist überspielt, dann kommt wieder der nächste". Die richtige Abstimmung fehle, findet der Nationalspieler und fordert: "Wir müssen lernen zu funktionieren wie eine Art Fischschwarm. Wenn wir nach rechts gehen, gehen alle nach rechts. Das ist im Moment nicht ausreichend." Es wird einige Zeit dauern, diesen Eindruck wieder korrigieren zu können.

Patrick Kleinmann

Bilder zur Partie Bor. Mönchengladbach - Borussia Dortmund