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Bayern: Die neue kicker-Kolumne von Ron-Thorben Hoffmann

Die kicker-Kolumne von Sunderlands Keeper Ron-Thorben Hoffmann

"Don't stop the dance!" - und was der "fabelhafte Mr. Henderson" dazu beiträgt

Hatte in Sunderland bereits Grund zum Jubeln: Ron-Thorben Hoffmann.

Hatte in Sunderland bereits Grund zum Jubeln: Ron-Thorben Hoffmann. imago images/NurPhoto

Meine erste kicker-Kolumne aus Sunderland lesen Sie hier!

Erst die Sintflut, dann die Krise? Nach der Wasserschlacht gegen Portsmouth mit einer echt herben Niederlage waren wir in den Spielen danach erstmal super drauf und gewannen regelmäßig, ob auswärts oder zuhause im Stadium of Light, die Ränge sind voll. In einem Spiel wurde ich zum Man of the Match gewählt, was mich schon ein bisschen stolz macht.

Kein Wunder eigentlich, bei diesen Fans: Wenn aus mehr als 30.000 Kehlen das Falling in love ertönt, bekomme ich immer noch Gänsehaut. Und wenn das kollektive "come on!" ertönt, bebt buchstäblich das Stadion. Schon geil, oder, um es mit Sunderlands Musiker Brian Ferry zu sagen: "Don`t stop the Dance!".

Sunderland mischt oben mit: Die aktuelle Tabelle der League One

Aber die Intensität der englischen Wochen, oft mit Reisen über die halbe Insel, ist auch enorm. Und dann - kein Auf ohne Ab - lief es plötzlich nicht mehr so gut.

In der Liga haben wir tatsächlich drei Spiele am Stück verloren. Auch ich schoss einen echten Bock. Beim 1:5 gegen den Aufstiegsrivalen Rotherham sprang mir der Ball vom Fuß. Manchmal ist einfach "Wegkloppen" eben doch die beste Lösung. Und das ist vielleicht auch etwas sinnbildlich. Die dritte Liga schenkt dir für Schönspielerei rein gar nichts. Du musst fighten, immer gegenhalten, kein Hacke-Spitze 1,2,3. Ich denke, das haben wir gelernt und in den nächsten Spielen auch wieder gut umgesetzt. Ein Grund: Der Zusammenhalt im Team wächst von Tag zu Tag. Also, wie Brian Ferry sagen würde: "Let's stick together".

Der Besuch in der "verbotenen Stadt"

Die Länderspielpause hat uns sicherlich auch gutgetan. Und was das Leben in England angeht, habe ich die Tage ganz bewusst genutzt, um mal "über den Tellerrand" zu schauen. Ich habe die "verbotene Stadt" Newcastle erkundet und war am Wochenende in London. Wenn man die Nachrichten in Sachen Corona aus Deutschland hört, macht einen das schon sehr nachdenklich. Hier in der Hauptstadt ist von der Pandemie kaum noch etwas wahrnehmbar - mal sehen, wie lange das so bleibt.

Dafür begegnet einem der Brexit manchmal auf echt kuriose Weise. An den Tankstellen durfte man eine Zeit lang nur 35 Liter tanken, und auch in ein paar Geschäften waren die Regale für manche Dinge kurzzeitig komplett leer. Beide Phänomene zeigen mir, wie verwundbar wir alle doch sind, Globalisierung und High-Tech hin oder her. Und man sollte immer dankbar sein für das, was man hat, und nichts, wirklich gar nichts, als selbstverständlich nehmen.

Brian Henderson erinnert an Tiger Hermann Gerland

Apropos. In England ist ja doch so manches anders. Nicht nur das Wetter. Erstmal ein Haus finden, das auch zu mieten ist, die meisten Engländer kaufen oder erben ihr Dach über dem Kopf. Dann Strom und Gas organisieren, Möbel kaufen. Ohne den fabelhaften Mr. Henderson wäre das alles viel, viel schwerer geworden. Brian Henderson ist der Vater des ehemaligen Sunderland-Spielers und Champions League-Siegers Jordan Henderson (heute FC Liverpool).

Vater Brian ist dem Norden immer treu geblieben und hat mich direkt nach der Vertragsunterschrift unter seine Fittiche genommen - und auch das Haus besorgt. Er ist einer der herzlichsten und nettesten Menschen, die mir begegnet sind und tut alles für seinen Verein, den AFC. So ein bisschen erinnert er mich an den "Tiger" Hermann Gerland - einfach ein toller Mensch! Solange es solche wie ihn gibt, behält auch der Profifußball ein Stück Menschlichkeit - und das ist gut so.

Ron-Thorben Hoffmann (22) erlernte das Torwartspiel in seiner Heimat bei Hansa Rostock, ehe er über Hertha BSC und RB Leipzig zu Bayern München wechselte und für die zweite Mannschaft 36 Dritt- und 13 Regionalligaspiele bestritt. Im Sommer wechselte der ehemalige U-18-Nationalspieler auf Leihbasis inklusive Kaufoption zum englischen Drittligisten AFC Sunderland. Seine Erlebnisse auf der Insel teilt er von nun an regelmäßig in seiner Kolumne.

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